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    Gochsheim

    Kein Sommer ohne Schwalben unterm Dach

    Dieter Denzer bietet den Insektenjägern ganz offiziell ein "schwalbenfreundliches Haus". Dafür wurde er ausgezeichnet.
    Zwei junge Rauchschwalben halten Ausschau.
    Zwei junge Rauchschwalben halten Ausschau. Foto: Uwe Eichler

    "Die Schwalbe schwingt zum Abendliede sich auf das Stänglein unterm Dach. Im Feld und in der Stadt ist Friede, Fried' ist im Haus und im Gemach": Zur Zeit eines Friedrich Rückert galten Schwalben noch als Glücksbringer, die Blitze, Krankheit, Streit und Hader vom trauten Heim fernhalten sollten. Die Zeiten sind ruppiger geworden, für die Frühlingsboten. Selbst die "Stänglein" machen sich rar, zumindest die Fernsehantennen, auf denen die zwitschernden Gäste früher gerne gerastet haben.

    Manch unromantischer Zeitgenosse zerstört bewusst Schwalbenester am Haus, aus Angst vor herunterfallendem Kot und Schmutz  – obwohl die Behausungen ganzjährig unter Naturschutz stehen, wie Helene und Karl Günzel als Gochsheimer Vertreter des "Landesbund für Vogelschutz" (LBV) betonen.

    Es gibt sie aber noch, die Wohlfühloasen innerorts, für die seltenen Rauchschwalben. Dieter Denzer, Chef eines Gartenbaubetriebs, bietet bis zu 40 der eleganten Vögel Unterschlupf, in seinem Reitstall in der Schonunger Straße. Schon vor dem Eingangstor werden die Besucher vom Gesang einer Schwalbe begrüßt, die auf einer Stromleitung "twittert".  Acht Nester hat Denzer unterm Dach gezählt, jeweils mit zwei oder drei Jungtieren. Dafür erhielt der Hof nun die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" durch den LBV.

    Stolz auf die Auszeichnung "Schwalbenfreundliches Haus": Dieter Denzer, Nachbarin Marlene und Karl Günzel vom LBV (von links).
    Stolz auf die Auszeichnung "Schwalbenfreundliches Haus": Dieter Denzer, Nachbarin Marlene und Karl Günzel vom LBV (von links). Foto: Uwe Eichler

    Die Günzels haben die Auszeichnung überreicht. Die LBV-Urgesteine kennt man von den Exkursionen zu den lokalen Fledermäusen, die ebenfalls unter Image-Problemen leiten: in Coronazeiten werden die Nachtschwärmer besonders misstrauisch beäugt, obwohl sie hierzulande definitiv keine Überträger des Virus sind. Bei den Schwalben werden in Asien höchstens die Nester verspeist. "Schwalbennestsuppe" wird aus dem Spezialspeichel einer verwandten Seglerart produziert, und soll sehr gesund sein. Über Geschmack lässt sich nicht streiten: Schwalben schnappen sich leckere Schmeißfliegen einzeln oder "keschern" ihre Beute aus einem Schwarm. An diesem Tag fliegen sie hoch, auf der Jagd nach Insekten, die von warmer Luft nach oben getragen werden  – was bekanntlich auf gutes Wetter hindeutet.

    Im Stall von Dieter Denzer sind die Nester sicher. Zweimal in der Saison wird gebrütet. "Er hat sich nicht beworben", sagen die Tierschützer, "wir haben ihn ausgewählt". Immerhin bietet der Hausherr den Schwalben seit 40 Jahren ein vorbildliches Zuhause. Dafür dezimieren seine Obermieter Stechmücken und schillernde Fliegen, und tragen so zur Hygiene zwischen Pferdebox und Misthaufen bei.

    Schwalben-Penthouse: Rauchschwalbennester sind oben offen.
    Schwalben-Penthouse: Rauchschwalbennester sind oben offen. Foto: Uwe Eichler

    "Der schönste Tag ist, wenn die Schwalben kommen", sagt der Hobby-Kutschenfahrer und ist sich da mit der jungen Nachbarin Marlene einig. Die Nester hängen mal hier, mal dort, teilweise verstärkt mit Rosshaaren. Bei den zwitscherfreudigen Rauchschwalben sind sie oben offen und werden innerhalb von Gebäuden angeklebt. Ihre gedrungenen Verwandten, die Mehlschwalben, bauen von außen an Häuserwände. Bei ihren Kolonien sind die Nestöffnungen kleiner.

    Außer an der Zerstörungswut des Menschen leiden die Schwalben vor allem unterm Insektensterben durch Pestizide. Ebenso am Fehlen von Lehmpfützen, aus denen die fliegenden Baumeister ihren Nestzement mischen. Immer wieder mal hat Dieter Denzer auch Kunstnester angebracht. Die Nisthilfen haben den Charme, dass sie sich dort platzieren lassen, wo der Schwalbenkot am wenigsten stört. Auch durch Kotbretter oder Abzieh-Folien auf dem Fensterbrett kann der Mensch das Problem eindämmen.

    "Zu Maria Geburt sind die Schwalben furt": Gemäß Bauernregel begeben sich die Schwalben bis zum 8.September auf Wanderschaft zu ihren afrikanischen Winterquartieren. Übernachtet wird während der Zugzeit im Schilf. Um so mehr freuen sich die Schwalben, wenn sie ihre Bauwerke im Frühjahr unzerstört vorfinden: "Das Wichtigste ist die Akzeptanz", werben die Günzels, für mehr häusliche Harmonie zwischen Mensch und Schwalbe.

    Auf das Prädikat "Schwalbenfreundliches Haus" darf sich prinzipiell jeder Umweltschützer bewerben: https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-haus/voegel-am-haus/schwalben/schwalbenfreundliches-haus/

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