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    Dittelbrunn

    Lehrer fordern Ehrlichkeit und Transparenz

    Die Gesellschaft hat hohe Erwartungen an das neue Schuljahr. Inwieweit diese realistisch sind, war Thema der vergangenen Vorstandssitzung des Kreisverbands des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV).

    "Die Schulen stehen im neuen Schuljahr vor zahlreichen Herausforderungen", so Kreisvorsitzender Walter Schäffer. So habe der BLLV bereits vor einem Jahr vor den bevorstehenden gravierenden Engpässen in der Lehrerversorgung gewarnt, was von München abgewiegelt wurde.

    Doch sei dann Anfang dieses Jahres deswegen die Lehrerarbeitszeit erhöht worden, bayernweit fehlen 1400 Lehrer an Grund- und Mittelschulen. Am 16. März seien wegen des Coronavirus die Schulen geschlossen worden, die Gesellschaft stand still.

    Lehrkräfte haben Ausnahmesituation gemeistert

    Diese Ausnahmesituation mit Notfallplänen, Hygienekonzepten, Notbetreuung, "Homeschooling" und vieles mehr hätten die Lehrkräfte gemeistert. Das Schulsystem sei nicht zusammengebrochen, da die Kolleginnen und Kollegen deutliche Mehrbelastung in Kauf genommen haben, betonte der BLLV-Vorsitzende.

    "Doch wie geht es im September weiter", fragte Schäffer. "Wir hängen alle in der Luft." Vor allem die Eltern wollten wissen, wie es weitergeht. Der Präsenzunterricht an den Grund- und Mittelschulen sei unverzichtbar.

    Die Basis des Lernens sei die Beziehung und das Ziel sei nicht das Sortieren von Schülern, sondern Kompetenzerwerb. Modernes Lernen, das Schülerinnen und Schüler wirklich fit mache fürs Leben und diese befähigt, selbstständig auch durch Krisenzeiten zu kommen. Dies gehe nur auf der Grundlage eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses, so der BLLV-Vorsitzende.

    Schulen brauchen mehr Eigenverantwortung

    "Wir brauchen an den Schulen echte Eigenverantwortung mit kompletter politischer Rückendeckung", betonte Schäffer. Schreiben des Kultusministeriums, die zentral alles bis ins kleinste Detail regeln, seien hier wenig hilfreich. Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen mussten Grundlage aller Entscheidungen sein.

    Tests auf freiwilliger Basis fur alle Lehrerinnen und Lehrer seien hierfür eine gute Grundlage. Er halte lokale und dezentrale Schuloffnungen beziehungsweise -schließungen für den richtigen Weg. Schäffer gab auch zu bedenken, dass Schulen nicht auf Knopfdruck das ändern könnten, was die Politik beispielsweise in der Digitalisierung über Jahre verschlafen hat. Und dass sie nicht plötzlich in den Sommerferien eine professionelle Verzahnung von Distanz- und Präsenzunterricht für das neue Schuljahr auf die Beine stellen können.

    Schüler sind unterschiedlich gut durch Krise gekommen

    Corona habe am althergebrachten Bildungsverständnis gerüttelt, konstatierte der BLLV-Vorsitzende. Als der Kultusminister Corona-bedingtes Sitzenbleiben ausgeschlossen hat, sei allgemein hinterfragt worden, was Schule eigentlich leisten solle. Kinder, die eigenverantwortlich lernen können, seien gut durch die Pandemie gekommen, berichtete Schäffer.

    Doch habe das digitale Kommunizieren mit Schülerinnen und Schülern während der Corona-Zeit die persönliche Beziehung nicht ersetzen konnte. Denn die Schule sei der einzige Ort, an dem Kinder einen strukturierten Alltag erleben. Außerdem seien Sozialkontakte ein Grundbedürfnis. Schulschließungen während der Corona-Pandemie hätten insbesondere die Kinder hart getroffen, die ohnehin schon mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen haben.

    Einige Schüler sind teilweise komplett abgetaucht

    Die Schere der Bildungsungerechtigkeit habe sich weiter geöffnet. Der BLLV-Vorsitzende berichtete von Kindern, die komplett abgetaucht waren. Auch Kontaktversuche seitens der Lehrkräfte und des Jugendamtes seien fehlgeschlagen. Grundsätzlich sei hier das "Brückenangebot" des Kultusministeriums, also die Förderung von Schulkindern mit Unterstützungsbedarf, löblich.

    Doch er bezweifele, ob damit auch den Kindern Hilfe geleistet werden kann, die es am dringendsten benötigen. Denn diese bräuchten eher Hilfe von psychosozialer Seite. Zudem gibt Schäffer zu bedenken, welche Lehrkräfte die "Brückenangebote" leisten sollen. Schließlich sei der Lehrermangel jetzt schon sehr gravierend.

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