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    Veitshöchheim

    60 Jahre: Panzerdivision zwischen Tradition und Großaufgaben

    Festliches Zeremoniell: Bundeswehrsoldaten marschieren zum Großen Zapfenstreich im Schlossgarten Veitshöchheim auf. Foto: Johannes Kiefer

    Der Veitshöchheimer Rokokogarten diente ja mal den Würzburger Fürstbischöfen zum Lustwandeln, am Dienstagabend konnten rund 1200 geladene und spontane Gäste einem seltenen Schauspiel beiwohnen: Vor der Kulisse des Schlosses marschierten Soldaten des Bundeswehr-Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall und das Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg auf - zum Großen Zapfenstreich. Der von Fackelträgern illuminierte Aufmarsch ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Dass es in Veitshöchheim erstmals seit 2002 wieder stattfand, hatte natürlich einen Grund: Die 10. Panzerdivision, deren Stab in der Balthasar-Neumann-Kaserne seinen Sitz hat, feierte am 1. Oktober ihr 60-jähriges Bestehen. 

    Während des Zapfenstreichs öffnete der Himmel seine Schleusen

    Die etwa 40-minütige Zeremonie klappte wie am Schnürchen, nur das Wetter mochte nicht recht mitspielen: Als die Soldaten kurz nach 19 Uhr zu den Klängen von Beethovens "Yorckschem Marsch" vor dem Schloss aufzogen, tröpfelte es zunächst nur ein wenig, später öffnete der Himmel dann die Schleusen. Aber Militär wäre nicht Militär, wenn die Soldaten ("Helm ab zum Gebet!") sich davon hätten beeindrucken lassen, auch ein Teil der Zuschauer hielt bis zum Ende aus. 

    Der Große Zapfenstreich setzte den Schlusspunkt unter einen Festakt, der am Nachmittag mit einer Feier in den Mainfrankensälen begonnen hatte. Man muss wissen, dass die 10. Panzerdivision eine wechselvolle Geschichte hat, die ihren Ursprung nicht in Franken, sondern in Sigmaringen (Baden-Württemberg) hat, wo die Division am 1. Oktober 1959 aufgestellt wurde. Dort feierte die Division vor zehn Jahren auch noch ihr 50-jähriges Bestehen, ehe der Standort Sigmaringen im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr ab 2010 aufgegeben wurde. 2015 wurde die Division in Veitshöchheim neu aufgestellt, wo zuvor schon seit 1964 verschiedene Bundeswehr-Einheiten stationiert waren. 

    Kommandeur: Bundeswehr ist der Veitshöchheimer Bevölkerung ans Herz gewachsen

    Generalmajor Harald Gante, seit einem Jahr Kommandeur der Division, sieht im Standort Veitshöchheim für seine rund 700 hier stationierten Soldatinnen und Soldaten einen Glücksfall: "Ich spüre, dass wir der Veitshöchheimer Bevölkerung ans Herz gewachsen sind", sagte er während der Feierstunde. Da sei es inzwischen auch kein Problem, dass im Wappen der Division der fränkische Rechen dem staufischen Löwen gewichen sei – führe die Division doch die Tradition der "alten"  Sigmaringer Division fort. 

    Von einer "aufgeschlossenen Partnerschaft" mit der Bundeswehr sprach Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz (CSU) in seinem Grußwort – eine Partnerschaft, die er auch mit Blick auf den wichtigen Standortfaktor Bundeswehr gern fortgesetzt wissen möchte. Im Moment jedenfalls wird in den Standort Veitshöchheim kräftig investiert, unter anderem mit einer energetischen Sanierung und dem Bau eines Unterkunftsgebäudes, das Anfang 2020 fertig sein soll. In einem Interview mit dieser Redaktion Anfang dieses Jahres sprach Generalmajor Gante von einer Gesamtsumme von 50 Millionen Euro, die innerhalb der nächsten fünf Jahre in Veitshöchheim investiert würde. Auch deshalb wohl fiel es Thomas Silberhorn (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, leicht, in Veitshöchheim ein Versprechen ins Mikrofon zu sagen: "Hier wird nichts geschlossen." 

    Minister: Standort Veitshöchheim ist Schaltstelle für das Heer

    Florian Herrmann (CSU), Leiter der Münchner Staatskanzlei und bayerischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, nannte als Festredner den Standort die "Schaltstelle für das Heer im Süden". Zugleich zeige sich immer mehr und nicht zuletzt durch die von Veitshöchheim aus koordinierten Auslandseinsätze der Bundeswehr, dass es beim deutschen Militär längst nicht mehr um "theoretische Planspiele" geht. 

    Deshalb müsse die Bundeswehr die benötigte Ausrüstung erhalten, zum Beispiel auch für die 2023 geplante Führung der Schnellen Eingreiftruppe der Nato durch eine Einheit der 10. Panzerdivision.  Ausdrücklich forderte Herrmann von der Politik, das Zwei-Prozent-Ziel bei den Militärausgaben zu erreichen. Am Freistaat soll das laut dem Minister jedenfalls nicht scheitern: "Bayern erhebt die Stimme für die Bundeswehr". 

    10. Panzerdivision
    2011 wurde die 10. Panzerdivision in Sigmaringen nach einer Umstrukturierung in der Bundeswehr aufgelöst und in Veitshöchheim neu aufgestellt. Sie ist eine von drei Divisionen des Heeres der Bundeswehr und verfügt über rund 20 000 Soldatinnen und Soldaten. Diese verteilen sich auf vier Brigaden und die Divisionstruppen in fünf Bundesländern und zwei Staaten (Deutschland und Frankreich) an insgesamt 27 Standorten. Am Standort Veitshöchheim befinden sich rund 600 Divisionsangehörige, dazu kommen weitere Soldaten anderer Dienststellen.
    Für Auslandseinsätze stellte die Division regelmäßig Soldatinnen und Soldaten, darunter für den KFOR-Einsatz im Kosovo und die UN-Mission “MINUSMA“ (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission) in Mali. Aus der Division kommen auch Standby-Kräfte für die Schnelle Eingreiftruppe der NATO, ferner kooperiert sie mit zahlreichen befreundeten Streitkräften und hilft bei Katastrophenfällen – wie zum Beispiel nach starken Schneefällen Anfang dieses Jahres im Süden Deutschlands.

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