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    Würzburg

    Ausstellung: Lessigs Lebenswerk in schönster Ordnung

    Gut besucht und freundlich bestuhlt: Vernissage zu Curd Lessigs Ausstellung "Ein Leben für die Kunst". Foto: joachim fildhaut

    Dieses Geburtstagsgeschenk hätte dem im Mai verstorbenen Würzburger Künstler Curd Lessig gefallen: Zur Vernissage seiner Lebenswerk-Ausstellung am Samstagabend kamen Spitzen von heimischen Museen, Zeitungen und der Stadt ins Spitäle, traten aber nicht ans Rednerpult. Die Gast-Promis bewiesen lediglich Lessigs überdauernden "grandios großartigen Fankreis", wie es Gastgeber Andi Schmitt formulierte, Hausherr in der Galerie an der Alten Mainbrücke. Schmitt verriet, dass Curd Lessig sich "fremde Techniken schnell aneignen" konnte und "dass noch unglaubliche Schätze in Wohnhaus und Atelier lagern".

    Die längsten drei Reihen zeigen Zeichnungen nach Motiven der griechischen Mythologie

    Bei der bekannten Vielfalt des Künstlers, der "nicht anders konnte, als seine Schaffenskraft auszuleben" (nochmals Schmitt), hätte die Gedenkausstellung auch überborden können. Aber sie beschränkt sich auf einige Serien, relativ große für den kleinen Saal, der nun insgesamt 62 Exponate fasst. Die längsten drei Reihen zeigen Zeichnungen nach Motiven der griechischen Mythologie, farbgekreidete Reiseskizzen und leuchtende Frankenlandschaften. Auf der Empore kommt dazu eine Handvoll Ölgemälde wohl aus den 1950er Jahren, sehr zeittypisch wie der "Fischfang – Ravenna", der mit 6500 Euro zu den teuersten Angeboten gehört. Die kleineren Zeichnungen beginnen bei 220 Euro.

    Curd Lessigs "Fischfang - Ravenna". Foto: joachim fildhaut

    In Würzburg wuchs der gebürtige Stuttgarter Curd Lessig auf, machte eine Kirchenmalerlehre und absolvierte bis 1950 die Münchner Kunstakademie. Sein Kollege Walter Bausenwein entfaltete bei der Vernissage ein aussagestarkes Biogramm. Vielen seiner Werke sieht man die Nachkriegserfahrung an: "Picasso war für mich wie ein Donnerschlag." Insgesamt habe Lessig 400 öffentliche Aufträge erhalten, von den ballspielenden Mädchen an der Turnhalle des Mozart-Gymnasiums bis hin zu Wänden in Südafrika und Togo. Auf Modelle verzichtete er mit der Begründung: "Das, was man denkt, das hat man auch gleich in der Hand." Auch seine sehr häufig auftretenden Pferde bildete er so nicht ab. Er hatte Angst vor den großen Tieren und kam ihnen lieber nicht zu nahe.

    Gerade vor den Zeichnungen mit den runden Pferdekruppen und den nackten Menschen lässt sich Lessigs extrem gleichmäßiger und abgezirkelter Strich studieren. Der Federstrich wird nur dort dünner, wo Schraffierungen auslaufen. Deren Dunkelstellen hat Lessig wiederum mit abgewogenster Regelmäßigkeit über die Blätter verteilt. Diese extrem stilisierte Form bremst die Vitalität des Inhalts. Selbst die orgiastischsten Szenen lärmen nicht.

    Curd Lessigs "Weiblicher Akt". Foto: Joachim Fildhaut

    Weniger auffällig ist die Überformung der heimischen Landschaften in den Gouachen, Wasserfarben mit höchster Deckkraft, die nach dem Trocknen eine pastellige Anmutung gewinnen. Hier drängte es Lessig beispielsweise immer wieder zu Rundformen, die so kugelig in der Natur nicht vorkommen. Aber vielleicht wäre es schöner, sie würden. Der Maler half da gut und gerne nach.

    Die Ausstellung läuft bis zum 24. November

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