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    Leinach

    Bäume im Schutzgebiet gefällt: Umweltschützer sind entsetzt

    Unterwegs mit schwerem Gerät: Betroffen von der Entnahme der Schwarzkiefern ist auf einer Strecke von fast vier Kilometern insbesondere der Hauptweg auf dem Volkenberg zwischen Leinach und Erlabrunn (Lkr. Würzburg).  Foto: Herbert Ehehalt

    Immer dramatischer spitzt sich die Situation um die von der Trockenheit stark gezeichneten Bäume in Deutschlands größtem Schwarzkiefernwald zu. Die Fläche umfasst insgesamt 240 Hektar auf den Gemarkungen der Gemeinden Leinach und Erlabrunn (Lkr. Würzburg), sie gilt im Sinne des Naturschutzes als äußerst sensibel und ist ausgewiesen als Landschaftsschutzgebiet, teilweise auch als Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und ist kartiert im Ökoflächenkataster. Beliebt ist der für die Region einzigartige Schwarzkiefernwald bei Naturfreunden. Entgegen der ursprünglichen Absichtserklärung beider Gemeinden, zunächst abzuwarten, ob sie sich die Bäume erholen, wird nun doch schweres Gerät eingesetzt. Seit seit einigen Tagen ist ein Harvester im Einsatz, um punktuell die besonders geschädigten Bäume zu entfernen.

    Hoch über dem Maintal, auf der Fränkischen Platte, gilt der Bereich wegen extremen Niederschlagsmangel seit jeher als Problemstandort. Als Folge von Hitze und außergewöhnlicher Trockenheit des vergangenen Extrem-Sommers sind seit dem Winter an den Trieben der Schwarzkiefern Dürreschäden in bisher nicht gekanntem Ausmaß zu erkennen. Weil die Bäume von ihren Trieben her absterben, sieht das mit der staatlichen Beförsterung beauftragte Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg die Standsicherheit der Bäume gefährdet. Deshalb intervenierte der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker gegenüber beider Gemeinden hinsichtlich ihrer Verkehrssicherungspflicht als Eigentümer.

    Förster Fricker: Bis zu 1000 Bäume sind geschädigt

    Über die beiden Gemarkungen hinweg sind nach Einschätzung des Försters auf einer Fläche von etwa 75 Hektar die Kronen von bis zu 1000 Bäumen zu 80 Prozent geschädigt. Zunächst hatten sich die Gemeinderäte beider Kommunen, sowie Naturschützer und Vertreter aus Jagd und Landwirtschaft bei einem Schwarzkiefern-Gipfel einvernehmlich auf einen "Pakt des Innehaltens" verständigt. Damit sollte dem Wald die Möglichkeit einer natürlichen Regeneration eingeräumt werden.

    Absterbende Schwarzkiefern in Folge des Extremsommers 2018 in Deutschlands größtem Schwarzkiefernwald bereiten den Verantwortlichen Sorgenfalten. Die Dürre betrifft mittlerweile die Kronen von bis zu 1000 Bäumen. Foto: Herbert Ehehalt

    Bei der staatlichen Beförsterung von Kommunalwald beruft sich das zuständige AELF auf eine Handlungsempfehlung zur Verkehrssicherungspflicht des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. "Die jeweilige Einschätzung vor Ort auf Basis der unterschiedlich komplexen Gegebenheit wird dabei den zuständigen Revierleitern überlassen", sagt die stellvertretende Bereichsleiterin Forsten beim AELF, Antje Julke.

    "Wenn mir ein Sachverständiger nahelegt, dass Gefahr in Verzug ist, werde ich als Bürgermeister mich nicht gegen eine Entnahme abgestorbener Bäume aussprechen. Hätte der Gemeinderat dazu nicht die Zustimmung erteilt, hätte ich sie durch das Landratsamt als Aufsichtsbehörde ersetzen lassen", sagt Erlabrunns Bürgermeister Thomas Benkert (UBH). Derart drastisch äußerte sich Leinachs Bürgermeister Uwe Klüpfel (CFW) zwar nicht. Jedoch erklärten sich beide Gemeinden solidarisch im Vorgehen. Gleichwohl räumt Julke auch ein: "Dennoch kann oder muss man mit der Maßnahme nicht alle möglichen Gefahren beseitigen, es bleibt jedem Besucher die Eigenverantwortlichkeit zum Beispiel bei Sturm und starkem Wind nicht in den Wald zu gehen."

    Abgebrochene Baumkronen bekräftigten das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg in der Notwendigkeit von Verkehrssicherungsmaßnahmen im Kommunalwald durch die Entnahme von geschädigten Schwarzkiefern. Foto: Herbert Ehehalt

    Auf Entsetzen stößt die Maßnahme bei Umweltschützern: Steffen Jodl vom Bund Naturschutz in Würzburg kritisiert die Harvester-Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt als "groben Eingriff in die Kinderstube der Natur". Jodl sieht hinter dem Einsatz für den Forst eine willkommene Gelegenheit, um das erklärte Ziel des staatlich verordneten Waldumbaus schneller zu erreichen. Und auch der mit Waldarbeit aufgewachsene, bald 82-jährige Leinacher Altbürgermeister Andreas Oestemer übt Kritik im Vorgehen. "Absterbende Kiefern hat es schon immer gegeben. Aber deswegen fallen sie nicht gleich um. Auslöser ist mit Sicherheit die extreme Trockenheit des letzten Sommers", lautet Oestemers Feststellung.

    Entnahme auf einer Länge von fast vier Kilometern

    Allerdings hat es mittlerweile auch bereits Baumbruch gegeben. Deshalb sollen entlang öffentlich gewidmeter Wege auf einer beidseitigen Breite von maximal 30 Meter Bäume entnommen werden. Betroffen von der Entnahme ist auf einer Strecke von fast vier Kilometer insbesondere der Verlauf des erst im Vorjahr eröffneten Panorama-Höhenweg des Tourismusvereins "ZweiUferLand" auf dem Volkenberg zwischen beiden Gemeinden.

    Bald kein Wald mehr da: Besonders auffällig wird der ausgedünnte Wald am Volkenberg rund ums Erlabrunner Käppele.  Foto: Herbert Ehehalt

    Nun bleibt abzuwarten, wie viel Niederschlag dem Wald in diesem Jahr gegönnt sein wird. Nach dem heißen Sommer 2018 fehlen nach Frickers Aussage aktuell noch bald 300 Liter je Quadratmeter. Die Einschätzung des Revierfösters geht inzwischen dahin, dass durch die extreme Trockenheit und ungewöhnliche Hitze der schon im Jahr 2003 nachgewiesene Diplodia-Pilz an Aggressivität zunahm. Aufschluss geben sollen analytische Auswertungen von Baumscheiben, die zur gesichert wurden. 

    Aufschluss geben zu den Dürreschäden sollen analytische Auswertungen von Baumscheiben, die zur weiteren Untersuchung von den entnommenen Bäumen gesichert wurden. Foto: Herbert Ehehalt

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