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    RIEDENHEIM

    190 Waldbesitzer stellen sich dem Klimawandel

    300 Hektar, 190 Eigentümer und ein und derselbe Gedanke: Die Hubgemeinschaft Schönstheim im südlichen Landkreis bringt fertig, was sich eigentlich nach einem aussichtslosen Unterfangen anhört. Die Hübner bewirtschaften ihren Wald in schönem Einvernehmen, und zwar vorausschauend im Hinblick auf den Klimawandel. Für diese vorbildliche Waldbewirtschaftung wurde die Hubgemeinschaft nun mit dem Staatspreis des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausgezeichnet, als einer von zwei unterfränkischen Preisträgern. Insgesamt wurden bayernweit 14 Preise vergeben.

    Das leicht ansteigende Waldstück ganz in der Nähe der ehemaligen Burg Schönstein haben die Hübner sorgsam mit einem Zaun geschützt. Denn dort gedeiht der ganze Stolz der Gemeinschaft: kleine Eichen. Die Bäumlein sind gerade einmal hüfthoch, nur an wenigen von ihnen hängen so spät im Herbst noch einige braune Blätter. Die kleinen Eichen hat niemand dort gepflanzt. Ihre teils 200 Jahre alten Eltern stehen ganz in der Nähe; das nennt man Naturverjüngung.

    Eichen sind dem Klimawandel gewachsen

    Eichen sind höchst willkommen in Schönstheim, der Gemeinde zwischen Riedenheim und Röttingen, die es eigentlich gar nicht gibt. Denn die Eiche, erklärt Ludwig Angerer, ist dem bereits seit Jahren zu beobachtenden Klimawandel relativ gut gewachsen. Angerer ist Leiter der Forstverwaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg und hat die Hubgemeinschaft für den Staatspreis vorgeschlagen. 2017 sollten Projekte ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Weise um den Klimaschutz verdient gemacht haben.

    Der Hubwald in Schönstheim gehört nach Ansicht der Jury dazu. Und das, obwohl hier Privatleute am Werk sind, keine gelernten Forstwirte. Die 190 Hübner und ihre Vorstände aber sind offen für gute und nutzbringende Ideen. Sie lassen sich schon seit langer Zeit von der Forstverwaltung in Sachen Waldbewirtschaftung beraten. Konkret ist es der Bieberehrener Revierförster Manfred Rüb, der sein Fachwissen an die Hubvorstände weitergibt.

    Den Ertrag fahren erst die Nachkommen ein

    Von ihm wissen sie, dass Eichen mit der zunehmenden Trockenheit besser zurecht kommen als zum Beispiel Fichten. Auch andere Laubbäume können es mit dem Klimawandel aufnehmen, etwa Feldahorn, Speierling oder Elsbeere. Der zentrale Baum in Schönstheim sei aber die Eiche, sagt Ludwig Angerer. Auch deshalb, weil sie schon seit langer Zeit einen hohen Anteil des Baumbestands im Hubwald ausmacht. Aus diesem Grund funktioniert die Naturverjüngung dort so gut.

    Freilich muss man den kleinen Eichen trotzdem ein wenig auf die Sprünge helfen. Die langsam wachsenden Bäumchen sind auf genügend Licht angewiesen. Das wird ihnen von schneller wachsenden anderen Baumarten schnell streitig gemacht, weswegen diese anderen Jungbäume großenteils dort entfernt werden, wo Eichen wachsen sollen. Den Ertrag aus den Bemühungen der jetzigen Hübner werden allerdings erst deren Nachkommen einfahren können, wenn sie die Bäume einmal schlagen.

    Hubgemeinschaften sind gelebte kleine Dorfgemeinschaften

    Dass sich das lohnt, wissen die Hübner. Sie sind der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/Aisch-Uffenheim (FBG) angeschlossen, die an der Straße zwischen Oberhausen und Strüth ihren Wertholzlagerplatz hat. Hier werden alljährlich die wertvollsten Bäume aus dem ganzen Einzugsbereich der FBG versteigert, und für sehr gutes Holz teils Spitzenpreise von über 2000 Euro pro Festmeter erzielt. Unter anderem seien es oft Käufer aus Frankreich, die schönes Eichenholz für Fässer suchten, erklärt Christian Göttfert, der Vorsitzende der FBG.

    Ludwig Angerer kam zwar schon vor 30 Jahren als Förster nach Unterfranken, ist aber am Zungenschlag noch immer unschwer als gebürtiger Altbayer zu erkennen. Aus seiner Heimat kannte er Konstrukte wie Hubgemeinschaften gar nicht. Aber noch immer ist er begeistert von dieser historisch bedingten Besonderheit und ihrer Funktionstüchtigkeit. „Das sind gelebte kleine Dorfgemeinschaften“, sagt Angerer. Sie seien geprägt von einem inneren Zusammenhalt und funktionierten in Unterfranken gut.

    Das Preisgeld wird in ein Biotop investiert

    Zu einem nicht unerheblichen Teil hängt der Erfolg der Hubgemeinschaften von deren Vorstehern ab – Leuten, die sich vorausschauend mit der Waldbewirtschaftung auseinandersetzen und von ihren jeweiligen Hübnern gewählt werden. Der Hubwald Schönstheim funktioniert nun schon seit etwa 550 Jahren. Damals existierte das Dörfchen Dippach noch, bestehend aus 16 Hufen oder Huben. Anscheinend aufgrund häufiger Überfälle wurde das Dorf im Jahr 1467 verlassen. Der Waldbesitz der 16 Huben blieb bestehen, wurde vererbt und teils verkauft, so dass es heute insgesamt 190 Waldbesitzer gibt.

    Sie alle unter einen Hut zu bekommen, sei nicht immer ganz leicht, gesteht Thomas Gundermann, der in diesem Jahr Bürgermeister der Phantomgemeinde Schönstheim ist. Und doch schaffen es die 16 Hubvorstände immer wieder, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, um ihren Wald zukunftssicher zu machen. Die 1000 Euro, die es neben einer Urkunde zum Staatspreis gab, haben die Hübner folglich auch nicht sinnlos verprasst, sondern auch wieder in ihren Wald investiert: Sie haben ein Biotop angelegt.

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