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    WÜRZBURG

    Wie man Referent(in) im Rathaus wird

    Mit Christian Baumgart und Muchtar Al Ghusain räumen in diesem Jahr gleich zwei städtische Referenten ihre Büros im Rathaus und machen Platz für Nachfolger(innen). Derzeit werden in zwei Ausschreibungsverfahren neue Leitungen für das Bau- sowie das Kultur-, Sport- und Schulreferat gesucht. Bewerbungsschluss ist am Samstag, 13. Januar. Bis Donnerstagmittag um 12 Uhr lagen für die Nachfolge im Baureferat vier, für das Kulturreferat zwölf Bewerbungen vor, teilte Rathaus-Sprecher Christian Weiß auf Anfrage mit. Es wäre aber nicht ungewöhnlich, wenn bis zum Fristende noch weitere Bewerbungen im Rathaus einträfen, so Personalreferent Robert Scheller.

    Baumgart ist seit 1994 in seiner vierten Amtszeit als berufsmäßiger Stadtbaurat und Baureferent der Stadt Würzburg zuständig für Bauen (Hoch- und Tiefbau), Baurecht und Stadtplanung. Baumgarts Amtszeit endet am 31. Oktober. Dann scheidet er aus der Stadtverwaltung aus. Al Ghusains zweite Amtszeit hätte in diesem Jahr geendet und viele nahmen an, dass er für eine dritte Amtsperiode kandidieren würde. Doch er entschied sich anders und wurde zwischenzeitlich zum Beigeordneten (das entspricht einem Referenten in Bayern) für Jugend, Bildung und Kultur in Essen gewählt. Dort tritt er sein neues Amt am 6. März an.

    Ausschreibung für das Baureferat

    In den beiden Ausschreibungstexten (siehe www.wuerzburg.de) sind ausführliche Anforderungsprofile für potenzielle neue Referatsleiter nachzulesen. Hier eine Auswahl: Für den Leiter des Baureferats wird unter anderem ein „erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium der Stadtplanung, der Architektur oder des Bauingenieurwesens . . .sowie mehrjährige Berufserfahrung im öffentlichen Bereich in leitender verantwortungsvoller Position“ erwartet. Eine „entscheidungsfreudige und Impuls setzende Person mit nachgewiesenen hervorragenden Führungseigenschaften und ausgeprägter Entscheidungskraft“ wünscht man sich im Rathaus.

    Ausschreibung für das Kulturreferat

    Für die Nachfolge Al Ghusains wird von den Bewerbern unter anderem ein „Hochschulstudium mit überdurchschnittlichem Ergebnis mit dem Schwerpunkt oder einem Zusatzstudium im Bereich Kulturmanagement oder die Befähigung für das Lehramt an beruflichen Schulen oder an Gymnasien mit Erfahrungen im Leitungsbereich einer Schule“ erwartet. Auch „praktische Erfahrungen im kulturellen Management und betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Sportförderung sind wünschenswert“, steht im Anforderungsprofil.

    Der Weg in den Stadtrat

    Wie geht es nach dem Ende der Bewerbungsfrist weiter? Zunächst werden die eingegangenen Unterlagen im Fachbereich Personal gesichtet, erklärt Robert Scheller. Nach der Erstellung von ersten Profilen nehmen Scheller und Oberbürgermeister Christian Schuchardt Einsicht in die Bewerbungen und wählen die interessantesten Bewerber für ein internes Vorstellungsgespräch aus. Diese Auswahl und alle anderen Bewerbungen werden dann an den Personalausschuss des Stadtrats weitergeleitet. Dieser entscheidet dann, welche Kandidaten zu einer Vorstellung im Stadtrat eingeladen und dort angehört werden, bevor die Wahl stattfindet.

    Stadtrat hat viele Befugnisse

    Der Stadtrat hat in seiner Entscheidungsfindung bei der Referentenwahl sehr weitreichende Befugnisse. Die Einzelkriterien aus der Ausschreibung müssen dabei nicht unbedingt penibel berücksichtigt werden. Es reicht aus, dass ein Bewerber die grundsätzliche Befähigung für das Amt mitbringt, einen vollakademischen oder einen Fachhochschulabschluss hat, nicht vorbestraft, gesundheitlich geeignet und verfassungstreu ist, erklärt der Personalreferent. Das Anforderungsprofil in der Ausschreibung gibt laut Scheller zwar eine Richtung vor, schränkt aber den Stadtrat in seiner Auswahlentscheidung nicht ein.

    Der Stadtrat kann auch Kandidaten vorschlagen, die sich nicht am Bewerbungsverfahren beteiligt haben.

    Keine Klagemöglichkeit

    Weil die Entscheidungsbefugnisse des Stadtrats so weitreichend sind, haben unterlegene Bewerber bei der Wahl keine gerichtliche Klagemöglichkeit, erklärt der Personalreferent. „Es gibt keinen Anspruch auf eine fehlerfreie Ermessensentscheidung“, so Scheller. Einfluss auf eine Wahlentscheidung kann im Rahmen der Rechtsaufsicht lediglich die Bezirksregierung nehmen, wenn sie zu der Auffassung kommt, dass das Wahlverfahren nicht korrekt abgelaufen ist. Solche Fälle habe es in München und Augsburg schon gegeben, weiß Scheller, in Würzburg aber noch nicht.

    OB: Weibliche Besetzung

    Oberbürgermeister Christian Schuchardt nahm am Mittwoch bei einem Frühstück mit Medienvertretern vorsichtig Stellung zur Bewerbung der stellvertretenden Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion Judith Jörg, die Nachfolgerin von Muchtar Al Ghusain werden möchte. Er finde es „per se sehr schön, wenn Stadtratsmitglieder mit Engagement und fachlicher Expertise“ sich für Referentenposten bewerben.

    Er fände es zudem wünschenswert, wenn mindestens einer der beiden ausgeschriebenen Referentenposten mit einer Frau besetzt würde, sagte Schuchardt. Ob es dazu komme, hänge letztlich aber vom gesamten Bewerberfeld ab, so der Oberbürgermeister.

    Wer künftig das Kulturreferat leitet, soll der Stadtrat aller Voraussicht nach am 2. März entscheiden. Die künftige Leitung des Baureferats wird im Oktober gewählt.

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