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    Schweinfurt

    Schweinfurt: Wie Friseure ab 4. Mai unsere Haare schneiden

    Die Auftragsbücher sind schon jetzt voll, die to-do-Listen auch. Es gibt viel zu tun und zu beachten, damit die Friseure wieder öffnen können. Etliches wird anders sein.
    Was in Deutschland noch Zukunft ist, ist in Australien schon üblich: Friseure müssen eine Maske tragen, bei uns auch die Kunden. Auch sonst gibt es etliches, was sich ändern wird.
    Was in Deutschland noch Zukunft ist, ist in Australien schon üblich: Friseure müssen eine Maske tragen, bei uns auch die Kunden. Auch sonst gibt es etliches, was sich ändern wird. Foto: Dan Peled/DPA

    Wer sich auf Anfang Mai freut, um seinen Bart stutzen zu lassen, muss jetzt stark sein: das wird kein Friseur machen, zumindest keiner, der sich an die staatlichen Auflagen für die Betriebe hält. Bärte schneiden, rasieren, Wimpern färben, Augenbrauen zupfen – nichts, was im Gesicht stattfindet, ist mehr erlaubt. Zumindest bis auf weiteres. Die Friseurinnung Main-Rhön, zu der Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie Rhön-Grabfeld gehören, wird sich an diese Vorgaben ganz genau halten, sagt Kreishandwerksmeisterin Margit Rosentritt. Aus Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter und den eigenen Betrieb.

    Denn: Es wäre nichts schlimmer, als wenn sich jemand bei einem Friseurbesuch mit Covid-19 anstecken würde und alle Betriebe wieder geschlossen werden würden, sagt die Kreishandwerksmeisterin. Das würden etliche nicht überleben. Die erste Zwangspause ab Ende März hat ihre Spuren hinterlassen. Auch deshalb will sie offiziell machen, was Friseure dürfen und was nicht. Denn die Angst, dass es schwarze Schafe geben wird, Betriebe, die sich nicht an die Vorgaben halten, schwingt immer mit. Und die scheint nicht unbegründet. Auch während der Zeit, in der die Friseursalons gesperrt waren, hätte es Friseure gegeben, die Hausbesuche gemacht haben, sagt Rosentritt.

    Kreishandwerksmeisterin Margit Rosentritt.
    Kreishandwerksmeisterin Margit Rosentritt. Foto: Martina Müller

    Nur ein Viertel der Friseure in der Region Main-Rhön sind in der Innung organisiert: 70 Betriebe. Zwischen 400 und 500 Friseure gibt es, darunter viele, die im ganz kleinen Stil arbeiten, manche nebenbei, manche zuhause. In der Innung jedenfalls seien sich alle Friseure einig: man wird sich strikt an die staatlichen Vorgaben halten, auch wenn die noch immer an einigen Stellen diffus sind. Manches ist noch unklar, manches noch nicht ausgearbeitet, manche Frage bleibt ungeklärt. Vom Gesundheitsamt Schweinfurt fühlt sich die Kreishandwerksmeisterin gut betreut, man sei im ständigen Kontakt. Ebenso wie die Innungsmitglieder untereinander. In einer Whatsapp-Gruppe tauschen sie sich ständig aus.

    Ohne Masken geht auch beim Haareschneiden nichts mehr

    Wie sieht er nun aus, der Friseurbesuch der Zukunft? Zuerst einmal geht ohne Masken nichts mehr. Sowohl Friseur als auch Kunde/Kundin müssen eine Maske tragen. Vorausschauend hat die Innung schon jetzt einmal 2000 Einwegmasken bestellt, die eigentlich für die Laborarbeit zugelassen sind, sagt Rosentritt. Man setze auf Qualität. Die Masken sind für Mitarbeiter und Kunden, die keine dabei haben. Was sie aber sollten. Schließlich gilt schon ab dem 27. April eine Maskenpflicht in Bayern – im öffentlichen Nahverkehr sowie in Geschäften. Das Haareschneiden an Kunden, die eine Maske tragen, sei vielleicht etwas umständlich, gibt Rosentritt zu. Manchmal müssten die Leute vielleicht die Maske halten, das Gummiband von den Ohren nehmen.

    Anders als bisher wird auch jeder Kunde seine eigene Friseurin haben, die ihn und nur ihn die ganze Zeit betreut. Dass eine Mitarbeiterin jemand anderem die Haare schneidet, während zum Beispiel die Farbe bei einer Kundin einwirkt, wird es nicht mehr geben. Auch das wird dafür sorgen, dass weniger Kunden an einem Tag bedient werden können. Zusammen mit den Vorgaben, die die Anzahl der Menschen beschränkt, die sich gemeinsam in einem Raum aufhalten dürfen. Wie viele es sein dürfen, ist von der Größe des Salons abhängig.

    Weniger Kunden, längere Öffnungszeiten, Arbeit im Schichtbetrieb

    In ihrem eigenen Salon hat Margit Rosentritt sieben Friseure und 17 Arbeitsplätze. Die Friseure werden – wie bei allen anderen Innungsmitgliedern – für etwa die nächsten zwei Wochen in Schichten arbeiten, auch bis abends. Geschnitten wird nicht mehr an 17, sondern nur an fünf bis sechs Arbeitsplätzen. Außerdem hat sich Rosentritt für Plexiglasscheiben als Trennwände zwischen den Arbeits- und zwischen den Waschplätzen entschieden. Auch andere Kollegen trennen einzelne Bereiche ab. Viele werden auch am Montag öffnen; auf ihn fällt am 4. Mai der erste Öffnungstag nach der Zwangspause.

    Trockenhaarschnitte wird es nicht mehr geben. Geschnitten werden darf nur am gewaschenen Haar. Dass Kunden zuhause ihre Haare waschen und dann zum Schneiden kommen, macht keinen Sinn, erklärt Rosentritt. Die Vorgaben sind klar: die Haare müssen im Salon gewaschen werden. Hygiene ist oberstes Gebot. Mitarbeiter müssen ihre Maske alle zwei Stunden wechseln, Umhänge für die Kunden dürfen für keinen anderen mehr verwendet werden, müssen also Einwegartikel sein oder in die Kochwäsche. Arbeits- und Sitzplätze werden jedes Mal desinfiziert. Getränke wie Kaffee dürfen nicht mehr angeboten werden. Auch Zeitschriften fallen flach.

    Schon jetzt sind die Auftragsbücher gut gefüllt

    Während die Friseure sich noch vorbereiten, sind die Auftragsbücher schon jetzt gut gefüllt, sagt Rosentritt. Manch einer wird auf einen Termin wohl warten müssten. Klingt im ersten Moment für die Salons gut, täuscht aber über die Tatsache hinweg, dass die Friseure "den Umsatz, der weggefallen ist, nicht mehr nachholen können", wie Rosentritt sagt.

    Ein positives hat die Krise trotz allem gebracht, so die Kreishandwerksmeisterin: Sie hat die Innungsmitglieder enger zusammengeschweißt. Dem 4. Mai sehen alle erwartungsvoll entgegen – nicht nur die Kunden, auch die Friseure.

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