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    Würzburg

    1470 Bäume tot: Lässt sich das Baumsterben in Würzburg stoppen?

    Dramatischer Rekord: Hunderte tote Bäume werden in den nächsten Wochen in Würzburg gefällt. Durch Nachpflanzen alleine wird das Baumsterben in der Stadt nicht aufgehalten.   
    Mitarbeiter des Gartenamtes fällten am Dienstag Robinien in der Sedanstraße in der Zellerau. Foto: Daniel Peter

    Die Situation ist dramatisch: 1470 Bäume sind im Stadtgebiet im vergangenen Sommer kaputt gegangen. Als Sofortmaßnahme werden seit Oktober 650 komplett abgestorbene Bäume im Straßenraum der gesamten Stadt gefällt, die umfallen könnten und die Verkehrssicherheit stark gefährden. Damit werden heuer mehr als zehnmal so viele kranke und abgestorbene Bäume gefällt als noch vor zehn Jahren. 2018 waren es 240.

    Der Grund für das Baumsterben ist der Klimawandel. Trockenheit, Hitze und die vermehrt auftretenden Schädlinge halten mittlerweile auch heimische Baumsorten nicht mehr aus. So sind im Stadtwald heuer rund 5000 Bäume abgestorben. In Parkwäldern wie an der Frankenwarte, im Siebold- oder Bismarkswäldchen vertrockneten rund 800 Bäume. Weitere 670 "Hitzeopfer" sind es auf den Friedhöfen, am Straßenrand und den städtischen Parks - alleine 88 im Ringpark.  

    "Besonders schmerzlich sind die 16 abgestorbenen mächtigen Buchen im Ringpark, die noch aus der Vorkriegszeit stammen", sagt Gartenamtsleiter Helge Grob. Einige hundert, über 80 Jahre alten  Bäume stehen noch im Ringpark. Einige wenige davon sind sogar noch unter Jöns Persson Lindahl am Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt worden. 

    Ingo Landeck und Laura Hautsch vom Gartenamt pflanzten am Dienstag zwei Zürgelbäume am Hauptbahnhof. Die Baumart stammt aus den USA und soll dem Klimawandel trotzen.   Foto: Daniel Peter

    Das tragische an der Situation: Gerade im Klimawandel sind Bäume in der Stadt wichtig. Denn sie filtern Feinstaub aus der Luft und sorgen für Abkühlung. Der Stadtrat will deshalb, dass möglichst schnell möglichst viele Bäume ersetzt werden. So hat die Politik in den Haushaltsberatungen  vergangene Woche das Budget dafür verdreifacht: Eigentlich sollte das Gartenamt nur 175 000 Euro  für Baumpflanzungen im nächsten Jahr ausgeben. Der Stadtrat hat diese Summe auf 500 000 Euro erhöht. Weitere 50 000 Euro bekommt das Baureferat, um neuen Straßenbäume zu pflanzen. In den kommenden Jahren soll der Etat auf 750 000 Euro steigen.   

    "Der Klimawandel ist da, deshalb werden auch immer mehr Bäume sterben."
    Umweltreferent Wolfgang Kleiner

    Umweltreferent Wolfgang Kleiner erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass für einen Teil der Haushaltsmittel im Stadtwald aufgeforstet wird. Hier sollen 2020 auf zwei bis drei Hektar 20 000 bis 30 000 Bäume gepflanzt werden. In der Stadt ist die "Aufforstung" schwieriger. "Wenn wir abgestorbene Bäume in den Stadtteilen und der Innenstadt ersetzen, müssen die Wurzeln ausfräsen und neues Substrat einbringen." So koste eine Neupflanzung durchschnittlich 7000 Euro pro Baum. Dann muss das junge Bäumchen noch gepflegt werden. Damit sie anwachsen, brauchen sie in den ersten vier Jahren jeweils 160 "Wassergänge" - damit ist eine Bewässerung aus dem Tankwagen gemeint. 45 Mitarbeiter waren im vergangenen Sommer damit beschäftigt.

    25 Bäume werden in den nächsten Wochen, 250 im Frühjahr gepflanzt. Weitere folgen im Herbst. Wie viele kann Kleiner momentan noch nicht sagen. "Wir müssen jetzt erst einmal überlegen, wie wir die Mittel so einsetzen, dass wir möglichst viele Bäume pflanzen können." Aber klar ist: Alleine durch Nachpflanzen sind die Bäume in der Stadt nicht zu retten. "Der Klimawandel ist da und es werden mehr Bäume sterben", sagt Kleiner. 

    Schwämme im Boden

    Bessere Überlebenschance haben hitze- und trockenresistente Arten. Auch mehr Wurzelraum ist wichtig. "Ein Baum braucht unter der Oberfläche annähernd so viel Platz braucht wie seine Krone", erklärt Kleiner. An Standorten mit zu wenig Wurzelraum sei deshalb zu überlegen, ob eine Nachpflanzung Sinn macht. 

    "Auf Dauer werden wir für unsere Straßenbäume aber etwas neues brauchen", sagt Kleiner. Er denkt an Alleen, in denen alle Bäume in einem zusammenhängenden Raum wurzeln, das mit wasserspeicherndem Substrat gefüllt ist. "Statt in den Kanal fließt das Regenwasser dort hinein", erklärt Kleiner. Wo und wie solche Schwämme im Boden Sinn machen, wird das Gartenamt in den nächsten Jahren untersuchen.    

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