• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    Mit Erwin Pelzig: Großdemo gegen "Pegida-Lügen"

    Am 19. März 2005 ging "Würzburg ist bunt" zum ersten Mal auf die Straße, damals unter der Regie der Religionsgemeinschaf... Foto: Obermeier (MainPost)

    Würzburg steht vor intensiven Tagen. Am Samstag, 14. März, werden wohl Tausende für ein buntes Würzburg demonstrieren. Auf der Kundgebung tritt Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig auf, als Redner steht unter anderem Oberbürgermeister Christian Schuchardt auf dem Programm.

    Für den Sonntag darauf, am 15. März, planen „freie Aktivisten“ aus der rechtsextremen Szene einen Aufmarsch.

    Ob die „freien Aktivisten“ tatsächlich am 15. März aufmarschieren, ist nicht geklärt. Die Stadt versucht in Gesprächen mit den Anmeldern, einem Mann aus dem Landkreis Schweinfurt und einer Hessin, die terminliche Nähe zum 16. März, dem Jahrestag der Zerstörung Würzburgs, zu verhindern.

    Mit welchem Erfolg, ist ungewiss. Informationen aus dem Rathaus zufolge wird Anfang der Woche eine Entscheidung fallen.

    Seit 2005 tritt „Würzburg ist bunt“ an, wenn Neonazis einen Marsch durch die Stadt ankündigen. Rund 50 Organisationen hatten sich zur Premiere zusammengetan, um der NPD zu zeigen, dass sie in Würzburg nicht erwünscht ist. 8000 Leute folgten ihrem Aufruf. 250 marschierten mit der NPD.

    Zehn Jahre später rufen über 130 Organisationen zur Demonstration „Würzburg ist bunt“ auf.

    Unter ihnen sind Parteien und Wählervereinigungen von der CSU bis zur Linkspartei, christliche, muslimische und jüdische Gemeinden, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände, das Blindeninstitut, Fußball-Fanclubs, deutsch-ausländische Gesellschaften, soziale, kulturelle, friedens- und umweltbewegte Initiativen, Schulen, Studierendenvertretungen, Träger der Erwachsenenbildung, das Missionsärztliche Institut, die Montagsspaziergänger – wohl noch nie hat sich in Würzburg ein so breites Bündnis zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammengefunden.

    Dazu kommt das Schwesterbündnis „Schweinfurt ist bunt“, das mit den Würzburger auf die Straße gehen will.

    Der katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose ist von Anfang an dabei. Er sagt, in Würzburg habe sich „etwas entwickelt“. Die „Stadtgesellschaft“ sei in den vergangenen Jahren „sehr aufmerksam geworden“. Wügida sei es nicht gelungen, Würzburg zu spalten, „im Gegenteil: Die Gesellschaft rückt von Mal zu Mal enger zusammen“.

    Der DGB-Sekretär Norbert Zirnsak, diesmal der Organisator von „Würzburg ist bunt“, sieht das ähnlich. Er spricht von einer „wachsamer“ gewordenen Stadtgesellschaft, die für Menschenfreundlichkeit, Respekt und Solidarität stehe.

    Zirnsak und Hose, zwei Sprecher von „Würzburg ist bunt“, meinen, die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 könne nicht ohne den historischen und politischen Zusammenhang gesehen werden.

    Zirnsak sagt, das Desaster habe mit der Übergabe der Macht an die Nazis begonnen, am 30. Januar 1933.

    Stefan Lutz-Simon vom Bündnis für Zivilcourage mahnt, die Stadt dürfe nicht zulassen, dass Rechtsradikale am 15. März die Erinnerung an die Zerstörung Würzburg missbrauchen.

    „Würzburg ist bunt“ sei auch ein Zeichen „gegen die Lügen von Pegida, Wügida und der anderen Gidas“, die behaupteten, dass eine vielfältige Gesellschaft nicht funktioniere.

    Nicht die Vielfalt sei das Problem, sondern „die, die die Vielfalt nicht wollen“.

    Seit dem Aufkommen von Pegida sei das Leben für Menschen mit ausländischen Wurzeln schwieriger geworden. Das, meint Lutz-Simon, dürfe nicht akzeptiert werden.

    Die „freien Aktivisten“ wollen unter dem Motto „Kein Vergessen, kein Vergeben“ demonstrieren. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie, sie vergäßen und vergäben „den Alliierten nicht, was sie uns Deutschen angetan haben“.

    Sollten die „zehn bis 100 Teilnehmer“, die sie der Stadtverwaltung angekündigt haben, am 15. März aufmarschieren, wird „Würzburg ist bunt“ nicht zur Blockade aufrufen.

    Doch Jenifer Gabel von den Montagsspaziergängern sagt, „aber selbstverständlich wird´s was geben. Das wird spontan passieren, wie immer“, und es werde „bunt und vielfältig sein“.

    Hose und Zirnsak wollen „eine Brücke schlagen“ zwischen der bunten Demo vom 14. und der Gegendemo vom 15. März. Sie sagen, sie wollen verhindern, dass Nazi-Gegner „in Gute und Böse“ unterschieden werden.

    Lutz-Simon gibt sich zuversichtlich: Die Zivilgesellschaft werde sich nicht auseinanderdividieren lassen.

    Die 14- bis Mitte-20-Jährigen, die sich in Würzburg zur Antifa zusammengeschlossen haben, finden das gut.

    Sie berichten, mehrere von ihnen seien zweimal im Dunkeln von mehreren Polizeistreifen aufgehalten und zur Herausgabe von Aufklebern gezwungen worden. „Besonders scharf“ seien die Beamten auf Aufkleber gewesen, mit denen für eine Blockade der Rechten-Demo am 15. März geworben wird.

    Sie kritisieren die Polizeieinsätze als unverhältnismäßig und glauben, dass sie „eingeschüchtert und mundtot gemacht“ werden sollen.

    Ein Polizeisprecher bestätigt die Vorfälle. Die „Kontrollen der Personengruppen“ seien aus Sicht des Polizeipräsidiums „in allen Belangen verhältnismäßig“ gewesen. Grund: Zeugen hätten beobachtet, wie die jungen Leute Aufkleber an „Verkehrszeichen, Gebäudesäulen und unter anderem auch an Fenstern angebracht“ hätten.

    Die Beamten hätten die Aufkleber als Beweismittel eingezogen. „Die Beschuldigten“ seien aufgefordert worden, „keine weiteren Straftaten zu begehen“.

    Das Programm vom Samstag, 14. März:

    • 14 Uhr: Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof mit Stefan Lutz-Simon (Bündnis für Zivilcourage) und Karin Dauer, DGB-Vorsitzende
    • 14.30 Uhr: Demonstration vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt
    • 15 Uhr: Kundgebung auf dem Domplatz mit OB Christian Schuchardt,  Professor Möckel von Kreisau-Initiative, Julia Römer von der DGB-Jugend. Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und der muslimischen Gemeinden verlesen eine gemeinse Erklärung.
    • Zum Abschluss treten auf: das Winterstein Sintett und Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig.
    Hinweise: In einer ersten Fassung hatten wir berichtet, Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, werde bei der Abschlusskundgebung sprechen. So hatte es uns die jüdische Gemeinde in Würzburg mitgeteilt. Schuster korrigierte telefonisch. Er werde zwar anwesend sein, aber aus Rücksicht auf die jüdischen Gläubigen nicht ins Mikrofon sprechen. Grund: Die Demonstration findet am Samstag, dem Sabbath statt. Nach der orthodoxen Lehre ist den Juden am Sabbath der Gebrauch der Elektrizität verboten.

    Die Organisatoren von "Würzburg ist bunt" korrigierten auch ihre von uns wiedergegebene Ankündigung, dass Dompfarrer Jürgen Vorndran auf der Abschlusskundgebung spreche. Anstelle der Rede eines einzelnen Religionsvertreters werde eine gemeinsame Erklärung der christlichen, muslmischen und jüdischen Religionsgemeinschaften verlesen.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (4)

      Kommentar Verfassen

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!