• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    Als Udo Jürgens Adi Bauer das Singen verbot

    Mir Markenzeichen Bademantel: Udo Jürgens im Kontakt mit Fans nach seinem Auftritt 2006 in der s.Oliver-Arena. Foto: Thomas Obermeier

    Wenn's um Autogramme berühmter und bekannter Musiker geht, ist Würzburgs größter Beatles-Fan Rainer Adam ein Spezialist. Adam hat auch die Chronik zum 600-jährigen Bestehen des Weinhauses „Zum Stachel“ verfasst. Damit kommt er am Montag in die Redaktion. Die Seite 89 zeigt ein besonderes Dokument: Udo Jürgens war am 1. Februar 2006 zu Gast im „Stachel“.

    Der jetzt verstorbene Entertainer und hat sich im Gästebuch verewigt: Gleich mit zwei Autogrammen neben und unter seinem Konterfei in Form eines Scherenschnittes. Dazu hat er ein paar Noten gezeichnet. Wenn auch nicht bekannt ist, was Udo gegessen oder getrunken hat, es scheint ihm geschmeckt zu haben, denn er fügte noch den Titel eines Erfolgshits hinzu: „Merci . . .“

    „Er war sehr interessiert und sehr beeindruckend. Ein feiner Mensch.“
    Marlene Lauter, Chefin des Kulturspeichers

    Udo Jürgens trat öfters in Würzburg auf, schon in den Siebzigern in den Huttensälen und zuletzt am 24. November 2009 in der s.Oliver-Arena. Doch der Besuch am Main vor über acht Jahren ist ein ganz besonderer. Am Tag nach dem Essen im „Stachel“, am Nachmittag vor seinem Auftritt in der s.Oliver-Arena, geht Jürgens im Kulturspeicher auf familiäre Spurensuche: In der Sammlung Konkrete Kunst hängt das Werk „Configuration“ von Hans Arp, ein deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Lyriker, der mit Udo Jürgens verwandt ist.

    Der Sänger spricht damals von einem „Vettern-Onkel-artigem Verhältnis“, das ihn mit dem berühmten Dadaisten Arp, gleichzeitig einer der Urväter der Konkreten Kunst, verbinde. Arp sei allerdings nicht, wie häufig behauptet, der Bruder von Jürgens' Mutter Käthe.

    Das tut dem Interesse an der Verwandtschaft keinen Abbruch. Udo Jürgens nimmt sich „trotz seiner 1000 Termine“, wie sich Museumschefin Marlene Lauter erinnert, eine halbe Stunde für den Kulturspeicher Zeit. „Und dabei er war sehr präsent, sehr interessiert und sehr beeindruckend. Ein feiner Mensch“, denkt Lauter an den prominenten Besuch zurück. „Wir hatten ein kurzes, sehr angenehmes Gespräch über Kunst.“

    Udo Jürgens hat nicht nur Augen für Arps Bild, er sieht sich auch andere Werke – und gesteht aber freimütig, dass er kein großer Kunstkenner sei. Viel zu selten habe er Zeit, sich damit zu beschäftigen. An seinem Verwandten Arp schätzt er den „eigenartigen und vielseitigen Geist“. Zuhause habe er auch eine Skulptur von Arp, erzählt er in Würzburg. Getroffen hat der berühmte Sänger den berühmten Künstler, der 1966 starb, allerdings nie.

    Nachdem sie gehört habe, Jürgens bevorzuge zur Pflege seiner Stimme Kamillentee, habe man ihm solchen angeboten, berichtet Marlene Lauter. Umsonst. Der Sänger greift lieber zum Kaffee. Alle im Museum sollen von Jürgens begeistert gewesen sein – auch Adolf Bauer. Wie im Main-Post-Archiv zu lesen ist, hatte sich der Bürgermeister textlich und stimmlich auf den großen Gast vorbereitet. So können Museumsgäste kurz vor dem Eintreffen von Udo Jürgens im Foyer eine der Legende nach viel beachtete Generalprobe erleben – als Adi Bauer „Griechischer Wein“ und „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ zum Besten gibt.

    Und dabei bleibt es dann auch. Denn als Bauer dann zu Ehren des Gastes, „Griechischer Wein“ anstimmen will, lehnt Udo Jürgens freundlich, aber bestimmt ab: „Bitte nicht!“ Adolf Bauer bekommt dann wenigstens ein Trostpflaster: ein Autogramm auf sein Liedblatt.

    Auch beim Konzert abends in der s.Oliver-Arena ist der Entertainer in bürgermeisterlicher Begleitung: Ziemlich direkt vor der Bühne jubelt die damalige Oberbürgermeisterin Pia Beckmann. Kein Wunder, dass Udo Jürgens dreieinhalb Jähre später, nach seinem Auftritt an gleicher Stelle, sagt, dass er an Würzburg „nur schöne Erinnerungen“ habe.

    Autogrammjäger im Kulturspeicher: Dort wollte Udo Jürgens das Bild seines Verwandten, des berühmten Künstlers Hans Arp, sehen. Auch Bürgermeister Adolf Bauer (rechts) bekam ein Autogramm. Foto: Theresa Müller
    Im Gästebuch: Udo Jürgens nach dem „Stachel“-Besuch. Foto: Welsch

    Von unserem Redaktionsmitglied Holger Welsch

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!