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    THÜNGERSHEIM

    Bahn setzt Gemeinde das Messer auf die Brust

    Starke Zweifel herrschen innerhalb des Gemeinderates in Thüngersheim, ob die von der DB Netze AG geplanten Lärmschutzwän... Foto: Herbert Ehehalt

    Drastische Reaktionen innerhalb des Gemeinderates löste in dessen jüngster Sitzung die Stellungnahme der DB Netz AG (Deutsche Bahn) zu den Beschlüssen des Gremiums hinsichtlich der beabsichtigten Lärmsanierung im Verlauf der Bahnstrecke aus.

    „Da wird uns das Messer auf die Brust gesetzt“, oder: „Die Verantwortung des Gemeinderates für die Bürger wird damit ausgehebelt“, brachten die Enttäuschung zum Ausdruck. Um nicht eine Ausführung noch im laufenden Jahr zu gefährden, votierte der Gemeinderat nach Abwägung aller relevanten Faktoren im Interesse des Gesundheitsschutzes für die Bevölkerung. Mit geballten Fäusten in der Tasche sprach sich der Gemeinderat deshalb mehrheitlich dafür aus, keine weiteren Einwände zu erheben.

    Große Befürchtungen

    Zu groß waren die Befürchtungen, dass die geplante Lärmsanierung im Verlauf der Bahnstrecke im Ortsbereich nicht bis zum Beginn einer vierjährigen Sanierung der Schnellbahntrasse realisiert werden könnte. Denn: Für die Dauer dieser Sanierungsarbeiten wird die Bahnstrecke vor den Türen und Fenstern der Thüngersheimer Bevölkerung als Ausweichstrecke genutzt. Deshalb gilt während der mindestens vier Jahre dauernden Arbeiten auf der Bahnstrecke ein Bauverbot. Allerdings hegt der Gemeinderat massive Zweifel daran, ob es im Jahr 2018 überhaupt noch zur Ausführung einer Lärmsanierung kommt.

    Transparente Elemente

    In einer Stellungnahme an die Gemeinde Thüngersheim hatte die DB Netze am 8. Mai mitgeteilt, dass „eine Reduzierung der Wandhöhe unter drei Meter wegen der damit verbundenen Pegelreduktion und somit sinkenden Kosten-Nutzungs-Verhältnis nicht zugestimmt werden kann.“ Darüber hinaus seien transparente Elemente im Bereich der Bahnhaltepunkte und des Ortskerns nur bedingt zu realisieren, soweit es im Rahmen der Förderrichtlinien möglich ist. Erst in der Sitzung im Dezember letzten Jahres hatte der Gemeinderat zum Abschluss des Anhörungsverfahrens diese Beschlüsse zur gewünschten Gestaltung gefasst.

    Jeweils einstimmig hatte sich das Gremium dabei für die Durchführung der Lärmschutzsanierung ausgesprochen. Jedoch sollten die Wände nur zwei Meter, maximal 2,50 Meter hoch sein. Für den Bereich der Bahnhaltepunkte und des Ortskerns hatte sich der Gemeinderat für transparente Elemente ausgesprochen. Auf der Reststrecke sollte die Farbgebung zum Ort hin in Braun- und Beige-Tönen erfolgen, zur Mainseite hin in Grün- oder Blau-Tönen. Entstehen sollten die Lärmschutzwände im Bereich der Staustufe auf 550 Metern, zwischen den Ortseingängen Süd und Nord über 873 Meter Länge, sowie auf einer Strecke von 225 Meter an der Mainaue jeweils entlang der Bahngleise.

    Groll innerhalb des Gemeinderates

    Der Groll innerhalb des Gemeinderates über die Information der DB Netz AG scheint nur allzu verständlich. Schließlich waren die Lärmschutzmaßnahmen über einen langen Zeitraum geplant. Während der Planungsphase sollte die Gemeinde und auch die Bevölkerung ein entscheidendes Wort mitreden dürfen an der Ausführung. So zumindest war es seitens der Deutschen Bahn auch stets kolportiert worden. Auch erfolgten deshalb mehrere öffentliche Treffen, um der Bevölkerung ein Mitspracherecht einzuräumen. Sogar eine Visualisierung der künftigen Lärmschutzwände erfolgte, um eine bessere Vorstellung von den Bauwerken zu haben.

    Nun aber heißt es seitens der Bahn: „Sollte die Gemeinde an der bisherigen Beschlussfassung festhalten, also keine Einigung erzielt werden, wäre eine erneute Offenlegung der geänderten Planunterlagen notwendig, was einen erheblichen zeitlichen Verzug bedeuten würde. Die Umsetzung der Lärmschutzmaßnahme würde sich dann mit hoher Wahrscheinlichkeit um vier Jahre verzögern, wegen des Bauverbots im Verlauf der Bahnstrecke während der Sanierungsarbeiten an der Schnellbahntrasse.“

    Von Mitsprache keine Rede

    „Von Mitsprache kann doch da gar keine Rede sein“, echauffierte sich Annette Goltz (CSU/BüBew). Und FWT-Fraktionssprecher Jürgen Weid sah „in der DB-Stellungnahme schon in Gebäuden vorhandene Lärmschutzfenster in der Gesamtbewertung nicht ausreichend berücksichtigt.“ Norbert Häglsperger prophezeite: „Der Gemeinderat wird in der Bevölkerung als Verlierer da stehen.“ Wenngleich innerhalb des Gremiums massive Zweifel an einer Ausführung noch in 2018 herrschten, votierte der Gemeinderat bei 13 zu zwei Stimmen dafür, keine weiteren Einwände geltend zu machen.

    Bearbeitet von Herbert Ehehalt

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