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    Sulzheim

    Leserforum: Gifteinsätze nicht einfach akzeptieren

    Liebe Leser und Mitbürger Bayerns:

    Was ist das für eine Krankheit, die sich folgendermaßen darstellt?

    Wir schützen überall auf der Welt die biologische Vielfalt durch Aufnahme der Arten in Kataloge, Rote Listen genannt, für die demnächst aussterbenden Arten. Auch in Bayern sind bereits etwa die Hälfte aller Lebewesen auf solchen Roten Listen zu finden. In unserem Freistaat haben für das Volksbegehren "Rettet die Bienen" im Februar des vergangenen Jahres innerhalb von nur zwei Wochen mehr als 1,7 Millionen Menschen in den Rathäusern für ein besseres Naturschutzgesetz und damit für mehr Artenschutz unterschrieben. Chapeau!

    Aber: Auf der anderen Seite verspritzen wir jedes Jahr in immer stärkerem Umfang abscheuliche Gifte mit Flugzeugen hoch oben über unseren geliebten Wald. Still und heimlich stirbt uns das Leben auch im Wald weg und es verbleiben nur mehr grüne, lebensfeindliche Baumkulissen auf vergifteten Böden übrig. Im schönen Wonnemonat Mai flogen solche giftbeladenen Helikopter über unsere Köpfe hinweg und versprühten das Häutungsgift MIMIC großflächig in den Wäldern unserer Heimat, u.a. auch bei Knetzgau, Zeil, Krum und Sechsthal oder in Sulzheim und anderenorts in den Bayerischen Wäldern. Was ist daran schlimm, könnte man fragen? Da hilft ein kurzer, bei weitem nicht umfänglicher Blick in das Datenblatt zu MIMIC. Mir graust davor:

    "VA218: Es ist sicherzustellen, dass der Verzehr von Waldpilzen, wild wachsenden Früchten und Wildkräutern in einem Zeitraum von drei Wochen nach der Anwendung ausgeschlossen wird.

    NT181: Dieses Insektizid wirkt nicht spezifisch allein gegen die zu bekämpfenden Schadorganismen.

    SF1811: Es ist sicherzustellen, dass während der Behandlung mittels Luftfahrzeugen und bis zum Abtrocknen des Spritzbelages die behandelte Fläche von unbeteiligten Dritten nicht betreten wird.

    NW262: Das Mittel ist giftig für Algen.

    NW264: Das Mittel ist giftig für Fische und Fischnährtiere.

    SB001: Jeden unnötigen Kontakt mit dem Mittel vermeiden. Missbrauch kann zu Gesundheitsschäden führen.

    SS2202: Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel und festes Schuhwerk (z.B. Gummistiefel) tragen.

    Erste Hilfe Maßnahmen. Nach Einatmen: Betroffene Person aus der Gefahrenzone bringen. Für Frischluft sorgen. Nach Hautkontakt: Sofort abwaschen mit Wasser und Seife. Bewusstlosen Personen darf nichts eingeflößt werden.

    Gefahrenhinweise: H410: Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

    Sicherheitshinweise: P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden."

    Es gibt offenbar keine Grenze mehr und keine Scham. Jedes Jahr ein bisschen mehr und ein bisschen maßloser. Spritzen aus der Luft zerstört die Gemeinschaft und damit die Selbstheilungskraft der Natur und führt zu großem Tierleid, bis hinauf zu den verhungernden Jungvögeln des Waldes. Wir dürfen Gifteinsätze über den Wipfeln der Wälder nicht einfach mehr so schlucken und zur Tagesordnung übergehen.

    Was ist das also für eine Krankheit, frag ich dich? Sag es mir.

    Dr. Robert Atzmüller
    97522 Sand am Main

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    Bearbeitet von Lena Berger

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