• aktualisiert:

    Würzburg

    2019 war zum Lachen

    Die vielseitigen Bühnenfrauen blicken Heidi Friedrich und Birgit Süß zum zehnten Mal auf ein Jahr zurück: Ihr Kabarettprogramm "Inventur" hatte am Donnerstag Premiere und das Theater am Neunerplatz war und ist in den nächsten 13 Vorstellungen ausverkauft. Zu Recht. Knallscharf spiegeln sie das Weltgeschehen wieder in einem Dutzend theatralisch sauber profilierter Nummern und – das dann mehr zum Spaß – mit einer Handvoll groß aufgemachter Songs.

    Doch das Duo sah nicht nur zurück, sondern auch voraus – die starke Kartennachfrage nämlich. Zum Zehnjahres-Jubiläum wagte es den Sprung nach vorn: Für den 8. und den 14. Februar reservierten sie den Pfarrsaal von Heilig Kreuz eine Straßenecke hinter dem Neunerplatz.

    Aber zurück zu 2019. Ach, Süß und Friedrich würden das Publikum am liebsten in die nächste Kneipe schleppen, um nicht dran denken zu müssen. Aber dann sitzen da doch zu viele Zuschauer, und den Komödiantinnen fällt ja doch viel Originelles ein. Gleich erscheinen sie wieder, in Kostüm Nr. 1, als CDU-Influencerinnen, die per Youtube-Video den Parteisprecher Philipp Amthor "voll nice" vor dem bösen Internet-Rowdie Rezo retten. Friedrich und Süß spielen hier zwei Figuren, denen ihre Rolle überhaupt nicht passt. Aber jede geht drin auf.

    Nach ein wenig Einstiegsgeplänkel geht die Show "Inventur" also gleich stark in die Vollen. Und sie hält das Niveau. Die beiden jonglieren mit den politischen Perspektiven ihrer Figuren, mit Ironie und ausdrücklicher Kritik. Klar bleibt ihre Position dabei immer, man weiß, wer und wie es gemeint ist, wenn sie aufzählen: "Lenin, Stalin, Kevin." Boris und Donald nicht zu vergessen. Die geben als Rotnasenclowns voreinander an, mit welchen Fake News sie ihre Wähler über den Tisch gezogen haben. Sehr schön treten sie auch als vermeintliche Oligarchennichten auf, als Schicki-Tanten, die vom Kreuzfahrtschiff auf Venedig blicken – und auch als sie selbst.

    Noch ein Rückblick: Vor einem Jahr, als sie 2018 Revue passieren ließen, waren mehrere Texte von Friedrich und Süß eigentlich Monologe, die sie sich schwesterlich aufgeteilt hatten. Heuer liegt der Anteil echter Dialoge deutlich höher, was das gesamte Stück nebenbei dichter erscheinen lässt. Unter Regie von Martina Esser hatten die beiden auch ihre Spielstile noch besser aufeinander abgestimmt, vor allem dann, wenn sie aus der Rolle fallen und als "natürliche Bühnenpersonen" agieren.

    Wer reserviert hat, kann sich auf zwei rasante Stunden freuen. Wer nicht, besorge sich Heilig-Kreuz-Karten im Falkenhaus.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!