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    WEIKERSHEIM

    Ein Kuss und zweimal freier Eintritt

    Den Eintritt ins Schloss Weikersheim sparen und dabei auch noch Spaß haben: Damit haben Taniete und Jacky Lambert nicht gerechnet, als sie den Kassenschalter ansteuern. Das Ehepaar aus Luxembourg macht gerade Urlaub in der Region und interessiert sich auch für das Schloss mit dem wunderschönen Garten im Taubertal. Die 6,50 Euro pro Person für die Schlossführung können sie stecken lassen, denn ein Kuss an der Schlosskasse tut es in dieser Woche auch.

    In dem Städtchen herrscht winterliche Ruhe, und an der Kasse im Schloss ist es nicht anders. Dort sitzt Valentina Hoppe und wartet auf Besucher. Vor ihr liegen zwei Stapel mit Postkarten, die auf die witzige Aktion „Küss mich im Schloss“ hinweisen. Erfunden wurde sie von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, zu denen auch Schloss Weikersheim gehört.

    Auch in anderen Schlössern ist der Eintritt frei

    Eine Handreichung für das Kassenpersonal beschreibt die „Systematik Kuss“: Zur Kasse gehen, küssen, freien Eintritt erhalten. Einfacher geht es kaum. Eine ganze Woche lang, zwischen 12. und 18. Februar, feiern die Staatlichen Schlösser und Gärten mit dieser Idee den Valentinstag, der am 14. Februar stattfindet. Valentina Hoppe feiert ihn übrigens auch, denn es ist ihr Namenstag. Die Aktion findet sie lustig. Außer im Weikersheimer Schloss können sich die Leute den freien Eintritt auch in den Schlössern Bruchsal, Heidelberg, Ludwigsburg, Mannheim, Rastatt, Schwetzingen, Urach und auf Schloss Solitude bei Stuttgart erküssen.

    An diesem Vormittag aber bleiben in Weikersheim die Horden kusswilliger Liebespaare aus. „Weil die Aktion bei uns im Schloss das erste Mal stattfindet, wissen die Leute wahrscheinlich noch nichts davon“, vermutet Valentina Hoppe. Auf Facebook und über die Homepage wurde die Aktion zwar schon im Vorfeld angekündigt, die meisten Besucher erfahren davon aber erst, wenn sie an der Kasse stehen.

    Einstündige Führung durch das Schloss inklusive

    So wie Taniete und Jacky Lambert. Leicht amüsiert nehmen sie fürs Foto Aufstellung und absolvieren, mit Valentina Hoppe als Zeugin, den in den Regularien vorgesehenen Kuss und erhalten im Gegenzug ihre Freitickets. Die nimmt im zweiten Stock des Schlosses Anja Ruske entgegen, die ihr winziges Besuchergrüppchen zur einstündigen Führung in den prachtvoll eingerichteten, aber eiskalten Räumlichkeiten begrüßt. Aus ihren Bilderrahmen blicken Gräfin Elisabeth Friederike Sophie und ihr Gemahl, der Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim, würdevoll auf ihre Gäste herab. Öffentlich geküsst haben diese beiden sich wohl nie – andererseits durften sie ihr Schloss auch so kostenfrei betreten.

    Für ihr nicht gezahltes Eintrittsgeld bekommt das Ehepaar Lambert Einiges geboten: Einblicke in das adelige Leben der Renaissance- und Barockzeit, als sich beim Grafen angestellte Schreiber und Stuckateure auch mal in den örtlichen Wirtshäusern prügelten und sogar ein nackter Hintern in die Deckengemälde des prächtigen Rittersaals eingeschmuggelt wurde.

    Ein zweiter Besuch ist nicht ausgeschlossen

    Vielleicht hätte Jacky Lambert aber doch lieber ein reguläres Ticket lösen sollen, und zwar eines für die Kinderführung im Schloss. Nur dort ist nämlich der Besuch eines als Kerker genutzten Stadtturms inklusive, und den hätte der Dolmetscher aus Luxembourg doch allzu gerne besichtigt.

    Inzwischen hat sich noch ein zweites Paar eingefunden, das im Austausch gegen einen Kuss zwei Freitickets erhalten hat: Dominik Plonka und Kathrin Stremme aus Würzburg besichtigen das Schloss. Die beiden jungen Lehrer aus Würzburg haben in der Faschingswoche frei, und Dominik Plonka wollte seiner Heimatstadt Weikersheim wieder einmal einen Besuch abstatten. „Ein bisschen komisch war es schon, sich an der Museumskasse zu küssen“, sagt Kathrin Stremme mit einem Schmunzeln. Andererseits motiviert das Valentins-Angebot offenbar auch: „Vielleicht fahren wir auch noch nach Heidelberg“, sagt Dominik Plonka.

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