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    WÜRZBURG

    BI fürchtet um städtebauliche Qualität der Stadt

    3,35 Hektar groß ist das Areal des künftigen Bismarckquartiers unterhalb des Steins im Karree zwischen Posthochhaus und der Bebauung an der Harfenstraße und dem Ringpark und der Bismarckstraße, dort wo heute noch die Posthalle steht. Entwickeln will es die Würzburger Beethovengruppe mit einer Investitionssumme von rund 300 Millionen Euro.

    Im Januar waren im Untergeschoss der Posthalle die Entwürfe der 14 Planungsbüros zu sehen, die sich an einem von den Entwicklern ausgelobten städtebaulichen Realisierungswettbewerb für das neue Wohn- und Gewerbegebiet neben dem Bahnhof beteiligt hatten. Wie bereits berichtet, sollen dort zwei Hotels mit 250 bis 350 Zimmern, 300 bis 400 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen sowie 14 000 Quadratmeter Büroflächen entstehen. In einer Tiefgarage sind 1000 Stellplätze für die Nutzer des Areals geplant.

    Baumassen schieben sich vor die Weinberge

    Jetzt meldet sich die Bürgerinitiative „Ringpark in Gefahr“ zu Wort. In einer Stellungnahme an Oberbürgermeister Christian Schuchardt und alle Fraktionen des Stadtrates beklagen Suse Schmuck und Manfred Neuner, durch die ausgestellten Entwürfe sei die städtebauliche und landschaftliche Qualität Würzburgs akut gefährdet. Die Entwürfe des Wettbewerbs „Bismarckquartier“ würden die rücksichtsvollen Nachkriegs-Dimensionen sprengen, heißt es in der Stellungnahme. Die Baumassen würden sich vor die Weinberge schieben und würden wie ein massiver Wall wirken, der die historische Innenstadt von der Landschaft abriegelt, schreiben die beiden weiter.

    Nur zwei Wettbewerbsteilnehmer hätten eine Simulation von Norden her gezeigt. Man habe dabei den Eindruck, dass hier der Heuchelhof der 70er Jahre mit seiner damals modernen Skyline wiederholt werde. Was damals als Höhenbebauung vielleicht avantgardistisch gewesen sei, wirke jedoch 50 Jahre später in der Konkurrenz zur historischen Turmlandschaft der Altstadt als antiquiert und fehl am Platz. Die von der Jury ausgezeichneten Entwürfe würden in dieser Hinsicht nicht wesentlich von den genannten Beispielen abweichen, heißt es weiter.

    Entscheidende Störung des Stadtbildes

    Schon 1985 sei die Errichtung des Posthochhauses in der amtlichen Denkmalliste als „entscheidende Störung des Stadtbildes“ ausdrücklich gebrandmarkt worden. In den Ergebnissen des Wettbewerbs aber sei dieses Hochhaus quasi das Leitbild für die weitere Entwicklung geworden, schreiben Schmuck und Neuner.

    Dass der Investor eine solche Entwicklung mit seinem umfangreichen Raumprogramm herausfordere, liege nahe und möge seine Sache sein, heißt es weiter. Stadtentwicklung aber sei die Aufgabe der Stadt. Sie habe die Planungshoheit, sie sollte kritische Distanz und Augenmaß zeigen, sie sollte stadtbildverträgliche Ziele entwickeln, sie sei nicht Erfüllungsgehilfin für Investorenwünsche, so die Stellungnahme.

    Vor allem die Gebäudehöhen noch reduzieren

    Allerdings hatte OB Schuchardt, wie berichtet, bereits in der Ausstellungseröffnung den beiden Entwicklern mit auf den Weg gegeben, dass vor allem die Gebäudehöhen noch reduziert werden müssten, um eine Akzeptanz in der Bürgerschaft zu erreichen.

    „Wir sind mit der Bürgerinitiative im Gespräch und hatten sogar eine Abendveranstaltung mit Vertretern“, sagt Alexander Weigand, einer der beiden Geschäftsführer der Beethovengruppe. „Wir haben in den letzten Wochen beide Preisträger besucht und ausführlich mit ihnen gesprochen. Derzeit werden die Planungen überarbeitet, dazu gehört auch die Höhenentwicklung, insbesondere zur Schönleinstraße hin“, so der Geschäftsführer weiter. In rund zwei Wochen werde es eine Zwischenpräsentation für die Entwickler geben, die Ergebnisse würden dann bis Ende April vorliegen.

    Nach Meinung der BI solle das gründerzeitliche Bismarckstraßenviertel für die Dimensionen der neuen Wohnbebauung das Maß vorgeben, heißt es in der Mitteilung von Schmuck und Neuner weiter. Vier Geschosse mit starker Durchgrünung wären für die weitere Entwicklung als hochwertiges Wohnquartier, gemischt mit sozialem Wohnungsbau, angemessen, schreiben sie weiter. Aber auch um die Freilegung der Pleichach sorgt sich die BI. Der Aussage der Planer, der Bach könne in diesem Bereich aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht freigelegt werden, wolle man differenzierter nachgehen, kündigen die beiden an.

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