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    OCHSENFURT

    An Pfingsten wird die Partnerschaft zwischen Ochsenfurt und Bibbiena geschlossen

    Nach Jahren des Werbens sind Ochsenfurt und Bibbiena reif für eine feste Beziehung.

    Um sich den Gästen aus Italien von der besten Seite zeigen zu können, fällt die Unterzeichnung der Städtepartnerschaft auf den Beginn des Bratwurstfests.

    Die Kleinstadt im Nordosten der Toskana ist somit die Nummer vier im Reigen der Ochsenfurter Partnerstädte.

    Bis ins Jahr 2007 reichen die Kontakte zwischen Ochsenfurt und Bibbiena bereits zurück.

    Damals wurde die Idee zur Belebung der Via Romea geboren. Beide Städte liegen an dieser mittelalterlichen Pilgerstraße, die von der Nordsee bis nach Rom führt. Vor vier Jahren bereits hat der Stadtrat von Bibbiena sein Interesse an einer offiziellen Partnerschaft bekundet. Gleichzeitig erklärte sich der Ochsenfurter Städtepartnerschaftsverein bereit, die Verantwortung für den regelmäßigen Austausch zu tragen.

    Dies hatte der Stadtrat zur Voraussetzung gemacht: Die Verbindung sollte auf breiter Basis geschmiedet werden und neben einzelnen Bürgern auch Vereine und Schulen einbeziehen. Wechselseitig haben sich Verantwortliche der beiden Städte und Partnerschaftskomitees seitdem besucht.

    2014 wurde die erste Bürgerfahrt aus Bibbiena in Ochsenfurt empfangen. Ein Jahr später folgte der Gegenbesuch. Im Sommer 2015 beschloss der Ochsenfurter Stadtrat offiziell, die Partnerschaft einzugehen.

    Die Zeit dafür hält auch die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, Christiane Ballas-Mahler, für reif genug. Der Verein hat in den zurückliegenden Monaten kräftig die Werbetrommel gerührt. Im Vorstand hat Rosi Hartinger die Rolle der Bibbiena-Beauftragten übernommen.

    Unter anderem haben der Ochsenfurter Carnevals Club und Volkstrachtenverein ihre Bereitschaft signalisiert, die Partnerschaft mit Leben zu füllen, erzählt Ballas-Mahler.

    Auch erste Bestrebungen der Mittelschule nach einem Austausch mit Schulen in Bibbiena gebe es bereits. Und Rosi Hartinger hofft darauf, dass sich auch Sportvereine aus den Ochsenfurter Stadtteilen für die Partnerschaft begeistern lassen.

    Kulturell sind sich die beiden Städte ohnehin bereits nähergekommen, das beweist der geplante Festakt am Pfingstsamstag auf dem Ochsenfurter Marktplatz. Neben dem Collegium Musicum Iuvenale von Astrid Eitschberger, der Sing- und Spielgemeinschaft und den Hohestadter Zwergrebellen wirken daran aus Bibbiena die Filarmonica bibbienese und das Mittelalter-Ensemble Insieme Vocale Accordion mit.

    Die feierliche Unterzeichnung der Urkunden durch Bürgermeister Peter Juks und seinen italienischen Kollegen Daniele Bernardini im Rathaus mit anschließende Sektempfang auf dem Marktplatz sollen nahtlos in den Festzug zur Eröffnung des Bratwurstfests übergehen.

    Die erste Städtepartnerschaft hat Ochsenfurt 1983 mit Coutances in der Normandie geschlossen, 1989 kam das südenglische Wimborne hinzu, 1990 im Jahr der Wiedervereinigung, das sächsische Colditz.

    Besonders lebendig ist die Beziehung mit Coutances, vor allem dank des Schüleraustauschs von Gymnasium und Realschule und der sportlichen Kontakte des TV Ochsenfurt. Die Beziehungen zu Wimborne und Colditz fanden lange Zeit vor allem auf privater Ebene statt, sagt Christiane Ballas-Mahler. In den letzten Jahren ist es dem Partnerschaftsverein aber immerhin wieder gelungen, regelmäßig Bürgerfahrten zu veranstalten.

    Um vier Partnerschaften organisatorisch schultern zu können, hat sich der Verein neu aufstellt und jeweils feste Beauftragte für die Partnerschaften ernannt. Wichtigstes Anliegen des Vereins ist es dabei, möglichst viele Bürger in den Austausch einzubeziehen.

    „Vor ein paar Jahren noch dachte ich, die Zeit der Städtepartnerschaften ist vorbei“, sagt die Vorsitzende, „aber gerade in der Situation, in der sich Europa zurzeit befindet, sind sie wichtiger denn je.“

    Sie hofft deshalb, dass sich vor allem jüngere Bürger und Familien für den Kontakt zur neuen Partnerstadt interessieren. Die Vorzeichen dafür sind gut. So sei es gelungen die rund 50 Besucher über die Pfingstfeiertage privat unterzubringen.

    Die nächste Gelegenheit, Bibbiena kennenzulernen, bietet die Bürgerfahrt am ersten Wochenende im September. Dann soll die Partnerschaftsurkunde auch in Bibbiena feierlich unterzeichnet werden. Die Sbandieratori, eine historische Gruppe von Fahnenschwingern, hat dazu eigens ihr Jubiläumsfest verschoben.

    Der Festakt mit anschließendem Sektempfang und Standkonzert beginnt am Pfingstsamstag um 16 Uhr am Ochsenfurter Rathaus.

    Kontakt zum Städtepartnerschaftsverein über die Vorsitzende Christiane Ballas-Mahler, Tel. (0 93 31) 8 91 00, oder im Internet: www.spv-ochsenfurt.de.

    Bibbiena

    Die Kleinstadt Bibbiena liegt abseits der großen Touristenströme im Casentino, einer waldreichen Region 50 Kilometer östlich von Florenz und 30 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Arezzo. Wegen des Angebots an Holz und Wasser war die Gegend bereits zur Zeit der Etrusker ein Zentrum der Eisenverhüttung und Waffenherstellung, wovon Funde im städtischen Museum zeugen.

    In einem der abgelegenen Weiler erzählen langobardische und karolingische Sarkophage von der Lage an einer bedeutenden mittelalterlichen Fernstraße zwischen Ravenna und Rom. Erwähnt wird die Stadt unter anderem in den Werken des Dichters Dante Alighieri, der Ende des 13. Jahrhunderts einige Zeit auf der Burg der Grafen Guidi im benachbarten Poppi verbrachte.

    Die von Adelspalästen der Renaissance geprägte Altstadt von Bibbiena (Bild) thront weitgehend unverfälscht auf einem Hügel, umgeben von den modernen Stadtteilen, in denen die meisten der rund 12 000 Einwohner leben. In dem vom Oberlauf des Arno durchflossenen Tiefland liegen auch die mittelständischen Betriebe aus der Maschinenbau- und Elektrobranche, die neben der Landwirtschaft die wichtigsten Einkommensquelle der Bevölkerung sind.

    Zu den wichtigsten Kunstschätzen der Stadt gehören Keramik-Reliefs der berühmten florentinischen Künstlerfamilie Della Robbia aus dem 15. Jahrhundert in der Hauptkirche S. Lorenzo. Zu den Besonderheiten der Stadt gehört das im neobarocken Stil erbaute und mit zahlreichen Logen ausgestattete Teatro dei Dovizi (Bild), das für Konzerte, Theater- und Kinoveranstaltungen genutzt wird.

    Wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt liegt die Wallfahrtskirche Santa Maria del Sasso (Bild), erbaut über einem Felsen, auf dem der Legende nach einem Mädchen die Gottesmutter erschienen war. Rund 15 Kilometer sind es zum Wallfahrtskloster Le Verna. Der heilige Franz von Assisi hatte sich im Jahr 1214 dorthin in eine Höhle zurückgezogen und später seine Mönchsgemeinschaft um sich versammelt. An dem Ort soll er später die Wundmale Christi empfangen haben.

    Ähnlich weit wie zum Kloster Le Verna ist es nach Pratovecchio, Partnerstadt von Uffenheim und alljährlich Schauplatz eines weithin bekannten Bierfests, bei dem vornehmlich Kauzen-Bier aus Ochsenfurt ausgeschenkt wird. Die Entfernung zwischen Ochsenfurt und Bibbiena beträgt rund 950 Straßenkilometer. MEG/Fotos Gerhard Meißner

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