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    REMLINGEN

    280 Jahre Remlinger Eierlauf

    Junge, unbescholtene Burschen laufen am Ostermontag los, um in Remlingen Eier zu sammeln. Grund ist ein jahrhundertealte... Foto: Mechtild Buck

    Wer sich schon immer einmal gefragt hat, warum zahlreiche junge Männer angeheitert am Ostermontag durch Remlingen laufen, der sollte einmal beim Remlinger Eierlauf vorbeischauen. Seit 1738 schon treffen sich in dem 1500-Seelen-Dorf junge, unverheiratete und nicht vorbestrafte Burschen zum Eierlauf – einem der ältesten Osterbräuche Deutschlands. Ein nicht ganz ernst gemeinter Wettstreit, bei dem es nur um die Ehre geht.

    Der Traditionslauf geht auf eine großzügige Geste von Gräfin Dorothea Renata von Castell-Remlingen im Jahr 1738 zurück. Die Adlige verzichtete damals auf den zehnten Teil der Eier, denn damals hatte jeder Bauer und Geschäftsmann die Pflicht, den sogenannten Zehnten, also den zehnten Teil des produzierten Hab und Gutes dem örtlich regierenden Grafen oder Fürsten zu übergeben. Als Gegenleistung sollten die Remlinger ihr zu Ehren jedoch jährlich am Ostermontag ein Volksfest mit Wettstreit organisieren.

    Nur während der Weltkriege ausgefallen

    Seitdem hat sich am Brauch nichts verändert – ausgefallen ist er nur während der Weltkriege. „Wird er einmal unbegründet ausfallen, darf er nie wieder stattfinden“, sagt Pascal Pink, Mitglied im Organisationsteam und seit 2017 Schriftführer bei den Burschen.

    Am Ostermontag ziehen dann die jungen Männer durch die Remlinger Ortsviertel. Diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, die sogenannten „Hasen“, müssen an jeder Haustür klingeln und mit dem Spruch „Hat der Has' scho gelecht?“ Eier einsammeln. „Das Sammeln zieht sich den Vormittag über hin und schließt mit einer Eiermahlzeit in einem Gasthaus ab“, berichtet Pink. Im Anschluss treffen sich alle Burschen am Schafhof, neben dem Marktplatz ein zentraler Platz in Remlingen. Von dort ziehen sie in Begleitung einer Musikkapelle und unter den Augen von Zuschauern zum Marktplatz, wo zwei Wettkämpfer – ein Läufer und ein Sammler – mittels Losentscheid ausgewählt werden.

    75 Eier einsammeln

    Anschließend zieht der Festzug weiter zum Zehntberg, wo sich der Sportplatz befindet, auf dem der eigentliche Eierlauf stattfindet. „Auf dem Sportplatz angekommen, hat der Läufer die Aufgabe zu einem rund zwei Kilometer entfernten Stein und wieder zurück zu rennen. Der Sammler muss währenddessen 75 Eier einsammeln, die in einer Linie im Abstand von zwei Fuß ausgelegt sind“, erklärt Pascal Pink. Diese Eier müsse der Sammler, angefangen beim am weitesten entfernten, einzeln aufheben und in einen Korb werfen, der am Ausgangspunkt steht. Sieger des Wettkampfes ist derjenige, der seine Aufgabe als Erstes erfüllt hat. „Als Belohnung für seine Mühen hat er den ganzen Tag zechfrei“, erzählt der Schriftführer.

    Auch in diesem Jahr werden wieder um die 70 teilnehmenden Burschen erwartet.

    Viel zu organisieren

    Der Remlinger Eierlauf wird jährlich von einem Gremium aus fünf Personen organisiert, jedoch müssen auch die Burschen mit anpacken. Das Gremium besteht aus dem Eierlauf-Bürgermeister David Kachel, dem zweiten Eierlauf-Bürgermeister Johannes Wehr, den ersten und zweiten Kassierern Justus Hindermann und Niklas Seidenfuß sowie dem Schriftführer Pascal Pink. „Es gibt viel zu tun im Vorfeld. Meistens werden organisatorische Dinge besprochen“, berichtet Pink. Hierzu gehören die Organisation des Festzelts, die Einteilung der Helfer, oder Bestellungen bei ortsansässigen Geschäften wie Bäcker, Metzger oder Getränkehändler.

    In diesem Jahr feiert der Eierlauf sein 280-jähriges Bestehen. Um dies zu feiern, werde es eine kleine Ausstellung mit Zeitungsartikeln über den Eierlauf aus der Vergangenheit geben. 

    Treffpunkt des Festzuges zum Zehntberg ist um 14.30 Uhr am Marktplatz.

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