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    Gerolzhofen

    Pflegestift und Corona: "Angst ist ein ganz schlechter Begleiter"

    Silke Pfister übernahm im Februar die Leitung des Pflegestifts in Gerolzhofen und sah sich gleich mit einer der größten Herausforderungen ihrer Karriere konfrontiert.
    Pflegestift-Heimleiterin Silke Pfister mit den Bewohnerinnen Reinhilde Hebenstreit (links) und Irmgard Hofmann.
    Pflegestift-Heimleiterin Silke Pfister mit den Bewohnerinnen Reinhilde Hebenstreit (links) und Irmgard Hofmann. Foto: Andreas Lösch

    Es war eine Zereißprobe. Als Silke Pfister im Februar dieses Jahres beim Pflegestift in Gerolzhofen an der Andreas-Hippler-Straße die Leitung übernahm, sah sie sich dank ihrer Erfahrung als Führungskraft im Pflegebereich gut gewappnet für die anstehenden Aufgaben. Und dann kam Corona. "Ich habe die volle Breitseite abbekommen, als ich anfing", sagt sie. Und lächelt. Denn ein gutes halbes Jahr später, als die Main-Post die Pflegeeinrichtung besucht, kann sie ruhigen Gewissens bilanzieren: Sie und ihre Mitarbeiter haben die Situation gut gemeistert. Auch, wenn es viel Kraft gekostet hat, etliche Überstunden und Wochenendarbeit notwendig waren, denn gerade in der Pflege und in der Betreuung sei den Kollegen sehr viel abverlangt worden. Doch: "Ich hatte ein starkes Team hinter mir", erklärt sie. 

    Hygienekonzept erarbeiten, Mitarbeiter schulen

    Die Corona-Pandemie bestimmte ab Mitte März, als in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen worden war, vollends den Tagesablauf. Zum einen galt es, die Pflegearbeit an die sich immer wieder ändernden Corona-Maßnahmen anzupassen. Wie Pfister erklärt, habe man sich hier regelmäßig eng mit der Heimaufsicht und dem Gesundheitsamt des Landratsamtes abgestimmt. Diese Zusammenarbeit hat sie als sehr zielführend empfunden. Für das Pflegestift war die 55-Jährige fortan die Pandemie-Beauftragte, es galt zum Beispiel, ein Hygienekonzept zu erarbeiten und umzusetzen, Mitarbeiter zu schulen und auf den neuesten Stand zu bringen und auf die sich immer wieder ändernden Vorgaben und Anweisungen der Regierung zu reagieren.

    Entscheidungen nachvollziehbar machen

    Als nach den Wochen des kompletten Lock-Downs und einem Besuchsverbot für Angehörige wieder Lockerungen seitens der Staatsregierung erfolgten, kümmerte sich Pfister zum Beispiel auch um eine Besucherregelung.  Mit den Führungskräften der anderen beiden bayerischen Pflegestift-Häuser in Waldmünchen und Furth im Wald des diakonischen Altenhilfeträgers "Dienste für Menschen" (DfM)  hat sich Pfister regelmäßig online via Skype ausgetauscht und beraten. Insgesamt sei Kommunikation einer der Schlüssel gewesen, um die Krise zu meistern. Viele Gespräche mit den Mitarbeitern, den Angehörigen und den Heimbewohnern waren notwendig und wichtig, um in der schwierigen Situation möglichst viel Transparenz zu schaffen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. 

    Pflegestift-Bewohner Ernst Hoh posiert für ein Sommerfest-Foto in Corona-Zeiten.
    Pflegestift-Bewohner Ernst Hoh posiert für ein Sommerfest-Foto in Corona-Zeiten. Foto: DfM Pflegestift Gerolzhofen

    Corona ist mittlerweile Alltag und so gut es geht versuchen Pfister und ihr Team, den Bewohnern und den Angehörigen wieder ein bisschen Normalität in der Krise zu vermitteln. Nach den strengen Kontaktbeschränkungen im März inklusive Besuchsverbot konnten nach und nach wieder mehr soziale Kontakte ermöglicht werden, zunächst unter den Bewohnern selbst, so etwa wurde der Speisesaal mit entsprechendem Konzept im Mai wieder geöffnet. Mittlerweile gibt es für die Bewohner auch wieder Gruppenangebote in Kleinstgruppen. Und Besucher können nach Anmeldung Angehörige besuchen - Mundschutz tragen, Abstand halten und Hygieneregeln einhalten sind dabei freilich oberstes Gebot.

    Willkommene Abwechslung

    "Es ist natürlich für die Bewohner schwer, die Angehörigen nur so dosiert zu Gesicht zu bekommen", sagt Pfister. Das zeigte sich auch beim Sommerfest, das in der vergangenen Woche stattgefunden hat - ohne Angehörige, denn der Innenhof des Pflegestifts ist zu klein, "wir könnten den Abstand gar nicht einhalten", erklärt Pfister. Trotzdem war das kleine Grillfest eine willkommene Abwechslung für die Bewohner, "um ein bisschen Alltag wieder reinzubringen".

    Gesundheit gehe dabei aber vor, zumal sich das Konzept der Einrichtung bewährt hat. Bislang ist es im Pflegestift zu keinem Corona-Fall gekommen und das soll auch so bleiben. Wichtig ist für Silke Pfister dabei, um Verständnis zu werben und die beschlossenen Maßnahmen gezielt, aber unaufgeregt umzusetzen. Auch, wenn auf jedem Einzelnen durch die Pandemie noch einmal zusätzlich Verantwortung lastet, so plädiert sie doch für die nötige Gelassenheit. Es gelte, nicht in Panik zu verfallen, denn über die Jahre habe sie gelernt, "dass Angst ein ganz schlechter Begleiter ist".

    Im Pflegestift wohnen derzeit 66 Bewohner, Platz ist für insgesamt 72 Bewohner. Um deren Wohlbefinden kümmern sich rund 50 Mitarbeiter etwa in den Bereichen Pflege, Verwaltung, Haustechnik oder Reinigung. Und Verstärkung könne sie immer gebrauchen, "wir sind offen für Bewerbungen", erwähnt Pfister noch in dem Gespräch mit der Main-Post - denn Pflegefachkräfte und Pflegehelfer sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie eh und je. 

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