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    Würzburg

    Arzt, Musiker, Eventplaner: So arbeiten Würzburger im Home Office

    Das Coronavirus wirkt sich auch auf das Berufsleben vieler Würzburger aus. Sie müssen deswegen ihre Arbeit komplett umstellen. Doch wie klappt das mittlerweile?
    Dr. Simon Lenschow von Ortho Mainfranken bietet seit der Corona-Krise eine Video-Sprechstunde an.
    Dr. Simon Lenschow von Ortho Mainfranken bietet seit der Corona-Krise eine Video-Sprechstunde an. Foto: Simon Lenschow

    Für viele Berufsgruppen wird die Corona-Krise zu einer Art Feldversuch. Denn oftmals startet der Arbeitstag derzeit nicht mit dem Gang oder der Fahrt zur Arbeitsstätte. Zahlreiche Würzburger arbeiten momentan im Home Office, also ausschließlich von zu Hause aus – und das, obwohl ihr Beruf eigentlich den Kontakt zu Menschen voraussetzt. Diese Redaktion hat sich bei drei ganz unterschiedlichen Branchen umgehört, wie das Arbeiten unter erschwerten Bedingungen gerade läuft.

    Video-Chat statt Wartezimmer

    "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen." Privatdozent Dr. med. Simon Lenschow sitzt in seinem Arbeitszimmer daheim - ausgerüstet mit Headset, Webcam und Patienten-Unterlagen. Er ist Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie bei der Gemeinschaftspraxis Ortho-Mainfranken in Würzburg. Seit kurzem bietet er jeden Montagvormittag eine Videosprechstunde an. "Auch wenn ein persönliches Gespräch und eine ausführliche Untersuchung durch nichts zu ersetzen sind, möchte ich damit Patienten, die einer Risikogruppe angehören, in Quarantäne oder mobilitätseingeschränkt sind oder einfach einen engen Zeitplan oder eine lange Anreise haben, die Möglichkeit geben, mit mir einfach Kontakt aufzunehmen."

    Lenschow benutzt hierfür ein Programm, das ihm Online-Video-Gespräche mit seinen Patienten ermöglicht. Sogar MRT-und Röntgenbilder kann er damit einfach auf den Bildschirm seiner Patienten spielen. Allerdings gibt es Auflagen für das sensible Gespräch zwischen Arzt und Patient. So musste der Chirurg vorab seine Approbationsurkunde einreichen, um sich als Arzt auszuweisen. Neue Patienten müssen außerdem ihre Ausweise vorzeigen. Praktisch sei das Gespräch über Video in vielerlei Hinsicht, weiß Lenschow. "Es gibt keine langen Wartezeiten und die Patienten müssen nicht extra in die Praxis fahren." Außerdem gebe es keine Sorge vor Ansteckung. 

    Ortho-Mainfranken hat schon vor der Corona-Krise mit dem Gedanken gespielt, Video-Sprechstunden einzuführen, nun wollen die Ärzte schauen, wie das Angebot bei den Patienten angenommen wird und es gegebenenfalls auch nach der Corona-Krise weiterführen. Bislang seien die Rückmeldungen schon mal alle positiv. 

    Musiker: Wohnzimmer statt große Bühne

    Nicht nur für viele Ärzte hat sich der Arbeitsort mittlerweile geändert. Eine ungewöhnliche Situation erleben auch die Musiker der Würzburger Band "Devil May Care". Statt auf den Bühnen der Region zu spielen, hieß es auch für sie: ab ins musikalische Home Office. "Auftritte sind abgesagt, Proben unmöglich. Wenn uns das Anfang 2020 jemand erzählt hätte, hätten wir ihn ausgelacht, so viel steht fest", sagt Lukas Esslinger auf Nachfrage der Redaktion. Doch wie funktioniert das eigentlich in einer Branche, die von Publikum und lauten Tönen lebt? Die jungen Männer proben momentan überhaupt nicht. "Wir nehmen die aktuellen Beschränkungen sehr ernst und haben persönliche Treffen komplett auf Eis gelegt", sagt Esslinger.

    Die Band Devil May Care spielt auch während der Coronakrise Konzerte. Doch die finden momentan ausschließlich online statt. Übertragen wird alles über soziale Medien.
    Die Band Devil May Care spielt auch während der Coronakrise Konzerte. Doch die finden momentan ausschließlich online statt. Übertragen wird alles über soziale Medien. Foto: Florian Benelli

    Zum Glück gebe es mittlerweile technisch die Möglichkeit, Songs selbst zu proben und einzustudieren, um hier nicht ganz aus der Übung zu fallen. "Was vor fünf Jahren noch der 50-Kilo Röhrenverstärker war, kann heute sehr gut im Toasterformat zu Hause bedient werden", sagt er. Auftritte gibt es jedoch weiterhin. Doch die finden in Ein-Mann-Besetzung in der WG als "Home-Konzert" statt. Sänger Tim Herberlein organisierte dazu ein Live-Konzert über die sozialen Medien. Europalette und Smartphone statt Jubelschreie und Konzertatmosphäre. "Für uns war das die logische Konsequenz, um dennoch mit den Leuten in Kontakt zu bleiben", erklärt Esslinger. Ersetzen kann das einen richtigen Auftritt natürlich nicht. "Es war dennoch toll zu sehen, wie viel Freude die Zuschauer daran hatten", so der Musiker.

    Was macht ein Eventmanager ohne Events?

    Max Baumgarts Arbeitsplatz befindet sich eigentlich in der s. Oliver Würzburg-Geschäftsstelle oder in der s.Oliver-Arena. Er ist Eventmanager des Basketballteams und ist für die komplette Eventabteilung und primär für alle Heimspiele und Veranstaltungen zuständig. Nun sitzt er an seinem Schreibtisch in seiner Wohnung. Doch was macht ein Eventmanager ohne Events? "Momentan sehr viel Abwicklung", sagt der 32-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. "Die größte Herausforderung ist momentan, einen Spielplan für verschiedene Szenarien zu entwickeln." Also unter welchen Gesichtspunkten die Saison weitergehen kann, ob mit sogenannten Geisterspielen oder ohne.

    Max Baumgart ist Eventmanager bei den s. Oliver Baskets. Er arbeitet seit der Corona-Krise im Home Office.
    Max Baumgart ist Eventmanager bei den s. Oliver Baskets. Er arbeitet seit der Corona-Krise im Home Office. Foto: Baumgart

    Seine Arbeit kann er im Home Office zwar genauso gut bewältigen wie im Büro – die Baskets-Mitarbeiter waren schon vor der Corona-Krise mit Firmenlaptops und Handys ausgestattet. Was Baumgart fehlt, ist jedoch die direkte Kommunikation mit den Kollegen. "Wir haben jeden Tag eine Video-Konferenz, um uns mit den Mitarbeitern auszutauschen, aber der Kommunikationsweg ist seit Corona natürlich deutlich länger geworden."

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