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    Auf 53 Kilometern Landschaft und Kultur erfahren

    „Wenn der Landrat ruft, sitzen wir im Sattel!“ Diese Aussage des 77-jährigen Rudi Kellermann aus Waldbrunn ist bezeichnend für die allgemeine Begeisterung am traditionellen Radlerfrühling des Landkreises Würzburg. Mit mehr Teilnehmern als jemals zuvor waren die Landkreis-Radler am Samstag schon im 21. Jahr in ununterbrochener Folge unterwegs, um die Region, diesmal auf einer Streckenlänge von insgesamt 53 Kilometern, aus der besonderen Perspektive zu erfahren. In Windeseile waren die vorbereiteten 220 Bons für jeweils ein Mittagessen und ein Getränk beim Start an der Höllberghalle in Kürnach vergriffen. Hungrig und durstig musste dennoch keiner der Teilnehmer die Strecke bewältigen.

    Drei Generationen am Start

    In erster Linie sind es die trainierten Jung-Senioren, die alljährlich das Gros des Teilnehmerfeldes beim Radlerfrühling ausmachen. Zunehmend entwickelt sich die Rad-Tour durch den Landkreis allerdings zu einer Veranstaltung über alle Generationen hinweg.

    Erstmalig beim Radlerfrühling am Start war die erst vierjährige Mia aus Hettstadt im Schlepptau ihres Vaters Jürgen Reinhart. „Geworben“ hatte die Familienangehörigen Opa Dieter Reinhart (75). Seit Jahren ist er, wie viele andere auch, treuer Teilnehmer am Radlerfrühling. „Seit ich ein E-Bike habe, macht's einfach noch mehr Spaß“, gesteht der Vorsitzende der „Freunde der Musik“ aus Hettstadt.

    Empfang mit Musik und Gesang

    Dass gerade der kulturelle Aspekt sich im Verlauf der diesjährigen Route durch den nördlichen Landkreis in den verschiedenen Etappenpausen wiederholte, konnte freilich auch Dieter Reinhart vorher nicht ahnen. Mit Musik und Gesang wurde der Radler-Tross in diesem Jahr mehrfach empfangen.

    Freilich hatte dies einen besonderen Grund. Während sich die Radler in Bergtheim am Platz vor dem Feuerwehrgerätehaus an den vom Landkreis gesponserten Fair-Trade-Bananen als Sportler-Nahrung stärkten, intonierte der Männerchor der Chorvereinigung Bergtheim das Lied „Wir gratulieren!“. Die musikalischen Glückwünsche galten den aus Bergtheim stammenden Landrat, anlässlich dessen 65. Geburtstag vor wenigen Wochen.

    Landrat schwingt den Taktstock

    Auch zur Mittagspause im Waldhaus Einsiedel im Gramschatzer Wald spielte bei der Ankunft die Musik auf mit dem nahe liegenden „Mein Heimatland“. Damit war das Rätsel der Herkunft der Musiker des Musikvereins Bergtheim gelöst. Persönlich griff Landrat Eberhard Nuss zum Dirigentenstab, um zu seinem Lieblingslied der legendären „Vogelwiese“ von Ernst Mosch den Takt vorzugeben.

    Da waren auch die 77-jährige Elisabeth Kodowich und ihr 79-jähriger Mann Heinz Kordowich aus Würzburg-Lengfeld begeistert. Seit Jahren beteiligen sich die Eheleute am Radlerfrühling: „Um fit zu bleiben durch sportliche Betätigung auch im Alter, und um der eigenen Gesundheit und somit sich selbst etwas Gutes zu tun.“ Als passionierte Radler bedienen sich auch die Eheleute Kordowich dabei mittlerweile E-Bikes.

    Solch technische Unterstützung kennt die 8-jährige Emely Junk aus Güntersleben noch nicht. Vor zwei Jahren war sie zum ersten Mal beim Radlerfrühling dabei – auf dem eigenen Rad. Und weil die Strecke vom Start in Kürnach wieder zurück zum Ausgangspunkt durch ihren Heimatort führte, radelte die kleine Emely in diesem Jahr in Begleitung durch „Opi und Omi“ wieder mit. Ab dem Start bis immerhin nach Güntersleben.

    Kaffee und Kuchen im Wertstoffhof

    „Die Räder, die sich heute als nicht so streckentauglich erwiesen haben, bitte nicht in den Altmetall-Containern entsorgen“, scherzte Landrat Eberhard Nuß am Ziel der diesjährigen Rundfahrt im Wertstoffhof „Wachtelberg“ in Kürnachs Industriegebiet. Stattdessen spielten zum Finale auch die „Opferbaumer Musikanten“ auf, während sich die Radler gerne bedienten an Kaffee und Kuchen, gesponsert vom Kommunalunternehmen „Team Orange“.

    Als „den schönsten Abschluss jemals beim Radlerfrühling“ empfand Ingrid Reif (Hettstadt) vor vielen Jahren den Schluss-Hock in Thüngersheim. „Damals sprudelte für die müden Radler Wein aus dem Dorfbrunnen“, erinnerte sich die Radlerin.

    Vom Start an der Höllberghalle in Kürnach führte die Route in diesem Jahr vorbei am Bahnhof Seligenstadt entlang der Mainschleifenbahn nach Prosselsheim und weiter nach Oberpleichfeld. Von dort ging es nach Bergtheim über Sulzwiesen und Erbshausen in den Gramschatzer Wald zur Mittagspause zum Waldhaus Einsiedel mit der Möglichkeit zum Besuch des Walderlebniszentrums der bayerischen Forstverwaltung. Gestärkt setzte sich der Tross nach der Rast in Richtung Rimpar in Bewegung durch den Ochsengrund nach Güntersleben, Rimpar, Maidbronn und dem Ausgangspunkt Kürnach entgegen.

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