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    WÜRZBURG

    Alte Augenklinik: Moderne Medizinforschung im Baudenkmal

    Steht seit Jahrzehnten leer – und unter Denkmalschutz: Die Alte Augenklinik am Röntgenring Foto: Patty Varasano

    Grünes Licht für ein spannendes Projekt, das in Würzburg Denkmalschutz mit hochinnovativer medizinischer Forschung verbindet: In der Alten Augenklinik am Röntgenring soll das „Fraunhofer-Translationszentrum für Regenerative Therapien des Fraunhofer ISC“ und zukünftig ein Projektzentrum für Stammzellprozesstechnik (SPT) eingerichtet werden. Der denkmalgeschützte Bau wird dafür grundsaniert und mit modernstem wissenschaftlichen Gerät ausgestattet. 23 Millionen Euro sollen dafür aus EU-, Bundes- und Landesmitteln fließen. Abgesehen von der Mensa im Untergeschoss steht das fünfstöckige Gebäude aus der Gründerzeit seit Jahrzehnten leer.

    Aufbau eines Zentrums für Stammzellprozesstechnik

    Nun haben sich die Fraunhofer-Gesellschaft und die Julius-Maximilians-Universität (JMU) als Eigentümerin des historischen Baus auf eine neue Nutzung verständigt. Mittelfristig soll hier das Fraunhofer-Translationszentrum und ein Projektzentrum für Stammzellprozesstechnik aufgebaut werden. Wie das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) informiert, ging zum Auftakt am 1.

    Dezember das Forschungsprojekt „Protypische Materialentwicklung für Stammzellanwendungen in Bioreaktoren“ an den Start. Betrieben wird es gemeinsam vom Würzburger ISC und dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT).

    Drei Millionen Euro werden dem Gründungsteam je zur Hälfte vom Freistaat und von der Fraunhofer-Gesellschaft zur Verfügung gestellt. In Zukunft sollen in der Alten Augenklinik ganz neue Testsysteme für Wirkstoffe von Arzneimitteln entwickelt werden.

    Forschungsstandort profitiert: enge interdisziplinäre Zusammenarbeit

    Universitätspräsident Prof. Alfred Forchel sieht die Ansiedlung der Stammzellprozesstechnik als neuen Forschungsschwerpunkt am ISC – im Verbund mit der Universität und der Uniklinik – als „wertvolle Bereicherung für den Forschungsstandort Würzburg“. Es gehe um eine praxisbezogene Entwicklung modernster Technologien im Umgang mit Stammzellkulturen und Biomaterialien. Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Lehrstühlen und Einrichtungen der Medizin sowie den Lebens- und Naturwissenschaften werde ein direkter Wissenstransfer möglich.

    Das denkmalgeschützte, 1901 errichtete Gebäude am Röntgenring steht seit Jahrzehnten weitgehend leer. 1998 war ein historischer Hörsaal saniert worden, im Untergeschoss ist eine Mensa der Universität untergebracht. Mit der neuen Perspektive dürfte auch der Weg für eine Sanierung frei sein. Wie es in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Universität heißt, will die Fraunhofer-Gesellschaft vertraglich eine Nutzung für die kommenden 30 Jahre sicherstellen – mit der Option einer zehnjährigen Verlängerung.

    Grundsanierung und bauliche Erweiterung geplant

    Mit einer baulichen Erweiterung sollen Forschung und Entwicklung des Fraunhofer ISC im Bereich Gesundheit verstärkt werden. Das für strategische Baumaßnahmen zuständige Gremium von Bund und Ländern habe in seiner Novembersitzung bereits die Finanzmittel für die Erweiterung in Würzburg freigegeben. Wenn auch noch das Plazet aus dem Bundesforschungsministerium vorliegt, können die vorbereitenden Maßnahmen für den späteren Umbau des Gebäudes gestartet werden, so ISC-Sprecherin Marie-Luise Righi. Mit einem voraussichtlichen Baubeginn rechne man Ende 2019.

    Das Gebäude an der „Wissenschaftsmeile“ am Röntgenring wird nach vielen Jahren des Leerstands nicht nur grundsaniert, sondern auch in einen für die künftige wissenschaftliche Nutzung geeigneten Zustand versetzt. Hinzu kommt die Ausstattung mit modernstem wissenschaftlichen Gerät. Hierfür sollen Bundes- und Landesmittel sowie Gelder aus dem EU-Regionalfonds in Höhe von 23 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

    Denkmalgeschütztes Gebäude aus den Jahren 1898 bis 1901

    Die Uni-Augenklinik hatte das von 1898 bis 1901 errichtete Gebäude im Jahr 1970 verlassen und war in die Kopfklinik nach Grombühl gezogen. Bis Anfang der 80er Jahre wurde der Bau dann noch von der Uni-Nervenklinik genutzt. Das historische Gebäude hatte die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 weitgehend unbeschädigt überstanden und wurde vor der Wiedernutzung nach Kriegsende vorübergehend von amerikanischen Truppen belegt.

    Mit einem „überzeugenden Konzept für die künftige Nutzung durch das Fraunhofer ISC und seine Partner“ habe die Fraunhofer-Gesellschaft nun Gelder für die umfassende Sanierung und einen Ausbau des historischen Gebäudes zu einem modernen Wissenschaftszentrum eingeworben, heißt es in einer Mitteilung. Institutsleiter Prof. Gerhard Sextl: „Der Wissenschaftsstandort Würzburg gewinnt neben einer bald wieder strahlenden Perle im baulichen Ensemble des Röntgenrings auch ein neues Schwergewicht für seinen Forschungsschwerpunkt Gesundheit im Bereich der anwendungsorientierten Forschung für Medizintechnik, Biotechnologie und Arzneimittelentwicklung.“

    Fraunhofer-Institute stellen sich neu auf

    Erst im August war das Translationszentrum „Regenerative Therapien für Krebs- und Muskuloskelettale Erkrankungen“

    , vormals Würzburger Institutsteil des Fraunhofer IGB (Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik) , in das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC eingegliedert worden. Damit soll die materialorientierte Gesundheitsforschung bei Fraunhofer am Standort Würzburg gestärkt werden. Ziel des Translationszentrums: Ergebnisse aus der Materialforschung und der regenerativen Medizin schneller in die klinische Anwendung am Menschen zu bringen.

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