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    Reichenberg

    Alter Hund sucht neues Zuhause

    "Hansi" ist 15 Jahre. Wäre er ein Mensch, er wäre ein Teenager. Aber Hansi ist ein Hund. Und Hunde sind mit 15 Jahren richtig alt. Auch Hansis Herrchen ist alt. Im Gegensatz zu Hansi ist der Senior aber auch noch krank. Weil er nicht mehr für sich selbst sorgen kann, muss er in ein Heim - ohne Hansi, weil Hunde dort nicht erlaubt sind. Leider kennt der Hundefreund niemand, der Hansi zu sich nehmen will. In seiner Not hat er den Vierbeiner in eine Tierklinik gebracht. "Ich wollte ihn einschläfern lassen", sagt er, "ich wusste doch nicht, was ich mit ihm machen soll".

    Aber Hansi ist noch kein Kandidat für den Tierfriedhof. "Dem Hund geht es für sein Alter recht gut", sagt Willi Thevis, der Chef der Tierklinik in Reichenberg (Lkr. Würzburg), er sei nur manchmal inkontinent. "Ihn zu euthanasieren wäre nicht vertretbar". Um Hansis Besitzer die Sorge um seinen langjährigen Weggefährten zu nehmen, haben sich die Mitarbeiter der Tierklinik nun des Hundes angenommen. "In ein Tierheim wollten wir ihn nicht bringen. Dort hat ein so alter Hund kaum eine Chance, ein neues Zuhause zu finden", erklärt der Tierarzt.

    "Er ist mit allen Mitarbeiter-Hunden sehr gut verträglich"

    Statt in einem Tierheim-Zwinger wohnt Hansi nun im Sozialraum der Klinik. Hier steht sein Körbchen, hier wird er gefüttert, hier wird er geknuddelt - und hier hat er vierbeinige Gesellschaft. "Er ist mit allen Mitarbeiter-Hunden sehr gut verträglich", betont Thevis, "auch beim Gassigehen gibt es keine Probleme mit anderen Vierbeinern".

    Obwohl Hansi sich ganz wohl zu fühlen scheint, ist sein Aufenthalt in der Klinik natürlich keine Dauerlösung. Der Tierarzt und seine Mitarbeiter wünschen sich für den Hunde-Senior ein "richtiges Zuhause" bei Hundefreunden. Damit auf die neuen Besitzer nicht gleich hohe Tierarztkosten zukommen, werde Hansi vor der Übergabe "auch noch hergerichtet", verspricht Thevis.

    "Er hat noch nie jemand gebissen"

    Hansis ehemaliges Herrchen betont im Gespräch mit der Redaktion, dass der mittelgroße schwarze Mischlingsrüde mit den weißen Pfoten "ein ganz Braver" sei. Seit er ein Welpe war, lebte der Hund bei ihm. "Er hat noch nie jemand gebissen", erzählt der alte Herr, "ich habe ihn sehr gern, aber jetzt kann ich mich ja nicht mehr um ihn kümmern". Dann weint er.

    In die Tierklinik kommen öfter alte Leute, die ihre Tiere einschläfern lassen wollen, weil sie in ein Heim müssen. "Manche dieser Tierbesitzer sind todkrank und können sich kaum noch auf den Beinen halten", sagt Thevis, "sie schieben wegen ihrer Tiere ihren Heimaufenthalt so lange vor sich her, bis sie nicht mehr können". Aber Tierärzte seien nun mal keine "Auftragskiller". Jede Euthanasie sei eine Einzelfall-Entscheidung. "Wir schläfern kein Tier ein, wenn dieser Schritt aus tierärztlicher Sicht nicht nötig ist", erklärt Thevis und verweist auf das Tierschutzgesetz.

    Tierarzt: Einen solchen Hund zu töten ist nicht gesetzeskonform

    Laut Paragraf 17 ist mit "Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafe" bedroht, wer "ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet". Während bei so genannten Nutztieren die Schlachtung als "vernünftiger Grund" gilt, sieht das bei Haustieren anders aus. "Wenn das Tier nicht heilbare Krankheiten mit dauerhaften Schmerzen hat", sei die Sache klar, sagt Thevis, "dann sollte man es erlösen". Auch wenn es so aggressiv ist, dass von ihm "Gefahren für Leib und Leben von Menschen ausgehen" sei das Einschläfern gerechtfertigt . Nicht in Frage komme eine Euthanasie, wenn, wie in Hansis Fall, ein Tier "nur alt" ist. Einen solchen Hund zu töten ist laut Thevis "nicht gesetzeskonform".

    Der Tierarzt und seine Mitarbeiter hoffen nun, dass Hansi seine letzten Lebensmonate bei netten Tierfreunden verbringen kann. Wer den Hund gerne bei sich aufnehmen will, kann sich unter der Telefonnummer 0931/69017 melden.

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