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    Würzburg

    Integration braucht Zeit 

    "Ich bin ungeheuer stolz wie unsere Stadtgesellschaft mit der großen Flüchtlichswelle 2015 umgegangen ist", erklärte Oberbürgermeister Christian Schuchardt.  Dass die Integration in Würzburg gut gelinge, zeige sich daran, dass ein Viertel der Menschen, die vor drei Jahren in Würzburg ankamen, heute bereits eine Arbeit hätten.

    Arbeit und vor allem Sprache sind die wichtigsten Schritte zum Ankommen in der Gesellschaft - da waren sich Fachleute, Politiker  und Vertreter von Konfessionen einig, die CSU-Stadtrat Emanuele La Rosa zur Diskussion über "Herausforderungen für die Integration in Bayern" ins Mainfranken Theater eingeladen hatte.   

    Beispiel für gelungene Integration

    Geleitet wurde die Diskussion von Blagoy Apostolov. Der gebürtige Bulgare war Opernsänger am Würzburger Theater und moderiert heute Radiosendungen. "Ich bin ein Beispiel für gelungene Integration und dafür sehr dankbar."

    Aber wie gelingt diese? Das war die zentrale Frage des Abends. "Der Freistaat stellt Geld dafür zur Verfügung", erklärt CSU-Landtagsabgeordneter Oliver Jörg. Damit würden zum Beispiel Koordinationsstellen von Ehrenamtlichen, Sprach- und Integrationskurse finanziert und Ausbildungspakte mit der Wirtschaft gefödert.

    Das Thema bleibt Würzburg noch einige Jahre erhalten

    "Kurse alleine machen es nicht, es braucht mehr", erklärte Dompfarrer Jürgen Vorndran. Dazu zählt Vorndran zum Beipiel das Engagement beider christlicher Kirchen. In zahlreichen Gemeinden werde aktiv Flüchtlingshilfe praktiziert. "Der christliche Glaube hat Integrationskraft." Aber auch Sport- und andere Vereine sowie Verbände leisteten wichtige Beiträge, fremde Menschen aufzunehmen.      

    Dass das "Ankommen" am besten gelingt, wenn direkte Kontakte geknüpft werden, glaubt auch Sozialreferentin Hülya Düber. Ihr Referat fördert diese durch Einrichtungen wie multikulturelle Frauenfrühstücke und vieles mehr.  

    "Das Thema wird uns in Würzburg noch die nächsten fünf bis zehn Jahre begleiten", stellte Düber klar. Die Herausforderung sei, für alle Menschen mit Bleiberecht Wohnungen zu finden und sie in Arbeit zu bringen.  "Unser duales Ausbildungssystem ist für Menschen, die ohne Kenntnisse von Sprache und Schrift hier ankommen, ein größeres Problem als wir dachten." 

    Man müsse Geduld haben, mahnte auch Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden. "Ob Integration glückt, sieht man erst in der nächsten Generation. Also in etwa 30 Jahren." 

    Kulturelle Identität behalten

    Wie man die Ausbildung von Flüchlingen zu Facharbeitern erleichtern will, erklärte  Mechthilde Wittmann, bayerische Integrationsbeauftragte. "Da sind wir gemeinsam mit den Betrieben dran." Zur Haltung ihrer Partei stellte die CSU-Landtagsabgeordnete klar: "Unser Recht auf Asyl ist keines auf Zuwanderung." 

    Dass Integration nicht bedeutet,  seine kulturelle Identität aufzugeben, stellte CSU-Abgeordneter Jörg klar. Genauso wie OB Schuchardt betonte er, dass mehr Vielfalt unsere Gesellschaft bereichere. Einig waren sich die Beiden aber auch darin, welche Risiken diese Entwicklung mit sich bringe.      

    Antisemitische Einstellungen

    "Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass ihnen nichts weggenommen wird", sagte der OB. Jörg meinte, dass man über Flüchtlinge offen und differenziert reden müsse. "Auch wenn jemand alternativ denkt, müssen wir seine Sorgen ernst nehmen", sagte Jörg. "Wenn wir die Gesellschaft überfordern, profitiert die AfD", meinte CSU-Politikerin Wittmann.

    "Nimmt der Antisemitismus in Deutschland zu?" Auf die Frage von Moderator Apostolov antwortete  Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, mit "Jein". Latent vorhanden sei Antisemitismus  schon immer gewesen. "Heute trauen sich aber mehr Leute, Dinge auszusprechen, die sie früher nur  gedacht haben." Eine Ursache dafür sei die Hetze der AfD. 

    Aber auch die Aufnahme von arabisch stämmigen Flüchtlingen mit antisemitischen Einstellungen macht Schuster Sorgen. "Wir brauchen eine bessere Integration, damit wir unser Wertegefüge vermitteln können."   

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