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    Schweinfurt

    Glosse Zeug gibt's: Goldene Image-Zeiten

    Was der Stadt Schweinfurt des Corona-Virus' wegen droht, ist ein Gewerbesteuereinbruch ohnegleichen. Waren das Zeiten, als das Image der Stadt noch als Hauptproblem gesehen wurde.
    Vor 13 Jahren konnten sich die Stadt-Oberen noch gepflegt um Schweinfurts Image sorgen. Jetzt, unter Corona, türmen sich richtige Probleme auf.
    Vor 13 Jahren konnten sich die Stadt-Oberen noch gepflegt um Schweinfurts Image sorgen. Jetzt, unter Corona, türmen sich richtige Probleme auf. Foto: Martina Müller

    Nein, sie sind nicht zu beneiden, die Schüler/innen, die heuer ihren Abschluss gemacht haben. "Kontaktlos und steril ist umsetzbar", hat eine Schweinfurter Realschule über ihre Zeugnisverleihung geschrieben, aber emotionslos wolle nicht zur Schule passen. Trotzdem wurden die Zeugnisse irgendwie überreicht, mit Mundschutz, zum Teil in mehreren Durchgängen, um Abstände zu wahren und jede mögliche Infektionsübertragung auszuschließen. Das Humboldt-Gymnasium ist dafür auf den Volksfestplatz gegangen, die FOS/BOS mit ihren über 400 Absolventen ins Willy-Sachs-Stadion. Als Skurrilitäten, der puren Not geschuldet, dürften diese Entlassfeiern von Absolventen in die Analen eingehen, als schön, dem Anlass angemessen, kaum. 

    Zeugnisse am Fließband

    "Zeugnisse und Preise vom Fließband" ist ein Bericht dieser Zeitung über so eine Abschlussfeier übertitelt. Er zeigt das ganze Dilemma, zu dem Corona zwingt – und das einige absurderweise als "Chance" bezeichnen, wo es doch nur eines ist: eine einzige Zumutung. Das wird es unter anderem auch noch für die Stadt werden. Die Frau Kämmererin Keck sieht, wenn sie demnächst in ihre Stadt-Schatulle blickt, ein großes schwarzes Loch. Einsparungen für alle Abteilungen hat sie schon verfügt, sind doch heuer von den coronagebeutelten Großbetrieben viel weniger Steuern zu erwarten als geplant. Und: Es geht hier nicht um Peanuts, sondern um viele Millionen. 

    Wie toll es in Schweinfurt ist

    Aus dieser Warte betrachtet, waren das noch Zeiten, und zwar goldene, als die Stadt vor 13 Jahren kein größeres Problem hatte, als sich um ihr (vermutetes) Bild im Lande zu sorgen. Also beschloss sie eine Riesen-Imagekampagne, die nichts anderes im Sinne hatte als zu zeigen, "wie toll es ist, hier in Schweinfurt zu leben und zu arbeiten". So sagte es die damalige OB Gudrun Grieser. Mit 500 000 Euro wurde im Radio, in TV-Spots, überregionalen Zeitungen, Magazinen wie Spiegel, Focus, Stern für die "Industrie-, Kultur- und Hochschulstadt" geworben. Slogan: "Wir haben mehr auf Lager."

    Der Name – das größte Problem

    Das Anliegen war klar: Entscheider, Führungskräfte, Ingenieure, Familienväter und -mütter aus entfernten Regionen wissen nicht, wie schön es in Schweinfurt ist, sonst wären sie schon da. Also muss man's ihnen sagen. Das größte Problem sei aber der Name "Schweinfurt" – meinte Grieser. Nun wissen wir, dass an diesem Namen auch schon der Herr Hausdichter Friedrich Rückert verzweifelt ist, "Weinfurt" oder "Mainfurt" wäre ihm lieber gewesen. Der Name Schweinfurt ist natürlich geblieben, und wie viele Entscheider und Führungskräfte die Kampagne angelockt hat, nie ermittelt worden.    

    Lange Cannabis-Ermittlung

    Apropos ermittelt. Wie weit ist die Staatsanwaltschaft mit ihren Verfahren gegen die Cannabidiol-Läden in Würzburg und Schweinfurt, denen sie schon im letzten November die Blüten-, Öle-, Salben- und Lolly-Sortimente beschlagnahmt hat? Sind die Betreiber jetzt Dealer oder nicht? Gibt's bald eine Anklage – oder keine? "Die Ermittlungen stehen kurz vor dem Abschluss", sagt der Pressesprecher. Das ist gut so, es wird auch Zeit.

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