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    WALDBRUNN

    Autokennzeichen brachten Polizei auf die Spur von Entführer

    Kennzeichenscanner – sie können mobil oder stationär eingesetzt sein – führten auf die Spur des Entführers. Foto: dpa

    Kommissar Zufall half der Polizei, bei Würzburg die brutale Entführung einer jungen Frau aus Hessen zu beenden. Der Fahrer eines Mercedes Sprinter hatte sein Fahrzeug mit falschen Kennzeichen getarnt – und genau diese wurden ihm zum Verhängnis: Am Dienstag gegen 6.45 Uhr passierte das Fahrzeug auf der Autobahn 3 kurz nach der Landesgrenze von Hessen nach Bayern in Richtung Würzburg eine automatische Kennzeichenerkennung. Diese schlug bei der Einsatzzentrale in Würzburg Alarm: Auto und Kennzeichen passten nicht zusammen.

    Flucht endete auf einem Waldweg

    Die Polizei, die zunächst nur von gefälschten Nummernschildern ausging, nahm die Verfolgung auf. Dabei versuchte der Fahrer, sich der Kontrolle mit aller Macht zu entziehen. Er ignorierte sämtliche Stoppsignale und rammte drei Streifenwagen bei der wilden Fahrt auf der Autobahn. Dabei kamen glücklicherweise keine Personen zu Schaden. An einer Behelfsausfahrt kurz vor Würzburg zog der Mann sein Fahrzeug nach rechts und verließ die Autobahn. Wenig später dann war die Flucht auf einem Waldweg bei Waldbrunn (Lkr. Würzburg) zu Ende.

    Der Fahrer ließ den Sprinter stehen und floh zu Fuß. Bald darauf stellten ihn die Polizeibeamten. Zu ihrer Überraschung war auch eine Frau aus dem Fahrzeug ausgestiegen. „Der Grund für die Flucht kristallisierte sich schnell heraus“, schreiben Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen und Polizeisprecher Philipp Hümmer am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressemitteilung: Es war die 27-jährige Ex-Lebensgefährtin des Fahrers, die sich „nach derzeitigem Stand der Ermittlungen während der Fahrt gefesselt im Fahrzeug befand“.

    Es gab ein gerichtliches Kontaktverbot

    Zwischen den Ex-Partnern hatte es eine offenbar schon länger dauernde aggressive Auseinandersetzung gegeben. Laut Polizeisprecher Hümmer bestand für den 30-Jährigen ein gerichtliches Kontaktverbot. Er steht nun im Verdacht, die Frau am Sonntag bei Gießen überwältigt zu haben. Mit einer Schusswaffe soll er sie gezwungen haben, in den Mercedes Sprinter zu steigen. Er fesselte sie mit Kabelbindern. Während zweier Tage, in der die 27-Jährige in seiner Gewalt war, soll es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, heißt es in der Presseerklärung. Die Frau war zwar als vermisst gemeldet. Aber bis zu ihrer Befreiung war von einer Entführung nichts bekannt.

    Der 30-Jährige, der wie seine Ex-Partnerin aus dem Raum Gießen stammt, wurde vorläufig festgenommen und an die Kriminalpolizei in Würzburg überstellt. Der 27-jährigen Frau geht es nach polizeilichen Erkenntnissen „den Umständen entsprechend“. Sie werde familiär betreut, sagt Polizeisprecher Michael Zimmer auf Nachfrage.

    Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Würzburg wurde der Mann am Mittwoch dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Würzburg vorgeführt. Dieser verhängte Untersuchungshaft. Dem 30-Jährigen werden gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung vorgeworfen. Er kam in eine Justizvollzugsanstalt.

    Innenminister zeigt sich zufrieden

    Der Fall aus Würzburg beschäftigte am Mittwoch auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Die automatisierte Kennzeichenerkennung kann Menschenleben retten“, sagte er nach der Befreiung der 27-Jährigen aus Lich (Hessen). Sie konnte seinen Worten zufolge letztlich deshalb befreit werden, weil man den Täter dank dieser Kennzeichenerkennung verfolgen und fassen konnte. Herrmann sagt: „Hier hat sich wieder einmal gezeigt: Die automatisierte Kennzeichenerkennung ist ein hocheffektives und wichtiges Fahndungsinstrument zur Verhinderung oft schwerster Straftaten. Das Leben der Frau war in höchster Gefahr.“ In Bayern werden monatlich millionenfach Kennzeichen mobil und stationär erfasst.

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