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    Schweinfurt

    Kritik an "Bäume für die Zukunft": Künftig kein Verkauf mehr

    "Ungepflegt?" Der Zustand des Areals sorgte bei Teilnehmern der Baumpflanzaktion für Verwunderung. Nun klärte das Forstamt auf, stellte jedoch das ganze Projekt in Frage.
    Florian Haensel (links) bei einer Führung durch den Schweinfurter Stadtwald im vergangen Jahr.
    Florian Haensel (links) bei einer Führung durch den Schweinfurter Stadtwald im vergangen Jahr. Foto: Rita Steger-Frühwacht

    Jeder, der in Schweinfurt wohnt, hier studiert oder sich mit der Stadt in besonderer Weise verbunden fühlt, kann einen Baum pflanzen, um etwas Bleibendes zu hinterlassen. So wirbt zumindest die Stadt Schweinfurt auf ihrer Website für die Aktion "Bäume für die Zukunft". Doch die 2011 gestartete Initiative geriet nun in die Kritik, da das Areal im Bürgerwald laut Stadträtin Christiane Michal-Zaiser (proschweinfurt) "völlig verwildert" sei. Sie erkundigte sich nun in einem Brief an Oberbürgermeister Sebastian Remelé nach der Aktion. Bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses gab es überraschende Antworten.

    Die Initiatoren Roland und Angela Merz starteten das Projekt damals mit Unterstützung verschiedener Banken. Seitdem können sich Teilnehmer der Baumpflanzaktion bei der Stadt Schweinfurt anmelden und die gewünschte Baumart – Walnuss, Elsbeere oder Wildobst –auswählen. Ein Baum kostet dabei 20 Euro, Geburtsbäume für Schweinfurter Kinder sind kostenlos. Im Frühjahr und Herbst führt das städtische Forstamt dann jeweils einen Pflanztermin durch, in dessen Rahmen die bestellten Bäume gemeinsam eingepflanzt werden, heißt es auf der Website. Demnach erhält jeder Baumpflanzer eine Urkunde und einen Lageplan der gepflanzten Bäume im sogenannten "Bürgerwald".

    Ist das Areal verwildert und ungepflegt?

    So weit so gut. Doch laut Christiane Michal-Zaiser "haben einige Baumpflanzer feststellen müssen, dass das Pflanzareal völlig verwildert ist". Offensichtlich werde dieses nicht mehr gepflegt. Zudem sei es eingezäunt worden, so dass ein Zugang zu den "eigenen" Bäumen nicht mehr oder nur unter extrem erschwerten Bedingungen möglich ist. Michal-Zaiser frage sich nun, warum das Areal, um das sich die Stadt kümmere, so ungepflegt ist, warum so viele Bäume eingegangen sind und ob es überhaupt noch Interesse an dem Projekt gibt.

    Von einem 'völlig verwilderten Areal' spricht Stadträtin Christiane Michal-Zaiser, die selbst ein Bild vom Pflanzgebiet der Aktion 'Bäume für die Zukunft' gemacht hat.
    Von einem "völlig verwilderten Areal" spricht Stadträtin Christiane Michal-Zaiser, die selbst ein Bild vom Pflanzgebiet der Aktion "Bäume für die Zukunft" gemacht hat. Foto: Christiane Michal-Zaiser

    Florian Haensel, Leiter des Städtischen Forstamtes in Schweinfurt, bezog nun Stellung zum Thema und verwies zunächst auf die von den Initiatoren ursprünglich formulierten Ziele. Demnach soll das Projekt für die Umwelt sensibilisieren, das Klima zu verbessern, die Landschaft renaturieren und neue Lebensräume für Tiere schaffen. "Aus forstwirtschaftlicher Sicht hat die Pflanzaktion im Hinblick auf die formulierten Ziele und die Umsetzungskulisse 'Wald' keinerlei Mehrwert", bescheinigt Haensel.

    Der Wald verjünge sich eigenständig und das Klima werde dort durch die Aktion nicht verbessert. Außerdem ergebe eine Renaturierung in einem ohnehin naturnahen Wald "keinen Sinn". Auch die Tierarten hätten dort bereits ihre Lebensräume. Das Erreichen der formulierten Ziele könne also kritisch hinterfragt werden, so der Forstamtsleiter.

    Künftig kein Baum-Verkauf mehr

    Der Verkauf der Bäume erzeuge eine Erwartungshaltung, die an der Realität vorbei gehe. Der Stadtwald, so Haensel, sei kein Garten oder Park. "Die Pflanzareale sind definitiv nicht ungepflegt, sondern entsprechen der forstlichen Praxis." Sie würden den natürlichen Dynamiken, wie Frost, Trockenheit oder Begleitvegetation, unterliegen. Zum Thema Zugänglichkeit sagte Haensel: "Die Flächen sind zum Schutz vor Wildverbiss eingezäunt", da ein Reh ausreiche, um eine Großzahl der Bäumchen zu schädigen.

    Viele dieser Punkte machten deutlich, dass das Forstamt dem Projekt kritisch gegenüber steht. Deshalb, gerade wegen der unrealistischen Erwartungshaltung, werden künftig keine Bäume mehr verkauft. Laut Forstamt sei die Aktion mehr ein "Familien-Event als ein tatsächlicher Beitrag für Klima und Natur". Die Teilnehmerzahl habe eine kritische Größe erreicht und die Urprinzipien der Natur blieben im Projekt unberücksichtigt. Das Forstamt empfahl der Stadt deshalb, dass der politische Auftrag, etwa "weg vom Einzelbaum, hin zum Wäldchen", neu formuliert werden müsse.

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