• aktualisiert:

    Würzburg

    Alexander Nicitin: Tod vor dem Urteil

    Der Arzt aus Riga kam aus ungeklärten Gründen nach Deutschland. Die Gestapo unterstellte ihm bewaffneten Widerstand. Er wurde in Würzburg hingerichtet.
    Am Freitag werden in Erinnerung an verstorbene und ermordete Zwangsarbeiter in Würzburg wieder Stolpersteine verlegt.  Foto: Theresa Müller

    Nach den Recherchen von Alexander Kraus sind im Notgefängnis in der Friesstraße  nachweisbar 13 Häftlinge gestorben. Einer von ihnen war Dr. Alexander Nicitin, geboren am 10. Oktober 1907 in Riga. Unter welchen Umständen der Arzt zum Arbeitseinsatz nach Deutschland kam, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er im Juni 1942 im Zuge des Ostarbeitereinsatzes nach Aschaffenburg überstellt. Nicitin war von diesem Zeitpunkt an für die Betreuung der Ostarbeiter in den Lagern der Deutschen Arbeitsfront in Aschaffenburg, den Landkreisen Aschaffenburg, Obernburg, Miltenberg, Alzenau und Lohr zuständig.

    Angeblich Pläne für den bewaffneten Widerstand

    Nicitin wurde am 18. Juli 1944 als politischer Gefangener festgenommen und noch an diesem Tag der Gestapo-Außenstelle in Würzburg übergeben, die ihn in ihrem Notgefängnis wegen staatsfeindlichen Verhaltens inhaftierte. Hier war er ebenfalls als Lagerarzt eingesetzt. Während eines Verhörs am 20. September 1944 ging es auch um seine Verbindung zu einem gewissen Konrad Köhler. Laut der Akten sagte Nicitin aus, er habe diesen im Lager Schießhaus in Aschaffenburg kennengelernt. Nach dem Fall von Stalingrad habe Köhler ihm erzählt, dass er der Kommunistischen Partei angehört habe und sich alle ehemaligen Mitglieder in Konzentrationslagern befänden. Gemeinsam hätten sie Pläne für den bewaffneten Widerstand geschmiedet.

    Hinrichtung in Würzburg

    Dazu heißt es in einem Schreiben der Würzburger Gestapo vom 23. November: „Da er schon seit längerer Zeit in Verdacht stand, in den von ihm betreuten Ostarbeitslagern konspirative, kommunistische Wühl- und Zersetzungsarbeit zu leisten, wurden Ermittlungen hauptsächlich auch in diese Richtung geführt. Nach dem vorliegenden Ermittlungsergebnis steht einwandfrei fest, dass Nicitin unter den Ostarbeitern, insbesondere in Aschaffenburg und Umgebung, den bewaffneten Widerstand vorzubereiten suchte.“ Man kommt zu dem Schluss, dass Nicitin in dem Lagerkoch Konrad Köhler einen Gesinnungsgenossen und Unterstützer gefunden hat. Köhler, der 1895 in Aschaffenburg geboren wurde, war früher Schlosser und Mitglied der KPD.

    Am 24. November 1944 wurde Alexander Nicitin „wegen versuchter Bildung von Widerstandsgruppen und Vorbereitung zum bewaffneten Aufstand“ in Würzburg hingerichtet. Köhler starb am 25. Januar 1945 noch vor seiner Verurteilung im Würzburger Luitpold-Krankenhaus an Lungen- und Rippenfellentzündung sowie Kreislaufschwäche.

    Bearbeitet von Karl-Georg Rötter

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!