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    Würzburg / Schweinfurt

    Ärztliche Versorgung: Großes Gefälle zwischen Stadt und Land

    Fünf bayerische Städte sind im Bundesvergleich ganz oben, neun Landkreise ganz unten im Ranking. Auch Unterfranken ist an beiden Enden vertreten. Was sind die Ursachen?
    Ist die medizinische Versorgung gewährleistet? In Bayern gibt es große Unterschiede. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

    Keine zeitnahen Termine, lange Wartezeiten und Probleme bei der Suche nach Experten. Da, wo es zu wenige Ärzte gibt, kommt es regelmäßig zu solchen Problemen. Andernorts können sich Patienten ihre Mediziner bequemer aussuchen. Laut Daten des Bundesarztregisters gibt es in Bayern große Unterschiede, was die ärztliche Versorgung angeht. So gehören Bamberg, Würzburg, Passau, Rosenheim und Landshut zu den zehn Kommunen mit den anteilig meisten Ärzten und Psychotherapeuten in ganz Deutschland. Spitzenreiter Bamberg hat 361 Ärzte und Psychotherapeuten pro 100 000 Einwohner. Würzburg liegt mit 347 Medizinern nur knapp dahinter.

    Gleichzeitig zählen neun bayerische Landkreise zu den Schlusslichtern. Auf dem letzten Platz liegt Coburg mit 84 Medizinern pro 100 000 Einwohner. Auch die Regionen um Schweinfurt (90,6) und Aschaffenburg (97,9) gehören zu den von Ärzten am dünnsten besiedelten Landkreisen. Doch warum gibt es überhaupt so große Unterschiede zwischen Städten und Landkreisen?

    Junge Ärzte wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten

    Generell seien Städte untereinander nicht zu vergleichen, meint der Würzburger FDP-Bundestagsabgeordnete und Mediziner Andrew Ullmann. Dass Würzburg anteilig mehr Ärzte hat als beispielsweise Schweinfurt, läge in der Natur der Sache. Durch die Universität würden dort entsprechend viele Mediziner ausgebildet. Eine andere Begründung sieht Ullmann für das Gefälle bei der ärztlichen Versorgung zwischen Stadt und Land. "Für die etwas jüngere Ärzte-Generation ist die Work-Life-Balance wichtiger", sagt er. Statt Selbstausbeutung zu betreiben, versuchten gerade junge Ärztinnen und Ärzte Arbeit und Privatleben, Beruf und Familie optimal zusammenzubringen und seien deshalb nicht mehr bereit, in Vollzeit zu arbeiten. Für eine Praxis wären demnach also mehrere Ärzte nötig. Dies sei auf dem Land schwierig.

    Die Ärzteschaft werde weiblicher, der Anteil von Ärztinnen und Ärzten in Anstellung steige. Nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in den Praxen. Damit verändert sich die ärztliche Arbeitswelt. Ein Problem sieht Ullmann in der Politik. Diese müsse dafür sorgen, dass es für Ärzte grundsätzlich attraktiver wird, auf dem Land zu arbeiten. "Die junge Generation will auch keine zehn Kilometer fahren, um Lebensmittel einzukaufen", so Ullmann. Gerade kommunale Angebote wie Kindergärten oder öffentliche Verkehrsmittel hätten große Bedeutung.

    Geis: Besserung in Sicht – auch auf dem Land

    Die Lücke zwischen der Versorgung in der Stadt und auf dem Land wird beim Blick auf Unterfranken deutlich. Laut Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es beispielsweise in der Stadt Aschaffenburg 255 Ärzte pro 100 000 Einwohner, im Landkreis aber nur 97,9. Die Stadt Schweinfurt hat anteilig 280,9 Mediziner, im Landkreis dafür nur 90,6. Im Würzburger Landkreis sind es 149 Mediziner pro 100 000 Einwohner. Im Vergleich zur Stadt Würzburg (346,8) also deutlich weniger als die Hälfte.

    "Ich bin guter Hoffnung, dass es in fünf bis acht Jahren besser wird", sagt Dieter Geis zuversichtlich. DerAllgemeinmediziner aus Randersacker (Lkr. Würzburg) war viele Jahre Vorsitzender des Bayerischen Hausärzte-Verbands. Seiner Meinung nach lägen die aktuellen Probleme nicht nur am Gefälle zwischen Stadt und Land, sondern am Renommee von Allgemeinärzten. Viele meinten, "dass Hausärzte rund um die Uhr da sein müssen. Aber das ist nicht mehr so", so Geis. Auch eine Residenzpflicht, also dass Ärzte in der Nähe ihrer Praxis wohnen müssen, gebe es nicht mehr. "Es hat sich viel getan." Damit meint Geis auch die verbesserte Ausbildung von Allgemeinmedizinern. Die Einführung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin wie an der Uni Würzburg führe dazu, dass junge Ärzte früher mit dem "eigentlich schönen Beruf" konfrontiert würden.

    Auf dem Land sei die Arbeit vielfältiger, als in der Stadt. Dafür wirbt Geis. Trotzdem kennt er die aktuelle Schieflage, was die Verteilung von Medizinern angeht. "Grundsätzlich müssen wir mehr Ärzte ausbilden." Außerdem müssten sich die Gemeinden besser vernetzen und Gemeinschaftspraxen bilden. Anders sei der Ärztemangel nicht aufzufangen. "Wenn heute ein Landarzt in den Ruhestand geht, brauchen wir zweieinhalb Stellen, um die Lücke wieder zu füllen."

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