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    20 Jahre "Wer wird Millionär?": Warum die Show so fasziniert

    In 20 Jahren "Wer wird Millionär" saßen auch schon viele Unterfranken bei Günther Jauch. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Montagabend, 20.15 Uhr: Wenn sich Günther Jauch auf seinen Stuhl setzt und die Melodie von "Wer wird Millionär?" ertönt, schauen regelmäßig über vier Millionen Deutsche zu. Am 3. September 1999 wurde "Wer wird Millionär?" das erste Mal bei RTL ausgestrahlt. Seitdem spielten rund 2800 Kandidaten um die Million - unter ihnen auch einige aus Unterfranken.

    Wie gleich im ersten Jahr Dagmar Keim aus Lohr am Main (Lkr. Main-Spessart). Sie war zuvor schon in anderen Quizsendungen zu sehen gewesen. Mit der Show "Jeder gegen Jeden" hatte alles angefangen, erzählt Keim. Regelmäßig hatte sie mit Stift und Zettel vor dem Fernseher gesessen und mitgeraten. "Irgendwann habe ich gemerkt: Ich wäre fast immer ins Finale gekommen. Dann dachte ich mir: Das kannst du auch." Irgendwann im Jahr 2000 erfuhr sie von der Bewerbungshotline für "Wer wird Millionär?". Und Keim hatte Glück: Knapp zwei Wochen später schon saß sie Günther Jauch gegenüber.

    Kandidatin Dagmar Keim trat Günther Jauch gegen den Fuß

    Den Moderator empfand die Lohrerin als sympathisch: "Wir haben uns während einer Pause unterhalten. Er ist ein ganz normaler Mensch." Und die Besitzerin einer Tanzschule kam Jauch näher als andere Kandidaten: Dagmar Keim sollte ihn in die korrekte Tanzhaltung bringen: "Ich hab ihm dann gegen den Fuß getreten, weil er nicht richtig stand". Letztlich gewann Keim 125.000 Mark. Ihr Resümee heute: "Es hat viel Spaß gemacht."

    Tanzstunde für den Moderator: Dagmar Keim aus Lohr gewann bei Günther Jauch 125.000 D-Mark. Foto: Matthias Nowak

    Professor Claus-Christian Carbon vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie an der Universität Bamberg kann erklären, warum das Raten Spaß bereitet: "Rätseln erzeugt einen Aha-Effekt. Das lässt sich auch hirnphysiologisch nachweisen: Eine Art Belohnungssystem sorgt dafür, dass wir ständig dranbleiben beim Lösen von Rätseln", sagt Carbon. "Das ist ein sinnvoller, evolutionär wohlbegründeter Mechanismus, denn er ermutigt, Bedeutung in der Welt zu finden." 

    Und die Möglichkeit, quasi über Nacht reich zu werden, ist laut Carbon ein Grund, weshalb sich viele Menschen bewerben: "Es ist ein alter Menschheitstraum, den fast jeder mindestens einmal träumt."

    Auf dem Ratestuhl kommen viele Kandidaten ins Schwitzen

    Bernd Amling aus Eibelstadt (Lkr. Würzburg) hatte sich lange schon als Kandidat für die Show beworben, ehe es 2004 klappte: "Die Sendung war damals neu und der Andrang an Kandidaten groß."  Amling ärgert sich im Nachhinein, dass er die 64.000-Euro-Frage damals falsch beantwortete und auf 16.000 Euro zurückfiel. Bei der Frage nach dem Gesetzeshüter in der Donald-Duck-Stadt Entenhausen hatte er falsch legen. "Kommissar Hunter" wäre richtig gewesen. Aber als Kandidat selbst Teil der Show zu sein, sei eine ungewohnte Situation, so Amling: "Es ist etwas ganz anderes, zuhause vor dem Fernsehen zu sitzen und zu sagen: Das hätte ich jetzt gewusst."

    Stefan Muth aus Waldbüttelbrunn (Lkr. Würzburg) war 2005 dabei - und kam mit 64.000 Euro nach hause.  Für ihn war es ebenfalls aufregend, auf dem Ratestuhl vor einem Millionenpublikum zu sitzen: "Man steht natürlich gewaltig unter Druck." Auch wenn sich seine Teilnahme an der Show schnell herumgesprochen hatte, durfte er bis zur Ausstrahlung der Sendung nichts verraten: "Ich musste nach der Aufzeichnung einen Vertrag zum absoluten Stillschweigen unterzeichnen."

    Echte Schicksale machen Quizsendungen populär

    Das Interesse an Quizsendungen ist laut Psychologe Claus-Christian Carbon ein globales Phänomen. Das Format sei aus mehreren Gründen populär:"Man kann mitfiebern, aber gleichzeitig nicht verlieren." Man lerne etwas und könne sich als Zuschauer mit anderen oder auch allein mit Kandidaten freuen - oder sich über ihre vermeintliche Dummheit echauffieren. "Zudem kann der Zuschauer Freude und Elend direkt sehen und beides kann sich von Moment zu Moment ändern: Echte Schicksale berühren und interessieren", sagt Carbon.

    Bei der 125.000-Euro-Frage hatte Stefan Muths Bruder, der ihm als Telefonjoker zur Seite stand, damals passen müssen. Welches von vier genannten Tieren länger als zehn Meter ist, wusste er nicht. "Riemenfisch wäre richtig gewesen." Stefan Muth entschloss sich, nicht weiterzuzocken und nutzte das erspielte Geld, um seine damals frisch verheirateten Kinder zu unterstützen.

    Hätten Sie eine Chance auf die Million? Wir haben die Fragen gesammelt, die Kandidaten aus Unterfranken falsch beantworteten - soweit sie sich an die Antwortmöglichkeiten erinnern konnten. Testen Sie hier, wie weit Sie gekommen wären.

     

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