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    Geldersheim

    Pflastersteine, Laptop und zu viele Plastiktüten im Biomüll

    Im Abfallwirtschaftszentrum bei Geldersheim hat Viktor Cismaru für den Termin mit der Redaktion Störstoffe aus dem Biomüll gefischt – auch eine Kaffeekanne und einen PC.
    Nur ein Teil der Ausbeute bei der Suche nach Störstoffen im Biomüll.
    Nur ein Teil der Ausbeute bei der Suche nach Störstoffen im Biomüll. Foto: Gerd Landgraf

    Glas, Steine, Straßenkehricht, Kunststoffe und Metall vereiteln, dass aus dem in den Landkreisen Bad Kissingen, Kitzingen und Schweinfurt eingesammelten Biomüll hochwertiger Kompost für den ökologischen Landbau wird und sorgen dafür, dass zu viel und zu stark verunreinigtes Material in der Müllverbrennung landet und die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftszentrums Rothmühle immer wieder metertief in den Biomüll krabbeln müssen, um defekte Maschinenteile auszutauschen.

    Auf das Konto der Fehleinwürfe gehen zudem die verkürzten Wartungsintervalle und so natürlich auch ein Teil des Defizits der vergleichsweise trotzdem noch sehr effizienten Biomüllverwertung. Den Anteil der schwarzen Schafe beziffern Thomas Fackelmann, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft beim Landratsamt, und der technische Leiter des Abfallwirtschaftszentrums, Heiko Glöckner, mit fünf Prozent. Und so gab es beim Besuch der Redaktion auf der Anlage des Landkreises bei Geldersheim auch reichlich Lob für die große Mehrheit: also die 95 Prozent, die beim Wurf in die Biotonne Sorgfalt walten lassen.

    95 Prozent der Kundschaft wirft in die Biotonne nur, was auch in die braune Tonne gehört. Verdruss bescheren vor allen Kleinteile aus Plastik wie Folien, die sich im Gegensatz zu dem großen Deckel einer Biotonne (Bildmitte) kaum entfernen lassen.
    95 Prozent der Kundschaft wirft in die Biotonne nur, was auch in die braune Tonne gehört. Verdruss bescheren vor allen Kleinteile aus Plastik wie Folien, die sich im Gegensatz zu dem großen Deckel einer Biotonne (Bildmitte) kaum entfernen lassen. Foto: Gerd Landgraf

    Die gesetzlichen Vorgaben für Kompost, der nach der Vergärung auf den Mieten der Anlage ausreift, hält das Abfallwirtschaftszentrum zwar locker ein, doch nicht die strengeren Vorgaben für den Biolandbau. Insbesondere ist es der zu hohe Anteil an Plastik, der die gewünschte Zertifizierung und damit auch die kurzen Wege für den Kompost in die nahe Landwirtschaft blockiert.   

    Müllbeutel aus Bio-Kunststoffen bauen sich nicht schnell genug ab.
    Müllbeutel aus Bio-Kunststoffen bauen sich nicht schnell genug ab. Foto: Gerd Landgraf

    Ein besonderes Ärgernis ist der Müllbeutel aus Bio-Kunststoffen, dessen Material zwar irgendwann, aber keinesfalls schnell genug zerfällt, weshalb von Heiko Glöckner und Thomas Fackelmann an die Kundschaft die dringende Bitte ergeht, Papiertüten oder auch gar keine Beutel zu verwenden. Steine, Glas und Metalle haben natürlich auch nichts im Kompost zu suchen, doch davon wird vieles ausgesiebt – allerdings erst nachdem sich an diesen die Messer der Zerkleinerungsanlagen stumpf geschlagen haben oder gar geborsten sind.   

    Nach einem Monat wird das Tor einer Kammer der Trockenvergärung geöffnet. Bei der Säuberung schützt der Ganzkörperanzug vor Schmutz und Geruch.
    Nach einem Monat wird das Tor einer Kammer der Trockenvergärung geöffnet. Bei der Säuberung schützt der Ganzkörperanzug vor Schmutz und Geruch. Foto: Gerd Landgraf

    Angeliefert wird der Biomüll in der Regel mit Müllfahrzeugen, die mit einem Rotopresssystem bestückt sind. Das Ladegut ist also nicht nur gepresst, sondern auch leidlich gut gemischt. Mit der Schaufel des Radladers wird dann ein Trommelsieb bestückt, das den Biomüll in zwei Fraktionen trennt: was größer als acht Zentimeter ist, wandert in die Trockenvergärung, was kleiner ist in die Nassvergärung.

    Bei der Trockenvergärung landet das Material in großen Garagen, die gasdicht verschlossen werden. Unter Berieselung mit Wasser und bei einer Temperatur von 50 Grad entsteht im anaeroben Verfahren Methangas. Nach vier bis fünf Wochen endet der Vorgang und die Biomasse wird belüftet, ehe ein Windsieb Fremdstoffe wie Plastik zumindest reduziert. In einem früheren Stadium – wenn der Biomüll noch sehr feucht ist – lassen sich Folien, Plastiktaschen oder etwa die Netze der im Supermarkt gekauften Kartoffeln und Zwiebeln kaum entfernen.   

    Die zwei Faulbehälter der Nassvergärung.
    Die zwei Faulbehälter der Nassvergärung. Foto: Gerd Landgraf

    Die Nassfraktion wird zerkleinert und gepresst. Gleichzeitig wird ausgemustert, was größer als 12 Millimeter ist (kommt in die Trockenvergärung). Der verbleibende Brei wird bei 70 Grad eine Stunde pasteurisiert, ehe die Biomasse in die beiden Großbehälter der Fermentation wandert(Umwandlung von Stoffen durch den Einsatz von Bakterien), wo bei 52 Grad ebenfalls Methangas gewonnen wird.

    Teile, die größer als einen Millimeter sind, werden anschließend ausgesiebt und an die Kompostproduktion weitergegeben. Der verbleibende etwas dickflüssige Gärrest kommt als begehrter Dünger auf die Felder. Mit dem Gas aus der Trocken- und der Nassvergärung erzeugt das Abfallwirtschaftszentrum jährlich bis zu sieben Millionen Kilowattstunden Strom – also eine für 2000 Haushalte ausreichende Menge.

    Gehört nicht in die Biotonne: ein Laptopo.
    Gehört nicht in die Biotonne: ein Laptopo. Foto: Gerd Landgraf

    Aktuell laufen die Vorbereitungen für ein Aufrüsten der Anlage, die wegen ihrer Größe zumindest teilweise eingehaust werden muss und nach dem Stand der Technik sogar komplett eingehaust wird. Außerdem werden mit Diesel betriebene Maschinen (etwa Radlader) durch elektrische Aggregate ersetzt und auch die Reduzierung der Störstoffe (Metall durch Magnete, Kunststoffe durch Wind) wird optimiert.

    Sieben Millionen Kilowattstunden erzeugt die Anlage.
    Sieben Millionen Kilowattstunden erzeugt die Anlage. Foto: Gerd Landgraf
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