• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    AfD: Lucke kann sich Rückzug vorstellen

    AfD - Bernd Lucke und Frauke Petry
    AfD-Co-Vorsitzende Frauke Petry spricht neben Parteigründer Bernd Lucke. Foto: David Ebener (dpa)
    Paukenschlag bei der AfD: Spitzenvertreter der Landesverbände legen Parteigründer Bernd Lucke und seiner Co-Vorsitzenden Frauke Petry nahe, beim Parteitag im Juni nicht für den Bundesvorsitz zu kandidieren. Das erklärte der bayerische AfD-Landeschef Andre Wächter auf Nachfrage der Redaktion. „Wir meinen, dass es besser wäre, wenn sie nicht an einer künftigen Parteispitze beteiligt sind. Egal, ob die aus einer, zwei oder drei Personen besteht“, so Wächter. Darauf habe man sich am Samstag bei einem geheimen Treffen in Würzburg verständigt. Lucke will den Vorschlag „im Interesse der Partei“ unterstützen. Das sagte der Parteigründer der Redaktion am Montag auf Nachfrage. Allerdings nur, wenn auch Petry auf eine Kandidatur verzichtet. Lucke und Petry selbst waren am Samstag nicht in Würzburg dabei. Während Petry als sächsische AfD-Landeschefin eingeladen war und ihren Generalsekretär schickte, war Lucke zu dem Treffen nicht eingeladen. An der Sitzung, die auf Initiative des bayerischen Landesverbandes zustande kam, hätten Vertreter von 13 der 16 Landesverbände teilgenommen. Die Landesverbände Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen seien der Einladung nicht gefolgt. 

    Bernd Lucke wollte sich eigentlich beim Bundesparteitag in Kassel zum alleinigen Parteichef wählen lassen und das bisherige Führungstrio aus ihm selbst, Petry und Konrad Adam ablösen. Später hatte auch Frauke Petry ihren Hut in den Ring geworfen. Zuletzt ist der Streit zwischen ihr und Lucke eskaliert. Hintergrund ist der Richtungsstreit in der AfD zwischen dem wirtschaftsliberalen und dem nationalkonservativen Flügel. Vor wenigen Tagen schlossen Lucke und Petry eine künftige Zusammenarbeit im Parteivorstand aus. 

    Geht es nach den Spitzenvertretern der Landesverbände, die sich nun in Würzburg trafen, steht dieses Szenario gar nicht mehr zur Debatte. Bei nur einer Gegenstimme habe man sich, so Wächter, in Würzburg gegen Lucke und Petry ausgesprochen. Die Gegenstimme kam aus Sachsen. Das bestätigte Landeschefin Petry der Redaktion am Montag auf telefonische Nachfrage. Von einem Rückzug Petrys kann wohl demnach keine Rede sein. Laut Wächter sind sowohl Petry als auch Lucke über den Wunsch der Landesvorstände informiert worden. Dem widerspricht Petry: Offiziell sei sie noch nicht über ein Ergebnis der Sitzung informiert worden. Ohnehin misst sie dem Treffen keine große Bedeutung zu: Gegenüber der Redaktion bezeichnete sie es als „nicht repräsentativ“. Schließlich hätten wichtige Landeschefs und die Protagonisten gefehlt. Ähnlich sieht das der nordrhein-westfälische Landeschef Marcus Pretzell. Auf seiner Facebook-Seite nannte er das Treffen in Würzburg einen „Witz“. Es hätten nur „drei Landesvorsitzende und ,sonstige' Vertreter“ teilgenommen. 

    Wächter widerspricht und betont, dass das Treffen hochkarätig besetzt gewesen sei: „Es waren sechs Landesvorsitzende persönlich anwesend, weitere sechs hätten bevollmächtigte Vertreter geschickt“, erklärt er. Aus dem nordrhein-westfälischen Landesverband war Hans Friedrich Rosendahl in Würzburg. Laut Landeschef Pretzell „ohne Absprache mit dem Landesvorstand“. 

    Auch der umstrittene thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke war in Würzburg dabei. Er trägt laut Wächter den Vorschlag eines Rückzugs von Lucke und Petry mit. Höcke hatte den Richtungsstreit in der AfD mit der Aussage, nicht jedes Mitglied der rechtsextremen NPD sei extremistisch, verschärft. Es bleibt abzuwarten, ob er nun selbst die Nummer eins in der AfD werden will. Ob man sich in Würzburg schon auf einen Favoriten geeinigt habe, ließ der bayerische AfD-Chef Wächter offen. „Wir haben über viele Namen diskutiert.“ Der Personenkreis sei dabei allerdings nicht auf die Landesvorstände beschränkt gewesen.
     

    Kommentare (6)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!