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    Gerolzhofen

    Vereine und der Corona-Lockdown: "Die Leute sind heiß, wieder Sport zu machen"

    Der Sportbetrieb in Vereinen stand nahezu still in der Corona-Zeit. Was das für zwei Gerolzhöfer Klubs zur Folge hat, erklären Bernhard Krapf  und Ansgar Willacker im Interview.
    Vorsitzender Ansgar Willacker vom FC Gerolzhofen wartet auf den Wiederbeginn des Fußballspielbetriebs.
    Vorsitzender Ansgar Willacker vom FC Gerolzhofen wartet auf den Wiederbeginn des Fußballspielbetriebs. Foto: Norbert Finster

    Auch der Sportbetrieb in den Vereinen stand nahezu still in der Corona-Zeit. Das bedeutete einen erheblichen Einschnitt für die beiden großen Klubs in Gerolzhofen, den TV, der in sieben Abteilungen über 1000 Mitglieder hat, und den FC Gerolzhofen, dort sind es immerhin 500 Mitglieder, zumeist in der Sparte Fußball. Wie sehr trifft diese Krise einen Verein, der ohne Sport und ohne Einnahmen da steht? Das fragten wir die beiden Vorsitzenden Bernhard Krapf (TV Gerolzhofen) und Ansgar Willacker (FC Gerolzhofen).

    Frage: Sie sind Vorsitzende von Sportvereinen, die zuletzt ohne Sportbetrieb bleiben musste. Wie ist das für Sie?

    Ansgar Willacker: Es war ja nicht ganz ohne Sport, ohne aktiven Sport vielleicht. Es müssen organisatorische Dinge erledigt werden. Man muss sich um die Spieler, Trainer, und auch Sponsoren kümmern. Da gab es einiges zu tun.

    Bernhard Krapf: Beim TVG versuchten die einzelnen Abteilungen ein Alternativ-Programm aufzubauen, besonders die Basketballer. Sie erstellten Trainingspläne und konnten über soziale Medien Training halten. Vom Bayerischen Landessportverband wurden wir auch gut übers Internet unterstützt. Wer wollte, konnte das anklicken und sich sportlich betätigen. Wir hatten den Vorteil, dass die Runde bei unseren beiden größten Abteilungen Basketball und Handball im März abgebrochen wurde. Sie hätte eh erst mal Pause gehabt.

    Bernhard Krapf (Zweiter von links) und der TV Gerolzhofen begrüßten Anfang des Jaheres das 1000. Mitglied mit Marlon Dettmann (vorne). Mit im Bild sind Peter Dillenberger, Katja Roth, Benedikt Friedrich und Sebastian Gerber (von links).
    Bernhard Krapf (Zweiter von links) und der TV Gerolzhofen begrüßten Anfang des Jaheres das 1000. Mitglied mit Marlon Dettmann (vorne). Mit im Bild sind Peter Dillenberger, Katja Roth, Benedikt Friedrich und Sebastian Gerber (von links). Foto: Claudia Heilmann
    Wenn Treffen oder Versammlungen nicht möglich sind: Wie arbeitet der Vorstand in dieser Zeit?

    Willacker: Die sozialen Kontakte fehlen absolut. Es lief sehr viel über das Telefon oder Whats-App-Nachrichten. Sobald man sich wieder mit einer Person treffen konnte, sprachen wir Eins-zu-Eins.

    Krapf: Wir haben alle soziale Medien und uns bei Problemen auf dieser Basis ausgetauscht. Eine Vorstandssitzung im üblichen Rahmen war nicht möglich, unsere Generalversammlung mussten wir verschieben.

    Gab es in den letzten Monaten ein Vereinsleben?

    Willacker: Wirkliches Vereinsleben fand gar nicht statt. Was regulär weiter lief, war die Arbeit der Platzwarte. Die waren sehr aktiv und setzten einiges um. Da wurden Dinge erledigt, die zuletzt aufgeschoben wurden, wo man sonst nicht dazu kommt.

    Krapf: Da war wenig, das ist bei uns eh auf die Abteilungen ausgerichtet. Sie trafen sich über Videokonferenzen, um die Trainerfragen und so weiter zu besprechen. Die neue Runde beginnt ab September. Die Korbballerinnen konnten im Sommer nicht trainieren, sie wollen dann in der Halle weiter machen. Da fehlt noch die Genehmigung vom Landratsamt. Für uns sind die Hallen das wichtigste. Beim Schwimmen wurde das Training leider noch verwehrt, die Schwimmer und Triathleten schauen aktuell in die Röhre.

    Wie oft fragten Jugendliche, andere Aktive oder Zuschauer, wie und wann es weiter geht?

    Willacker: Von Jugendlichen habe ich weniger gehört, die wenden sich eher an den Jugendleiter. Aber vor allem die älteren Mitglieder, unsere Stamm-Zuschauer, da fragten schon einige. Das ergab sich oft zufällig, beim Einkaufen oder so. Bei uns steht die Generalversammlung an, die konnte nicht statt finden.

    Krapf: Hin und wieder wurde schon gefragt. Die Sportler blieben über ihre Abteilungen informiert.

    Wie aufwändig war es für Ihre Vereine, die vielen Bestimmungen und Vorgaben des Verbands zu verfolgen beziehungsweise umzusetzen?

    Willacker: Ja, das ist wirklich schwierig. Es kommen immer wieder Mitteilungen vom Verband über das Vereins-Postfach. Es dauerte lange, bis der Landkreis Trainingsbetrieb zuließ. Aber das kam für uns nicht in Frage, weil es unter den geltenden Vorschriften keinen Sinn macht. Wir lassen uns darauf nicht ein und setzen nach wie vor aus.

    Krapf: Der BLSV hat uns da gut versorgt, wir haben die jeweiligen Infos an die Abteilungsleiter weiter gegeben.

    Rollt in diesem Jahr noch der Ball beim FC? Wird bald wieder Handball gespielt?

    Willacker: Ja, wir haben beim Fußball den vom Verband gesetzten Termin 1. September im Blick. Wir hoffen, dass sechs Wochen vorher auch wieder ein echtes Training mit Zweikampf stattfinden darf. Sobald wie möglich wollen wir nun zumindest in Kleingruppen wieder beginnen. Wir sind ja momentan Erster in der Kreisliga und hoffen, dass wir den Aufstieg schaffen.

    Krapf: Wir gehen davon aus, dass wir ab August starten können, sobald wir die Halle wieder nutzen können. Im Handball soll ja die Runde ab Mitte September beginnen. Die Leute sind heiß, wieder Sport zu machen, zu trainieren. Aber wir können es nicht übers Knie brechen, müssen auf die Behörden warten. Es gab keine großen Kündigungen, die Mitglieder hatten ein Einsehen. Darüber sind wir ganz froh.

    Ein Konjunkturpaket für Vereine gibt es nicht. Wie verkraftet es der Verein finanziell, wenn er fast ohne Einnahmen bleibt?

    Willacker: Wir haben relativ schnell unsere Kosten, etwa für das Trainerteam, herunter gefahren. Alles andere wie Verbandsabgaben oder Versicherungen muss man ja weiter bezahlen. Momentan sieht es noch relativ gut aus, finanzielle Probleme haben wir aktuell nicht. Das ist auch unseren Sponsoren zu verdanken, die uns unterstützten. Zum Beispiel haben wir den für das Weinfest bestellten „Flügelflitzer“-Wein, der mit einem besonderen Etikett versehen ist, trotzdem verkauft. Das lief über einen örtlichen Supermarkt. Der Betreiber hat uns dafür eine Spende überwiesen, eine tolle Aktion.

    Krapf: Der Weinfest-Ausfall tut auch uns weh, das ist sonst die Haupt-Einnahmequelle gerade für Handball und Basketball und trifft vor allem die Jugend-Abteilung. Aus dem Gewinn kauften wir Bälle, oder Trainingsanzüge, Trikots. Uns kommt zugute, dass der Staat die Vergütung für die Übungsleiter verdoppelt. Wir haben viele lizenzierte Trainer, da profitieren wir. Insgesamt haben wir den Riesen-Vorteil, dass wir keine eigene Halle unterhalten müssen. Wir mieten sie bei der Stadt oder beim Landkreis an.

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    Bearbeitet von Andreas Stöckinger

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