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    WÜRZBURG

    1800 Euro für eine Butterbrezel

    Symbolfoto: Brezeln Foto: Frank Mächler (dpa)

    Vermutlich lebenslänglich wird ein Mann aus dem Main-Tauber-Kreis, wenn er das Wort Breze hört, an eine Tankstelle an der B19 in Giebelstadt (Lkr. Würzburg) denken und an den Sitzungssaal 30 im Würzburger Amtsgericht. Dort ist er wegen einer Butterbrezel, die er haben wollte, aber nicht bekam, zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt worden. Der für den Fall zuständige Paragraph des Strafgesetzbuches lautete „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“.

    Der Mann (23) war in Würzburg mit Kindern und einem Verwandten beim Einkaufen und auf der Heimfahrt leicht „genervt“. Per Handy hat er bei einer Tankstelle in Giebelstadt nachgefragt, ob es noch die guten Brezeln mit Butter gibt und sich eine reservieren lassen. Als er dort ausstieg und nach seiner Brezel fragte, erfuhr er, dass kurz zuvor ein Kunde die letzte gekauft hatte.

    „In zehn Minuten fliegt die Tankstelle in die Luft“

    Vom Parkplatz aus hat der Mann daraufhin in der Tankstelle angerufen, nur „Du Arschloch“ gesagt und: „In zehn Minuten fliegt die Tankstelle in die Luft.“ Von Butterbrezel keine Rede – und deswegen sah man in der Tankstelle keinen Zusammenhang zwischen der Drohung und der kleinen Kontroverse mit dem enttäuschten Kunden kurz vorher, die Polizei wurde verständigt.

    Daraufhin haben zahlreiche Streifenwagen der Inspektion Ochsenfurt und umliegender Dienststellen Kurs Richtung Giebelstadt genommen. Die Bundesstraße 19 ist gesperrt worden, Wohnungen wurden geräumt und ein Sprengstoff-Hund der Bundespolizei kam zum Einsatz: Ohne Erfolg. Über sein Handy ist der Täter einige Tage später ermittelt worden und er sagte vor Gericht zur Anklage kleinlaut und kopfschüttelnd nur: „Stimmt so, was ich gemacht habe, war Scheiße.“

    Staatsanwalt: Bombendrohung ist keine Schnapsidee

    Richter Thomas Behl konnte sich nicht erinnern, dass er in seiner langen Laufbahn bei der Justiz mal wegen so einem „Blödsinn“ die Robe angezogen hat und Staatsanwalt Jonas Compensis meinte zu Beginn seines Plädoyers, dass ihm eigentlich die Worte fehlen, aber er fand sie schnell wieder. Mit Sprengstoff drohen, das sei einfach mehr als nur Dummheit oder eine Schnapsidee. Berücksichtigen müsse man trotz Reue und Schuldeinsicht, dass der Angeklagte bereits fünf Einträge im Strafregister hat und bei dem Ausraster an der B19 unter Bewährung stand. Er beantragte acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und als Auflage 200 Stunden soziale Hilfsdienste.

    Das dicke Ende kommt noch

    Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1800 Euro, 180 Tagessätze zu je zehn Euro. Nicht mehr, weil der 23-Jährige als Hausmann kein Einkommen hat. Und er wies darauf hin, dass das dicke Ende ja ernst noch komme. Nach dem Strafverfahren müsse der Angeklagte mit einigen „Unkosten“ rechnen, zum Beispiel für den umfangreichen Polizei-Einsatz und die Umsatzeinbuße in einem Lebensmittelmarkt neben der Tankstelle, der nach der Bombendrohung vorübergehend evakuiert worden war.

    Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an, der Staatsanwalt will noch darüber nachdenken, ob er Rechtsmittel einlegt.

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