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    Würzburg

    Agrarministerin will mehr Naturschutz auf den Äckern

    Wie können Landwirte schonender auf ihren Äckern arbeiten und trotzdem die Ernährung sichern? Die Ministerin formuliert Ziele, doch Unterfrankens Bauern sind schon weiter.
    Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellt bei einem Pressegespräch die "Ackerbaustrategie" vor. Ziele sind dabei unter anderem Ernährungssicherung, Klimaschutz, Umweltschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt.  Foto: Paul Zinken, dpa

    Mehr Natur- und Klimaschutz will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beim Ackerbau in Deutschland erreichen. Dabei sollen die Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Existenz gestärkt werden. Das ist der Kern der "Ackerbaustrategie 2035", die Klöckner am Donnerstag vorstellte. Aufgezählt werden über 50 Maßnahmen, um Produktivität, Grundversorgung und Bodenschutz miteinander zu vereinbaren. Das Papier soll Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Politik und Verbänden sein.

    Die Hälfte der Böden in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt, fast drei Viertel davon für den Ackerbau. Klöckner wies darauf hin, dass im Jahr 1900 ein Landwirt zehn Menschen ernährte, heute seien es 155. "Unsere Böden stehen unter Leistungsdruck", so die Ministerin.  Mit Blick auf den Klimawandel setzt sie auf robustere Pflanzenzüchtungen, Digitalisierung und eine Erweiterung der Fruchtfolgen: So soll jeder Betrieb mindestens fünf Kulturpflanzen wechselnd anbauen, wie etwa auch Dinkel und Hafer. Laut Ministerium dominieren derzeit auf rund 70 Prozent der deutschen Ackerfläche Winterweizen, Mais, Wintergerste und Winterraps - was mit der Nachfrage auf den Rohstoffmärkten zusammenhängt.

    Unterfranken als Vorreiter beim integrierten Pflanzenbau?

    In Unterfranken dagegen ergibt sich schon heute ein anderes Bild. So sieht es zumindest Stefan Köhler, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Er schätzt, dass hier die meisten Landwirte mit Zwischenfruchtfolgen, Sonderkulturen und den Zuckerrübenanbau bereits auf die geforderte Vielfalt kommen. Auch das Stickstoffproblem sei in der Region wegen der geringeren Viehhaltung weniger gravierend. 

    Stefan Köhler, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands für Unterfranken. Foto: BBV

    Köhler hält Bayern durch Förderprogramme "ganz gut gesattelt", andere Bundesländer hätten Nachholbedarf. Der Bauernfunktionär warnt gleichzeitig vor Einkommensverlusten durch allzu enge Vorgaben: "Wir müssen die Produkte auch absetzen können." 

    Landwirte haben mit Niedrigpreisen zu kämpfen

    Der Deutsche Bauernverband begrüßt Klöckners Strategie im Grundsatz. Sie sei ein "guter Weg, um den Ackerbau moderner, effizienter und nachhaltiger zu machen", heißt es in einer Mitteilung. Die Landwirtschaftsministerin steht allerdings weiter wegen der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung in der Kritik. Senior-Landwirt Manfred Hirt aus Lindflur (Lkr. Würzburg) sieht auf die Bauern hohe Kosten für die Lagerung zukommen, wenn eine Herbstdüngung verboten werden sollte. Und wirtschaftlich werde die Situation wegen des Preisdumpings immer prekärer: "Wir wollen doch nicht von der Förderung leben, sondern vom Produkt."

    Rund 400 Landwirte waren Mittwoch in Bergtheim (Lkr. Würzburg) zusammengekommen, um mit CSU-Politikern über die Zukunft der Landwirtschaft zu diskutieren. Foto: Daniel Peter

    Fördern will CDU-Politikerin Klöckner auch den Humusaufbau, damit die Böden besser Wasser, Nährstoffe und Kohlenstoff speichern können. BBV-Bezirksvorsitzender Köhler hält das für wichtig. Ein Großteil der Landwirte in Unterfranken verzichte schon länger auf den Pflugeinsatz und setze auf eine Winterbegrünung. Doch sei die neue Düngeverordnung kontraproduktiv und führe zu einem Abbau: "Wird weniger gedüngt, holt sich die Pflanze ihre Nährstoffe aus dem Humus."

    Bund Naturschutz kritisiert Papier als unzureichend

    Auf Kritik stößt Klöckners Strategie beim Bund für Umwelt und Naturschutz: "Keine verbindlichen Ziele, keine konkreten Maßnahmen, kein Zeitplan." Ohne gesetzlichen Rahmen und passende Fördersysteme werde die notwendige Agrarwende weiter verzögert. Der FDP-Agrarexperte Gero Hocker sagte, Klöckner fordere schonende Bodenbearbeitung und Humusaufbau, halte aber gleichzeitig am "wissenschaftsfernen" Ausstieg aus der Verwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat fest.  (mit Material von dpa)

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