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    Oberlauringen

    Neuer Glanz für das "Storchenbrünnle" in Oberlauringen

    Romantisch am Ortsende von Oberlauringen gelegen: der 'Weihersbach', ein Quellsee der Lauer.
    Romantisch am Ortsende von Oberlauringen gelegen: der "Weihersbach", ein Quellsee der Lauer. Foto: Hans Mager

    Jeder, der in Oberlauringen den Weg vom Dorf zum Tieftalsee geht oder fährt, kommt am Storchenbrünnle, das rund 500 Meter nordwestlich des Ortes liegt, vorbei. Hieraus sollen, so die Sage im Ort, die Neugeborenen vom Storch geholt werden, wenn im Dorf eine Frau in den Wehen liegt. Den Quellstein ziert deshalb seit einem Jahrhundert ein Storch, der jetzt von Oskar Buchert mit frischer Farbe angestrichen wurde und auch das Eisentor zum Eingang der Quelle erhielt von ihm einen neuen Anstrich.

    Zudem hat der Dichter Friedrich Rückert (1788-1866), der hier im Ort am Haßbergtrauf seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte, diese Sage in seinem literarischen Schaffen mit dem Gedicht "Das Lauerbrünnlein" ein poetisches Denkmal gesetzt.

    Friedrich Rückert kam als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Oberlauringen, wo sein Vater die Stelle eines Dorfamtmannes beim Truchseß von Wetzhausen, dem damaligen Lehensherrn, für rund zehn Jahre innehatte. Friedrich Rückert war der Älteste unter seinen sieben Geschwistern, von denen drei in Oberlauringen zur Welt kamen. Wenn bei der Mutter wieder eine Geburt bevorstand, wurden die älteren Kinder, Friedrich und sein jüngerer Bruder Heinrich, aus dem Haus fortgeschickt. Wenn sie dann heimkamen und ein Geschwisterchen in der Wiege lag, fragten sie neugierig: "Woher ist das Kind gekommen?" Da bekamen die Rückertsbuben – wie alle Kinder in Oberlauringen – die Antwort: "Das Ammenfräulein (Anmerkung: die Hebamme) hat es aus dem Weihersbach geschöpft und hergebracht". Der Weihersbach ist ein Quellsee 200 Meter unterhalb der Lauerquelle am Dorfende, der in die Lauer abfließt.

    Zwei, die sich für Oberlauringen engagieren: Bernd Haas (links), Mitglied im Friedrich-Rückert-Arbeitskreis, und Oskar Buchert, der mit Farbe und Pinsel das Storchenbrünnle verschönerte.
    Zwei, die sich für Oberlauringen engagieren: Bernd Haas (links), Mitglied im Friedrich-Rückert-Arbeitskreis, und Oskar Buchert, der mit Farbe und Pinsel das Storchenbrünnle verschönerte. Foto: Hans Mager

    Friedrich Rückert hat als 41-Jähriger seine Erlebnisse und seine Eindrücke aus der Kinder- und Jugendzeit in Oberlauringen im Gedichtzyklus "Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannsohnes" festgehalten. Unter den 43 Gedichten findet sich auch "Das Lauerbrünnlein". Aber nicht nur die Sage hielt der Dichter in Versen fest, sondern auch sein Bemühen, selbst Kinder aus der Lauerquelle/dem Weihersbach zu schöpfen. "Sah schwimmen drin Kaulquäppchen, Einfing ich eins im Käppchen, Und trug´s nach Haus." Allerdings wurde daraus nur ein Frosch!

    Die Lauerquelle war in den Tagen Friedrich Rückerts nur ein kleiner Quelltümpel. Erst um 1920 hat ein Dorfverschönerungsverein einen Sandstein darüber aufgestellt, der aus einem Steinbruch aus dem oberhalb der Quelle liegenden Rabenberg geholt worden war. Auf ihm ist der Schriftzug "Lauerquelle" und entsprechend dem Quellennamen ein Storch zu sehen. Im Zuge der Flurbereinigung wurde 1956 die Quelle mit einem Rohr gefasst und der Zugang mit einem Eisentor verschlossen. Da über alle Zeiten die Oberlauringer Bevölkerung mit der Quelle eng verbunden ist, wird seit den 1970er Jahren das Taufwasser für die in der örtlichen Heilig-Kreuz-Kirche getauften Kinder aus dem Storchenbrünnle geholt. Deshalb ist ein Schlüssel für das Eisentor nicht nur beim Markt Stadtlauringen, zu dem Oberlauringen als Ortsteil gehört, sondern auch bei der Kirchengemeinde hinterlegt.

    Blick auf den 'Weihersbach', einen Quellsee der Lauer.
    Blick auf den "Weihersbach", einen Quellsee der Lauer. Foto: Hans Mager

    Da das Storchenbrünnle im Werk Friedrich Rückerts auch Eingang gefunden hat, hat der Friedrich-Rückert-Arbeitskreis hier auch eine Station im 2,4 Kilometer langen Rückert-Rundweg durch das Dorf geschaffen und dazu einen Flyer erstellt. An weiteren acht Haltepunkten werden auf Stelen seine "Erinnerungen" und somit seine Kindheit in Gedichtform dem Betrachter präsentiert. Zudem bieten Mitglieder des Friedrich-Rückert-Arbeitskreises Führungen an, die über den Markt Stadtlauringen (Tel.: 09724 9104-0 • Fax: 09724 9104-50, email: info@stadtlauringen.de) anzumelden sind.

    Bei diesen Führungen erklärt Hans Mager am Storchenbrünnle augenzwinkernd, dass aus dieser Quelle zwar nicht die Kinder von Oberlauringen kommen. Jedoch könnte die Bank unter der mächtigen Eiche, die den Brunnen beschattet, als heimlicher Treffpunkt von verliebten Paaren vielleicht schon zum Kindersegen im Ort beitragen.

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