• aktualisiert:

    Veitshöchheim

    Auffangstation päppelt drei hilflose Wiesenweihen auf

    Seit 2002 hat Falkner Harald Dellert in einer Auffangstation im Raum Würzburg weit über 1000 Greifvögel und Eulen erfolgreich ausgewildert. Wie er sagt, war in all den Jahren nur eine Wiesenweihe dabei, ein vom Aussterben bedrohter Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen.

    Seltene Bodenbrüter

    Umso überraschender war es für ihn, dass im Juli in der neuen Auffangstation des Vereins Greifvogel- und Eulenhilfe Würzburg im Veitshöchheimer Sendelbachtal gleich drei Jungtiere dieser in der  Region seltenen Bodenbrüter landeten. Der Falkner ist begeistert von den "Wiesenweihen als Gaukler und Artisten der Luft, die einen ganz tollen Flugstil haben, vor allem wenn ein Männchen um ein Weibchen buhlt".

    Drei junge Greifvögel

    Wie Dellert berichtet, hatte ein Landwirt in der Nähe von Giebelstadt bei der Ernte von Winterweizen mit dem Mähdrescher gerade noch erkannt, dass da auf seinem Acker ein Nest ist und sich darin drei junge Greifvögel befinden, die noch nicht flugfähig sind.

    Einladung für den Fuchs

    Da er das Feld schon auf einem Streifen von drei mal 20 Meter abgeerntet hatte, wäre das nach Meinung des Falkners eine Einladung für den Fuchs gewesen, hier nach Mäusen zu suchen und sich hier auch zu verstecken. Dellert ist sich sicher: "Das wäre das Todesurteil für die jungen Wiesenweihen gewesen."

    Auch Landesbund für Vogelschutz vor Ort

    Für den Verein sei es keine Frage gewesen, sofort vor Ort zu kommen, um sich um die jungen Wiesenweihen zu kümmern. Dellert hatte den Fund sogleich auch der in Veitshöchheim in der Mainlände 8 ansässigen Bezirksgeschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) gemeldet, der im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt für das Artenhilfsprogramm Wiesenweihe zuständig ist. So kamen die Mitarbeiter des LBV vor Ort, um die Jungvögel zu beringen und mit einer Erkennungsmarke zu versehen.

    Nester werden bei Ernte oft übersehen

    Während der Brutzeit der Wiesenweihe arbeitet der LBV eng mit Landwirten zusammen, um die gut versteckten Nester zu lokalisieren und vor der Ernte zu schützen. Um den Horst wird ein 50 mal 50 Meter großer Bereich mit gut sichtbaren Stangen markiert, der dann bei der Ernte ausgespart wird. 2017 wurden so laut LBV im Landkreis Würzburg 57 Brutpaare lokalisiert. Gleichwohl werden Wiesenweihen-Nester bei der Ernte oft übersehen.

    Nachbarin ist die gute Seele der Station

    Die in der Nachbarschaft wohnende Anni Scholz ist seit Dezember die gute Seele in der Auffangstation. Sie füttert die hier zur Auswilderung gelandeten Wildvögel, "ihre Lieblinge", jeden Tag. Sie schwärmt mit leuchtenden Augen: "Wunderschön sind die Wiesenweihen und wie schnell die sich entwickelt haben. Sie haben noch Flaum gehabt, als wir sie gekriegt haben."

    So wurden die drei jungen Wiesenweihen, zwei Männchen und ein Weibchen, drei Wochen lang in der Veitshöchheimer Auffangstation aufgezogen. Wichtig ist dabei, so Dellert, dass sie so wenig wie möglich mit Menschen in Berührung kommen und dass sie selbstständig Futter nehmen. Dies sei zum Glück der Fall gewesen. Als Nahrung vorgesetzt wurde ihnen jeweils in den Abendstunden Eintages-Küken und Mäuse.

    Baustopp während des Weihen-Besuchs

    "Wir haben sogar das Bauen eingestellt, um sie nicht unnötig zu stören", berichtet der Falkner. Denn noch sind nicht alle sieben Volieren, eine Quarantänestation und ein Behandlungs- und Ruheraum in der neuen zentralen Auffangstation des Vereins in Veitshöchheim fertiggestellt.

    Dellert: "Und in der letzten Phase galt es, den jungen Wiesenweihen das Jagen von lebenden Mäusen beizubringen." Nach dem sie diese nun eine Woche erfolgreich geschlagen haben, so der Falkner, sei das ein Zeichen, dass sie in der Natur zurechtkommen und nun wieder in die Freiheit entlassen werden können. 

    Es war deshalb ganz wichtig, so der Falkner, dass die Jungtiere nach der Aufzucht schon am Freitagmorgen im Landkreis Hassberge ausgesetzt wurden, damit sie den Flug in das Winterquartier mit antreten können. Dort war laut Dellert noch eine größere Population von Wiesenweihen anzutreffen.

    Anschluss an Eltern nicht verlieren

    Den Medientermin zur Freisetzung der Wiesenweihen nutzten Falkner Dellert, die "Futtertante" Anni Scholz und Schriftführer Alexander Götz, über die sonstigen Aktivitäten in der Auffangstation zu berichten.

    Extreme Hitze das ganze Jahr

     "2018 war für die Greifvögel durch die extreme Hitze ein ganz hartes Jahr", so der Falkner. Er habe ganze Nester von Waldohreulen gefunden, die praktisch in ihrem Nest verdurstet waren.
    Wie Dellert sagt, hatte sein Verein heuer weniger Vögel auszuwildern, als das Jahr zuvor, darunter seien aber viele Exoten gewesen wie die drei Wiesenweihen, ein Baumfalke, vier Wanderfalken, ein Rotmilan, ein Schwarzmilan, sowie aus heimischen Gefilden zwei Uhus, vier Waldkäuze, 21 Turmfalken und neun Bussarde.

    In den Volieren des Vereins in Veitshöchheim sitzen zur Zeit fünf Turmfalken, vier Waldkäuze, zwei Waldohreulen, zwei Steinkäuze und zwei Schleiereulen. Da die Projekte des Vereins komplett mit ehrenamtlicher Tätigkeit bestritten werden, freut sich die Vorstandschaft über Jeden, der sie unterstützt, ob durch eine Mitgliedschaft, Spende oder Tierpatenschaft.

    Hilfe für den Verein
    Das Spendenkonto: Greifvogelhilfe e.V., Sparkasse Mainfranken
    IBAN DE67 7905 0000 0047 9868 72
    oder
    Paypal: verein@greifvogelhilfe-wuerzburg.de

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!