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    Röttingen / Tauberrettersheim

    Baugebiete statt Landschaftsschutz

    2,73 Hektar Land, das sind die Flächen rechts hinter dem letzten Wohnhaus, wollen die Grünen wieder unter Landschaftsschutz stellen. Sie scheiterten allerdings damit am Montag im Kreistag.  Foto: Thomas Obermeier

    Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes (LSG) "Täler der Tauber, Gollach, Steinach und umgebende Wälder" werden erneut verändert. In Röttingen wird eine Fläche von 3,92 Hektar aus dem LSG genommen, weil die Stadt hier Bauplätze ausweisen möchte. Am Montag hat der Kreistag auch einen Antrag der Grünen abgelehnt, 2,73 Hektar in Tauberrettersheim wieder unter Landschaftsschutz zu stellen. 

    Untere Naturschutzbehörde war dagegen

    Gerade für Tauberrettersheim ist die Diskussion um das Landschaftsschutzgebiet nicht neu. Vor 18 Jahren wollte die Gemeinde den Flächennutzungsplan ändern und auf einer Fläche von drei Hektar ein Sondergebiet für die Zwecke Kur, Hotel, Dienstleistung und Freizeit ausweisen. Eine Berliner Betreiberfirma beabsichtigte damals am Karlsbergweg eine Seniorenresidenz, ein Feriengebiet, eine Hotelanlage und mehrere Kureinrichtungen zu bauen. Diese Pläne wurden nie verwirklicht. Trotzdem hat der Kreistag im Jahr 2000 - gegen den Willen der Unteren Naturschutzbehörde - für die Flächen den Schutzstatus aufgehoben. "Vielleicht zu früh", sagte Kreisrat Heinz Koch (SPD) zurückschauend.

    Die Grünen scheiterten mit ihrem Antrag das bestehende Landschaftsschutzgebiet um 2,73 Hektar zu erweitern. Die Flächen wurden im Jahr 2000 aus dem Gebiet herausgenommen.   Foto: Main-Post-Grafik

    Bürgermeister Hermann Öchsner hat damals am meisten von der Änderung des Landschaftsschutzgebietes profitiert. Ihm gehörten mit gut drei Hektar Land die meisten Flächen. Auf einem Teil davon hat mittlerweile seine Tochter gebaut. Dass nach den gescheiterten Zukunftsvisionen für Tauberrettersheim nicht unmittelbar wieder alle Flächen zurück ins Schutzgebiet genommen werden, bedauern viele Kreisräte hinter vorgehaltener Hand. Auch Landrat Eberhard Nuß. 

    Trotzdem stimmten sie am Montag gegen den Antrag der Grünen. Ihr Argument: Das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinde Tauberrettersheim geht vor. Diese hatte sich nämlich zuvor dafür ausgesprochen, die Flächen nicht wieder unter Landschaftsschutz zu stellen, weil dafür bereits 2000 ein Ausgleich geleistet wurde. Für 4,31 Hektar, die aus dem Landschaftsschutzgebiet genommen wurde, hat die Kommune 4,05 Hektar wieder in dieses eingebracht, teilt das Landratsamt mit.

    "Ein Landschaftsschutzgebiet sollte über mehrere Generationen geschützt und dauerhaft erhalten bleiben." 
    Christoph Trautner, Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen

    Der Grüne Kreisrat Sven Winzenhörlein erinnerte seine Kreistagskollegen an den Schutzzweck eines solchen Gebietes, nämlich die "Schönheit, Vielfalt und Eigenart der Landschaft zu bewahren. Ein Landschaftsschutzgebiet funktioniert nur als Ganzes." CSU-Fraktionsvorsitzender Manfred Ländner hielt dagegen: "Da, wo es nur beschaulich ist, wird ruck zuck keiner wohnen wollen." Er erklärte: "Auch wir wollen unsere Natur erhalten, aber wir wollen zwei Säulen beachten: die kommunale Selbstverwaltung und eine sachliche Argumentation über die Zukunft für Menschen und die Zukunft für Natur." 

    Trautner: Deponiegelände ist keine gleichwertige Ausgleichsfläche

    Dafür, dass die Flächen in Tauberrettersheim nicht wieder unter Landschaftsschutz gestellt werden, stimmten schließlich alle CSU-Kreisräte und ein großer Teil der UWG-Fraktion. Insgesamt sprachen sich 33 Kreisräte gegen den Antrag der Grünen, 23 dafür aus. 

    3,92 Hektar werden aus dem Landschaftsschutzgebiet "Täler der Tauber, Gollach, Steinach und umgebende Wäler" genommen, damit die Stadt Röttingen hier ein neues Baugebiet ausweisen kann. 

    Leidenschaftlich plädierte Fraktionsvorsitzender Christoph Trautner dafür, dass in Röttingen das Landschaftsschutzgebiet erhalten bleibt. "Das Ganze ist ein Witz", so Trautner. In Röttingen soll das Schutzgebiet um 3,92 Hektar verringert werden. Dafür kommen 9,45 Hektar hinzu, unter anderem eine ehemalige Mülldeponie in Strüth. "Das ist keine gleichwertige Ausgleichsfläche. Außerdem liegt sie abseits des Taubertals. Aber es geht um den Schutz der Landschaft im Taubertal," betonte Trautner.  

    Grünen warnen vor Präzedenzfall

    Außerdem habe Röttingen kein Bauland-Problem. "Ein Notfall liegt hier nicht vor. Denn Bürgermeister Martin Umscheid hat uns versichert, dass es noch 24 Bauplätze gibt." Den Antrag der Stadt Röttingen bezeichnete Trautner als "unseelig". Und ergänzte: "Wenn wir zustimmen, würden wir einen Präzedenzfall schaffen." Trautner ist überzeugt: "Ein Landschaftsschutzgebiet sollte über mehrere Generationen geschützt und dauerhaft erhalten bleiben, dann wird es auch ein Refugium für geschützte Arten." 

    "Da, wo es nur beschaulich ist, wird ruck zuck keiner mehr wohnen wollen."
    Manfred Ländner, Fraktionsvorsitzender CSU 

    "Theatralische Reden helfen uns bei diesem Thema auch nicht weiter", erwiderte SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Wolfshörndl. Die Stadt Röttingen habe in vorbildlicher Weise Innenentwicklung betrieben, lobte er. Und Kreisrat Burkard Losert erklärte, dass der Aufwand der Kommunen heutzutage immens ist, wenn sie Baugebiete ausweisen möchten. "Ein dreifacher Ausgleich ist nötig, wenn auch der Flächennutzungsplan dafür geändert werden muss." 

    Mehrheitlich, gegen die Stimmen der Grünen, FDP und ÖDP wurde der Antrag der Stadt Röttingen angenommen. Der Naturschutzbeirat hatte sich im Vorfeld in beiden Fällen für den Erhalt des Landschaftsschutzgebietes positioniert. 

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