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    WÜRZBURG

    Bauernverband: Für Tierwohl, gegen Nationalpark

    Ende März nimmt Bernhard Weiler seinen Hut als Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Bei einem „Neujahrspressegespräch“ am Freitag in Würzburg zog der 68-Jährige aus Stadtlauringen (Lkr. Schweinfurt) in Sachen Lobbyarbeit für den Bauernstand noch einmal alle Register.

    Vor allem die Ackerbauern leiden unter dem hohen Preisdruck, sagt der Präsident.

    Ein bisschen jammern gehört bei den Bauern fast immer dazu: Die wirtschaftliche Lage 2015/16 sei sehr schwierig gewesen, sagt der Präsident. Vor allem die Ackerbauern hätten unter dem hohen Preisdruck gelitten, beim Raps habe es unterdurchschnittliche Erträge gegeben. Immerhin hätten sich die Ferkel- und Mastschweinepreise „nach dem katastrophalen Vorjahr“ spürbar verbessert. Weiler erwähnt ferner die durch die „Milchprämie“ eingeleitete Wende bei den Milchpreisen zur Jahresmitte 2016, beklagt aber sogleich, die für die Erzeuger ungünstigen Marktstrukturen hätten sich nicht geändert. Die Milchbauern würden die Chance nicht nutzen, durch Bündelung beim Angebot mehr Marktmacht und bessere Erlöse zu bekommen. Die Erklärung liefert er gleich mit: „Weil die Bauern untereinander sich nicht einig sind.“

    Weiler widerspricht vehement der langläufigen Meinung, den Bauern sei der Tierschutz egal. Die meisten seiner Kollegen stünden hinter der Initiative Tierwohl, bei der sich erstmalig in Deutschland Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam und auf breiter Ebene zu eine tiergerechteren und nachhaltigeren Fleischerzeugung verpflichten. Allerdings sind die Investitionen der Landwirte in den Stallbau stark zurückgegangen, beklagt Weiler, und nur mit modernen Ställen ließen sich die Bedingungen bei der Tierhaltung verbessern. Investiert werde aber nur, wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen.

    Bernhard Weiler: Neue Düngeverordnung für Unterfranken nicht hilfreich

    Auch die neue Düngeverordnung spricht der Bauernpräsident an. Sie sei „für Unterfranken wenig hilfreich“, sagt er, die Situation hier sei nicht vergleichbar mit der in viehstarken Regionen. Die Landwirte in der Region nähmen den Gewässerschutz ernst und arbeiteten mit den staatlichen Stellen zusammen. Nicht nur in Schutzgebieten sei die Nitratbelastung im Trinkwasser deutlich gesunken, sagt Weiler.

    Seit Jahren prangert der Bauernverband den Flächenfraß an, das unüberlegte Versiegeln von hochwertigen landwirtschaftlichen Nutzflächen. In dem Zusammenhang macht der unterfränkische BBV-Präsident Weiler einmal mehr klar, dass ihm Strommasten lieber wären als die Erdkabel, die auf der „Stromautobahn“ SuedLink durch Unterfranken rund zwei Meter tief in den Boden gelegt werden sollen. „Da werden sich manche wundern über die Größe der Baustellen“, sagt Weiler. Und BBV-Direktor Wilhelm Böhmer macht klar, dass der Verband bei Bau der Trasse auf eine bodenkundliche Begleitung durch unabhängige Firmen ebenso pocht wie auf wiederkehrende Zahlungen an die betroffenen Landwirte, „eine Art Miete oder Lizenz“ für die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Wohl habe die CSU Entgegenkommen signalisiert, aber damit sei noch nichts gewonnen. Die Entscheidung falle in Berlin.

    Auch in Sachen Nationalpark in Unterfranken will der Bauernverband bekanntlich ein Wörtchen mitreden, macht Weiler klar, schließlich seien viele Landwirte zugleich Forstwirte. Mit seiner ablehnenden Haltung zu Nationalpark-Plänen hält Weiler nicht hinterm Berg: „Was sollen wir damit?“ fragt der Bauernpräsident und zitiert eine Studie, wonach nicht bewirtschaftete Wälder weniger Kohlendioxid aus der Luft binden als bewirtschaftete. Und tut im selben Atemzug seine persönliche Meinung kund, dass Wölfe und Bären „im Industriegebiet Deutschland“ nicht wieder heimisch werden sollten.

    Die meisten Bauern wollen ihren eigenen BBV-Ortsverband erhalten

    Mit dem Zustand des Verbands auf Bezirksebene zeigen sich Weiler und Böhmer zufrieden. Die knapp 18 000 Mitglieder in Unterfranken waren 2016 in 955 Ortsverbänden organisiert, nur sieben weniger als fünf Jahre zuvor. Vor Ort sei das Bestreben ausgeprägt, den jeweiligen Ortsverband selbstständig zu erhalten, sagen sie, bei der Wahl der Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen hätten sich viele junge Leute für das Ehrenamt zur Verfügung gestellt. Zurzeit laufen Wahlen auf BBV-Kreisebene, Ende März kommt es im Verband zu einem Wechsel auf Bezirksebene. Nach zwei Amtsperioden von fünf Jahren tritt der amtierende Präsident Bernhard Weiler nicht mehr an. Als seinen Nachfolger schlägt er seinen bisherigen Stellvertreter Stefan Köhler vor.

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