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    Kürnach

    Altort mit Leben füllen

    Carolin Glöckle erläutert mit ihrer Architektin Julia Fohrer, Oberbauleiter Christian Rabenstein und kaufmännischer Bere...

    Die Flächenverbrauchsdiskussion ist derzeit in aller Munde, ebenso wie die Suche nach Wohnraum. Oftmals wird als Alternative zum Flächenverbrauch im Außenbereich die Innenentwicklung mit der Schaffung von innerörtlichem Wohnraum angeführt. Wie schwer dies ist und welche Hindernisse zu überwinden waren, wie es aber doch gelingen kann, wird nun im Altort von Kürnach deutlich.

    Dort ist es mit vielen Mühen und Aufwendungen, gemeinsam mit der Baufirma Glöckle aus Schweinfurt, den Nachbarn und der Gemeinde Kürnach, gelungen, eine bestehende innerörtliche Hofstelle mit Wohnhäusern nach zu verdichten, heißt es in einer Pressemitteilung. „Auch ein Dorf wie Kürnach spürt den Funktionsverlust in der Landwirtschaft mit leerstehenden Häusern, Ställen und Scheunen. Daher ist das Nachverdichten ein guter, aber kein einfacher Ansatz“, erklärt Bürgermeister Thomas Eberth.

    Zunächst galt es für die Firma Glöckle nach dem Grunderwerb machbare Planungsentwürfe zu erarbeiten und dabei die Themen Nachbarschaftsrecht, Baurecht mit Abstandsflächenregelungen, Lärmimmissionen und –emissionen, Brandschutz sowie die Einfügung ins Ortsbild zu berücksichtigen. Daneben musste natürlich auch an die Kostenstruktur und die Einhaltung der innerörtlichen Stellplatzsatzung gedacht werden. „Ziel war es, die Giebelständigkeit der Bestandsgebäude in der Semmelstraße aufzunehmen, 30 Wohnungen aufgeteilt in drei Häuser zu bauen und dadurch Wohnraum mit Grünflächen zu schaffen“, erklärt Architektin Julia Fohrer. Aufgrund der Stellplatzsatzung sind für das Bauvorhaben 45 Stellplätze erforderlich. Daher wurde eine große Tiefgarage als Sockelgeschoss eingeplant.

    „Aufgrund des Altortcharakters und der verschiedenen in dem Bereich ansässigen Betriebe mussten viele Hindernisse überwunden werden. Auch die Bedenken der Nachbarschaft mussten betrachtet werden“, erläutert die Chefin des Unternehmens, Carolin Glöckle. Nachdem viele Gespräche mit den Behörden und besonders dem Landratsamt geführt waren, wurde das Bauvorhaben realisierbar. Nach eineinhalb Jahren Diskussions- und Planungsprozess konnte dann die Baugenehmigung erteilt werden. „Oftmals stand das Projekt auf der Kippe und eine Verwirklichung wäre beinahe geplatzt“, betont Bürgermeister Eberth.

    Viele die von innerörtlicher Nachverdichtung reden, kennen mindestens genau so viele Argumente, warum diese nicht möglich ist. Außerdem sind gerade Veränderungen im Altort auch mit Ängsten der Nachbarschaft verbunden. Durch die Unterstützung der Gemeinde Kürnach und des Landratsamtes konnte das Schlagwort Nachverdichtung und Innenentwicklung nun doch mit Leben erfüllt werden.
    Bürgermeister Thomas Eberth ist sich sicher, dass das Projekt Vorbildfunktion für andere leerstehende Anwesen und Gehöfte haben kann. „Wegen dem Druck auf dem Wohnungsmarkt müssen Gemeinden sowohl bei der Innen- als auch bei der Außenentwicklung clevere Vorgehensweisen erarbeiten“, so der Bürgermeister.

    Anstatt Diskussionen über den Flächenverbrauch zu führen, wünscht er sich statt dessen Diskussionen über eine vereinfachte gesetzliche Innenentwicklung mit Erleichterungen bei EnEV, Brandschutz, Grenzabständen, Ortsbildprägung sowie Emissions- und Immissionsrecht. „Auch im Altort muss und soll ein attraktives Wohnen möglich sein. Daher brauchen wir für die Altorte spezielle Vorgaben und Gesetze“, ist sich der Bürgermeister sicher.

    Lena Berger

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