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    Aub

    Auber Grundschüler spürten Stolpersteinen nach

    Geschichtsunterricht im Freien: Die Viertklässler der Auber Grundschule führten von Alexa Dietl und Steffi Grimm zu den Stolpersteinen in der Gollachstadt. Foto: Hannelore Grimm

    Wenn auch manche der sogenannten "Stolpersteine" im Pflaster der Gehwege kaum auffallen, so sind es doch kleine Denkmäler, die aufmerksam machen auf ein Stück Geschichte, die vor rund acht Jahrzehnten in der Gollachstadt geschrieben worden ist.

    Um den Stolpersteinen nachzuspüren, die der Künstler Gunter Demnig im Jahre 2010 verlegt hat, machten sich die 17 Kinder der vierten Klasse der Auber Grundschule mit Lehrerin Nicole Assmann zusammen mit Steffi Grimm und Alexa Dietl auf den Weg.

    Die zwei Auberinnen gaben den Kindern einfühlsam, anschaulich und altersgerecht einen Einblick in das Leben der jüdischen Mitbürger und deren Schicksale, die auf den kleinen Messingtafeln eingeprägt sind. Bei der Einführung verdeutlichten sie den Mädchen und Buben wie die Menschen in Aub friedlich  zusammengelebt haben. Das endete am 9. November 1938, als die Nationalsozialisten damit begannen, in erster Linie jüdische Familien zu verfolgen.

    Die erste Station auf dem "Stolperstein-Weg" führte in die Judengasse. In dem kleinen Gässchen, dessen Name daran erinnert, dass in Aub seit Jahrhunderten Juden ansässig waren, finden sich die Steine von Jenny Fleischmann (44 Jahre) ihrer Tochter Erna (20) und Sohn Günter (18), die am 17. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.

    Gesamtes Haus zertrümmert

    Während ihr Schwager Moritz Sichel 1943 in Theresienstadt verstorben und ihr Mann Ludwig Sichel 1945 in Buchenwald ums Leben kam, überlebte Karoline Sichel. Sie berichtet in ihrer Zeugenaussage im Jahr 1945 von den Geschehnissen der Pogromnacht in Aub. Laut ihrer Schilderung habe sie mit ihrem Mann und den Schwiegereltern am 9. November 1938, kurz bevor die Aktion begann, Aub mit ihrem Auto verlassen können.

    Als die Familie früh um acht Uhr in das Haus zurückgekehrt sind, waren nicht nur das große Schaufenster und die zwei daneben befindlichen Fenster vollständig zertrümmert – die schwere, eichene Tür und das Treppengeländer waren ebenso zerschlagen wie die Einrichtung. Der Laden, der Stoffe von rund 25 000 Reichsmark enthielt, war fast ausgeplündert. Es waren, so Karoline Sichel, nur noch Waren für zirka 1000 Reichmark vorhanden.

    In der Harbachstraße, in der sich ein Teil der Kinder vor den Stolpersteinen niedersetzten, hat die Witwe Karolina Mannheimer gelebt. Während ihre Tochter Thea nach New York ausgewandert war, bekam die Auberin, die 1938 nach Würzburg gezogen war, keine Einwanderungspapiere für die USA. Sie wurde 1941 nach Riga depotiert, wo sie starb. Ebenso wie die vierköpfige Familie Grünfeld, die bei ihr zur Miete gewohnt hat. Sie wurden am 27. November 1941 nach Riga gebracht und dort getötet.

    Von SA-Männern festgenommen

    In der Hauptstraße 25 erinnert ein Stein an Ernestine Oppenheimer. Die Witwe mit vier Kindern verlor ihr Leben 1942 in Theresienstadt. Drei ihrer Kinder überlebten. Moritz und Berta Oppenheimer haben mit ihrem Sohn Walter und der Tochter Inge in der Haupstraße 23 gelebt. Von der Familie, die ebenfalls 1938 Aub verlassen und in Würzburg gewohnt hat, konnte der Sohn auswandern. Während ihre Eltern im März 1942 in Riga den Tod fanden, überlebte Tochter Inge.

    Sie berichtet bei ihrer Befragung zu den Ereignissen in der Pogromnacht Folgendes: Als sie mit ihren Eltern am 9. November 1938 mit ihren Eltern zwischen 20 und 21 Uhr durch die Bahnhofstraße ging, wurden sie von zwei SA-Männern festgenommen. Nachdem sich der Vater geweigert hat, mit erhobenen Händen durch Aub zu laufen, wurde er von den Männern geschlagen. Die Mutter, die darum bat, mit den Schlägen aufzuhören, wurde ebenfalls geschlagen.

    Als erste von den Juden wurde die Familie Oppenheimer in das Gefängnis des Amtsgerichts Aub eingeliefert. Später folgten alle jüdischen Mitbürger nach. Mitten in der Nacht wurden die Männer mit einem Lkw abgeholt und nach Ochsenfurt ins Gefängnis gebracht. Hier war Moritz Opppenheimer drei Wochen lang, bevor er zu Frau und Tochter in sein demoliertes Haus zurückkehrte.

    Goldene Uhr gestohlen

    Wie Inge Oppenheimer berichtet, habe sie auch gesehen, wie Juden misshandelt worden sind, als man sie aus dem Auber Gefängnis zum Abtransport nach Ochsenfurt schleppte. Den Frauen wurde befohlen, in die Wohnungen zurückzukehren und die Straßen von den zerschlagenen Möbeln und den zerrissenen Federbetten zu räumen.

    Weiter heißt es in Inge Oppenheimers Befragungsprotokoll: "Ein Herr aus Aub, der ein großer Nazi war, hat unseren ganzen Schmuck, hauptsächlich die goldene Uhr meines Vaters gestohlen. Unser ganzes Möbel und unsere Wohnungseinrichtung wurde in dieser Nacht vollkommen demoliert. Unsere Federbetten aufgeschnitten und unser Vieh aus dem Stall geholt. Auch die Wohnungen der anderen Juden in Aub teilten dieses Schicksal, wovon ich mich persönlich überzeugt habe."

    Der nicht alltägliche Heimat-und Sachunterricht für die Viertklässler endete im Spitalhof, wo Steffi Grimm und Alexa Dietl ihre Führung zum Abschluss brachten und die Hoffnung ausdrückten, dass sich diese Geschichte nie mehr wiederholen wird.

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