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    Waldbüttelbrunn

    Amt überstimmt Gemeinderäte: Aufforstungsflächen genehmigt

    5,7 Hektar Wald hat die Firma Benkert in Thüngersheim bereits gerodet. Weitere vier Hektar können jetzt folgen. Denn die Aufforstungsflächen sind genehmigt. Foto: Thomas Obermeier

    In den Gemeinderäten herrschte Einigkeit: Sowohl in Waldbüttelbrunn als auch in Erlabrunn verweigerten sie den Baustoff- und Betonwerken Benkert Flächen auf Gemeindegrund mit jungen Bäumen aufzuforsten. Das Unternehmen braucht aber diese Ersatzmaßnahmen, um den Steinbruch in Thüngersheim zu erweitern. Dafür sollen insgesamt 9,8 Hektar Wald gerodet werden. Gut die Hälfte der Bäume sind schon gefällt.

    Mit der Genehmigung können in Thüngersheim weiter Bäume gefällt werden

    Es sind viele kleine zusammenhängende Parzellen, die nun mit jungen Bäumchen bepflanzt werden. Zusammen genommen sind es 5,3 Hektar - 2,5 Hektar in der Erlabrunner Flur, 2,8 Hektar auf Roßbrunner Gemarkung. In Waldbüttelbrunn einigten sich die Gemeinderäte darauf, dass sie auf ihrem Gemeindegebiet keine Ausgleichsflächen für ein Vorhaben in einer anderen Gemeinde ausweisen möchten. In Erlabrunn sind vier Grundstücke umgeben von einem FFH-Gebiet mit einem hochwertigen Kalkmagerrasen. Ein Landschaftsarchitekt befürchtet, dass dieser dauerhaften Schaden nehmen könnte, wenn die benachbarten Flächen aufgeforstet werden. Deswegen stimmte der Gemeinderat dagegen. Bei einer anderen Fläche, einem ehemaligen Weinberg, hatte das Gremium keine Bedenken. Allerdings sollte dort eine offene Waldstruktur mit Mehlbeeren, Elsbeeren, Speierlingen und Nußbäumen gepflanzt werden. "Alles was an dieser Stelle gemacht wird, ist besser als jetzt", sagt Erlabrunns Bürgermeister Thomas Benkert.

    Steinbruch Thüngersheim Foto: Main-Post-Grafik

    Das Amt für Landwirtschaft und Forsten hat diesen Vorschlag in die Genehmigung aufgenommen. Es hat sich aber über die Entscheidung der Erlabrunner und Waldbüttelbrunner hinweg gesetzt und alle beantragten Aufforstungsflächen genehmigt. Damit ist klar, dass in Thüngersheim ab Oktober, wenn die Schonzeit für Gehölze und Bäume vorbei ist, die restlichen Bäume gefällt werden können. 9,8 Hektar Wald darf das Baustoffunternehmen Benkert dort für die Erweiterung ihres Steinbruchs fällen. 5,7 Hektar, so die Auskunft der Firma, wurden bislang gerodet. Die Rodungen sind bei vielen umstritten.

    "Wir können nur unsere Meinung sagen. Wir sind nicht die Entscheider." 
    Thomas Benkert, Bürgermeister in Erlabrunn 

    Grundsätzlich kann jeder Grundstückseigentümer einen Antrag auf Erstaufforstung stellen, teilt Antje Julke vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) mit. Es bedarf dafür einer Erlaubnis. Und sie vertritt die Devise, dass es eigentlich immer zu begrüßen sei, wenn jemand Bäume pflanzen will und daraus ein Wald entsteht. Das Amt könne die Aufforstung nur ablehnen oder durch Auflagen einschränken, wenn "wesentliche Belange der Landeskultur oder des Naturschutzes und der Landschaftspflege gefährdet werden  oder der Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird". Letzteres prüfe die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Auch wenn erhebliche Nachteile für die umliegenden Grundstücke zu erwarten sind, könne die Erlaubnis zur Aufforstung nicht erteilt werden, erklärt Julke  die rechtliche Situation.  

    Stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund?

    Welchen Sinn macht es dann, die Gemeinden im Vorfeld zu beteiligen? "Sie haben die Planungshoheit", so Julke. "Die Gemeinde äußert sich, ob die beantragte Erstaufforstung mit der bestehenden gemeindlichen Bauleitplanung vereinbar ist." Doch die Gemeinden Erlabrunn und Waldbüttelbrunn haben andere Gründe vorgebracht, heißt es in der Stellungnahme des Amtes. "Eine Versagung der Erlaubnis war nicht gerechtfertigt."

    Einen mächtigen Maschendrahtzaun mit Stacheldrat hat die Firma Benkert um den Wald gezogen.  Foto: Thomas Obermeier

    Die Entscheidung des Amtes stößt auf Kritik. "Wir empfinden es als Affront, das einstimmig gefasste Votum des Waldbüttelbrunner Gemeinderates zu ignorieren und die Aufforstung auf der Gemarkung Roßbrunn dennoch zu erlauben. Dadurch kann die Firma Benkert in Thüngersheim nun mehrere Hektar wertvollen Wald abholzen", schreibt Sebastian Hansen für die Gemeinderats-Fraktion Bündnis90/Die Grünen in einer Stellungnahme. "Als Ausgleich sollen dann die Flächen in Roßbrunn dienen. Diese werden aber Jahrzehnte brauchen, um überhaupt zum Wald zu werden und frühere Aufforstungsversuche der Firma Benkert an dieser Stelle sind kläglich vertrocknet. Offensichtlich werden hier zum wiederholten Male wirtschaftliche Interessen über den Schutz der Natur gestellt", so Gemeinderat Hansen weiter.  

    "Wir empfinden es als Affront, das einstimmig gefasste Votum des Gemeinderates zu ignorieren."
    Sebastian Hansen, Gemeinderat (Bündnis90/Die Grünen)

    Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden halten sich erst einmal mit einer Bewertung zurück. Sie wollen die Diskussion dem Gemeinderat überlassen. "Wir können nur unsere Meinung sagen. Wir sind nicht die Entscheider", sagt der Erlabrunner Bürgermeister Thomas Benkert. Und zweiter Bürgermeister Alois Bärmann, der derzeit den ersten Bürgermeister vertritt, erklärt: "Aufforstung ja, aber zu welchem Preis." Zurückhaltend kritisiert er die Entscheidung des Amtes: "Es sollten nicht die Weichen dafür gestellt werden, dass an anderer Stelle Wald gerodet werden darf. So ein Wald wächst über hunderte von Jahren." In der nächsten Sitzung des Gemeinderates will Bärmann mit dem Gemeinderat auch über die Frage diskutieren, ob die Gemeinde rechtliche Schritte gegen den Bescheid der Forstbehörde einlegt. 

    Wald ist jetzt eingezäunt: Ist das überhaupt erlaubt? 

    Derweil hat die Firma Benkert einen mächtigen Drahtzaun mit Stacheldraht um den Wald in Thüngersheim gezogen. Ob das rechtens ist, will das AELF nun prüfen. "Denn normalerweise ist das nicht erlaubt", sagt Antje Julke. "Nur, um Forstkulturen zu schützen." Über den Zaun ärgern sich auch die Naturschützer. "So können wir jetzt auch nicht kontrollieren, ob sich auf dem Gelände die geschützte Haselmaus aufhält", sagt Steffen Jodl, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe Würzburg. Er bedauert auch, dass die Firma nicht verpflichtet wurde, eine neue artenschutzrechtliche Prüfung vorzulegen. Das Landratsamt sah dazu keine Handhabe.Mittlerweile liegen dem Amt aber die Ergebnisse einer Untersuchung der noch nicht gerodeten Fläche vor. Die Firma Benkert hatte diese freiwillig in Auftrag gegeben. Dort wurden elf potenzielle Habitatbäume identifiziert, teilt die untere Naturschutzbehörde mit. Die Firma wolle deshalb diese Bäume bei der nächsten Rodung nach den Vorgaben der ökologischen Baubegleitung behandeln. 

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