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    Schweinfurt

    Schweinfurt: Nördliches Gründerzeitviertel wird aufgewertet

    Die Verwaltung findet einen Antrag der Freien Wähler gut, das nördliche Gründerzeitviertel zu einem Sanierungsgebiet zu machen. Warum die Linken vor Gentrifizierung warnen.
    Die Freien Wähler wollen das Gebiet zwischen Schopper- und Niederwerrner Straße zum Sanierungsgebiet machen, die Stadtverwaltung findet das gut.
    Die Freien Wähler wollen das Gebiet zwischen Schopper- und Niederwerrner Straße zum Sanierungsgebiet machen, die Stadtverwaltung findet das gut. Foto: Gerd Landgraf

    So oft kommt es ja nicht vor, dass Parteien aus dem Stadtrat mit einem ihrer Anträge "offene Türen bei der Verwaltung" einrennen, wie Baureferent Ralf Brettin beim Antrag von Adi Schön (Freie Wähler) betonte, das Gebiet zwischen Friedhofstraße, Auenstraße, Niederwerrner Straße und Schopperstraße zum Sanierungsgebiet zu erklären. Für den Baureferenten, der die Pläne der Verwaltung im Bauausschuss und im Stadtrat vorstellte, ist das geplante Sanierungsgebiet ein perfektes Beispiel für das Motto "Innen statt außen."

    Von einem "städtebaulichen Missstand" hatte Adi Schön im Mai gesprochen. In dem Bereich seien zahlreiche Bauten in einem Verfallszustand, obwohl das Gebiet zwischen Wohnbebauung, ehemaligen Handwerksbetrieben, Handelsbetrieben und einem Baumarkt "großes Entwicklungspotential" habe. Das über sechs Hektar große Gebiet hat 76 Grundstücke und zahlreiche öffentliche Verkehrsflächen. 

    Das als Innenstadt-Nord bezeichnete Areal gehört zu den Gründerzeitquartieren der Stadt. Ralf Brettin beschrieb die Stärken und Schwächen und das nun anstehende Prozedere, bis man ein Sanierungsgebiet ausweisen kann. Das hat vor allem für Bauherren steuerlich erhebliche Vorteile, wenn sie dort investieren.

    Zunächst sind vorbereitende Untersuchungen nötig, bei denen die tatsächliche Notwendigkeit der Sanierung sowie die sozialen, strukturellen und städtebaulichen Verhältnisse geprüft werden. Im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) ist eine Passage zu finden, in dem das Gebiet vor allem durch einen "sehr hohen Ausländeranteil und einen hohen Anteil an Hilfeempfängern gekennzeichnet" sei.

    Linken bitten darum, die dort lebende Bevölkerung nicht zu verdrängen

    In diesem Zusammenhang mahnte Linken-Fraktionschef Frank Firsching, man müsse aufpassen, die dort schon lebenden Bewohner bei anstehenden Sanierungen von Wohnhäusern durch höhere Mieten nicht zu verdrängen, Stichwort Gentrifizierung. Nicht das Erzielen höherer Mieten, sondern die "Verbesserung der Lebensqualität für alle und bezahlbares Wohnen" sollten laut Firsching im Vordergrund stehen.

    Den Ansatz Firschings konnte Baureferent Ralf Brettin nachvollziehen, betonte aber, dass man erst ganz am Anfang des Verfahrens stehe und nun den Ist-Zustand feststelle und daraus Ziele entwickele, die man mit einem Sanierungsgebiet erreichen wolle. Wie sich Mietpreise entwickeln, darauf habe die Stadt keinen Einfluss, doch natürlich sei schon aus rechtlichen Gründen das Erzielen höherer Mieten kein Grund für ein Sanierungsgebiet.

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