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    Würzburg

    Alltag mit Corona: Wie lebt es sich in der Familie?

    Gibt es einen Familienalltag zu Coronazeiten? Und wie sieht dieser aus? Wir haben uns bei Würzburger Familien umgehört.
    Gegen die Corona-Langeweile: Bei Familie Purucker steht Pflanzen auf dem Balkon hoch im Kurs.
    Gegen die Corona-Langeweile: Bei Familie Purucker steht Pflanzen auf dem Balkon hoch im Kurs. Foto: Christian Purucker

    Morgens um 7 Uhr sind die Fünfjährige und ihre kleine Schwester putzmunter. Mit oder ohne Coronavirus geht der Tag los, "zumindest das ist gleich geblieben", meint Mutter Katharina Purucker schmunzelnd. Ansonsten hat sich für die vierköpfige Familie aus Würzburg vieles verändert. Die Berufsschullehrerin und ihr Mann, Projektleiter in einem Würzburger Unternehmen, wechseln sich im Home-Office ab, "das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn die Kinder um einen herumspringen", erzählt sie. 

    Das Ehepaar versucht so gut wie möglich, ihren Töchtern eine Struktur im Tagesablauf zu geben. Nach dem Frühstück wird gespielt und ein bisschen Sport gemacht, machmal nutzen die Puruckers dazu den Live-Stream der Basketball-Mannschaft "Alba-Berlin", die in Coronazeiten ein Online- Kindersportprogramm entworfen hat. Auch Ostereier-Anmalen liegt gerade hoch im Kurs genauso wie das Pflanzen auf dem Balkon.

    "Während gekocht wird, dürfen die zwei dann die 'Sendung mit der Maus' schauen", so Katharina Purucker. Um 12 Uhr gibt's Mittagessen, am Nachmittag geht es meistens für ein bis zwei Stunden an die frische Luft, mit dem Fahrrad oder zu Fuß - "sonst gibt es irgendwann den Lagerkoller". Einmal in der Woche kauft Christian Purucker allein im Supermarkt ein, "die frischen Sachen bekommen wir über die Öko-Kiste geliefert". Traurig für seine größere Tochter war, dass die Geburtstagsfeier mit Freunden und auch Oma und Opa zu ihrem fünften Geburtstag wegen Corona ausfallen musste. "Sie hat dann ihre Einladungskarten nur für uns drei gemalt", so Katharina Purucker. 

    Geburtstagsfeier muss verschoben werden

    Auch die bald sechsjährige Tochter von Kristina Kessler muss ihren Geburstag Anfang April höchstwahrscheinlich ohne Großeltern und Freunde feiern. Zusammen mit ihren zwei Brüdern, der kleine Mats ist gerade mal fünf Wochen alt ist, versucht sie das Beste aus der Situation zu machen. Intensive Familienzeit statt Kindergarten ist angesagt.

    Alltag mit Corona: Kuscheln statt Kita ist bei Familie Kessler angesagt.
    Alltag mit Corona: Kuscheln statt Kita ist bei Familie Kessler angesagt. Foto: Kristina Kessler

    Behutsam hat Kristina Kessler ihren Kindern erklärt, "dass viele Menschen auf der ganzen Welt gerade krank sind, und wir eben aufpassen, dass wir gesund bleiben, weil wir auch niemanden anstecken wollen". Die ganze Situation sei immer noch sehr surreal, "besonders schwierig ist es für mich, dass die sozialen Kontakte so eingeschränkt sind". So haben die Großeltern mütterlicherseits das jüngste Mitglied der Familie erst einmal live gesehen, "ansonsten schicken wir Bilder und Videos". 

    Die 39-Jährige macht sich Gedanken, wie lange die schwierige Situation andauern könnte und die Kinder ihre Omas und Opas nicht sehen. "Im normalen Alltag haben wir einen intensiven Kontakt, der fehlt uns jetzt sehr." Klar ist trotzdem: "Gesundheit geht vor und wir halten uns strikt an die Regeln." Schön sei, dass man eine sehr intensive Zeit mit der Familie erlebe, fernab von der Hektik des normalen Alltags. Auch Papa Christian Kessler arbeitet derzeit im Home-Office und bekommt so jeden kleinen Entwicklungsschritt des Babys mit. Herausfordernd sei trotzdem, sich gleichzeitig auf die Einbindung eines neuen Mitglieds in die Familie und Corona einzustellen. 

    Zwischen Hausaufgaben und virtueller Hausparty

    Im Haushalt der Familie Zenker mit insgesamt vier Kindern verschiedener Altersklassen sieht der Alltag nochmal anders aus. Die größeren, Lisa 14 und Julia 15 Jahre alt, kümmern sich mit um die vierjährigen Zwillinge. Spielen, basteln, Roller fahren vor dem Haus, all das steht tagtäglich auf dem Plan. "Wir haben nun im Garten auch unser Trampolin aufgestellt, damit die Kleinen ausreichend Bewegung haben", sagt Mutter und Pflegemutter Andrea Zenker.

    Familienalltag bei Corona: Der Lernstoff muss bei den Zenkers zuhause gepaukt werden.
    Familienalltag bei Corona: Der Lernstoff muss bei den Zenkers zuhause gepaukt werden. Foto: Andrea Zenker

    Dazwischen müssen die großen Mädels aber auch Hausaufgaben machen. Während Julia ihre Aufgaben einmal wöchentlich über die Homepage der Schule gestellt bekommt, wird Lisa das Lernmaterial per E-Mail zugesandt. "Wir hatten sogar in Englisch diese Woche eine Telefonkonferenz gemeinsam mit unserem Lehrer", erzählt Lisa beeindruckt.

    Eigentlich finden die Jugendlichen die Situation zuhause momentan nicht schlecht, über das Virus machen sie sich nicht allzu viele Sorgen "zumal wir ja im Moment niemanden außer unsere Familie sehen". Dafür ist genügend Zeit, um über Social-Media-Plattformen wie beispielsweise WhatsApp, Instagram oder Snapchat mit den Freunden zu kommunizieren. Cool sei auch die App "Houseparty", "denn über diese kann man mit insgesamt acht Freunden gleichzeitig im Video chatten und auch verschiedene Spiele machen", erklärt Julia. Ein Segen in Corona-Zeiten auch das Fernsehen über Streaming- Programme wie beispielsweise Netflix oder Amazon Prime. "Da darf natürlich auch ein bisschen mehr geschaut werden als normalerweise", so Andrea Zenker. Die persönlichen Kontakte zu Freunden und Mitschülern fehlen den Mädchen trotzdem: "Das kann man nicht ersetzen", sagt Lisa.

    Als angehende Erzieherin in der Notgruppe

    Monique Schiemke indes kann derzeit ihre 18-jährige Tocher Ria nur aus der Distanz sehen. Ria macht eine Ausbildung als Erzieherin und arbeitet momentan in der Notgruppe eines Würzburger Kindergartens. Sie betreut dort Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen (zum Beispiel Gesundheitswesen, Pflege, Polizei, Feuerwehr) arbeiten. Da sie dort teilweise Kontakt zu mehreren Kindern hat, möchte sie ihre Mutter und deren Mann nicht in unnötige Gefahr bringen. Auch ihren Vater trifft sie zurzeit nur selten und "mit dem nötigen Abstand". Die Sorge selbst zu erkranken, wachse mit steigenden Fallzahlen in Würzburg, schildert die junge Frau.

    "Es ist schon ein beklemmendes Gefühl, dass man seine eigenen Eltern aufgrund des Virus lieber nicht sehen sollte", so die 18-Jährige, die mit ihrem Freund und einer Freundin in einer WG wohnt. Das empfindet Monique Schiemke genauso. "Wir schreiben uns täglich über WhatsApp und tauschen uns aus", so die 44-Jährige. Neulich habe sie ihrer Tochter ein paar Lebensmittel vor die Tür gestellt. "Wir standen einige Meter entfernt voneinander im Hausflur. Da hätte ich sie so gerne umarmt."

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