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    Thüngersheim

    Baumfrevel in Thüngersheim: Landratsamt verhängt Bußgelder

    In Thüngersheim wurden für ein Baugebiet wertvolle Obstbäume gefällt - ohne Genehmigung des Landratsamtes. Foto: Bund Naturschutz

    Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg im Bund Naturschutz, ist fassungslos. In Thüngersheim am Mittelweg wurden im Februar verbotenerweise Gehölze entfernt und wertvolle alte Obstbäume gerodet. Das Landratsamt ahndet diesen Naturfrevel jetzt mit einem Bußgeld. Zwischen 80 Euro und 300 Euro müssen die Grundstücksbesitzer, darunter auch die Gemeinde, zahlen. "Lachhaft", kommentiert Jodl die Strafen. "Das kann man locker aus der Portokasse berappen. Abschreckend ist das nicht", schimpft er.

    Am Mittelweg in Thüngersheim soll ein kleines Baugebiet entstehen. Zwölf Bauplätze sind auf der 0,8 Hektar großen Fläche geplant. Die Gemeinde besitzt hier etwa 1800 Quadratmeter. Der Rest ist in privater Hand. 

    Missverständnis oder Absicht?

    Dass die Bäume gerodet und die Gehölze entfernt wurden, beruhe auf einem Missverständnis, erklärt Bürgermeister Markus Höfling. Die Gemeindeverwaltung sei davon ausgegangen, dass die artenschutzrechtliche Prüfung durch das beauftragte Fachbüro schon abgeschlossen sei und die Rodung freigegeben.

    Naturschützer Jodl will dem nicht so recht glauben, weil erst im September 2018 der Auftrag vergeben wurde. "Dann kann man nicht davon ausgehen, dass im Winter, wenn die Natur ruht, eine Prüfung durchgeführt worden ist." 

    In Thüngersheim wurden für ein Baugebiet wertvolle Obstbäume gefällt; ohne Genehmigung des Landratsamtes. Foto: Bund Naturschutz

    Jodl ist sicher, dass in Thüngersheim nicht nur Gehölze entfernt und Bäume gerodet wurden. "Es wurden vor allem Lebensstätten für wichtige Tierarten zerstört", sagt er. "Wenn dies Strafen zwischen 80 Euro und 300 Euro nach sich zieht, ist das schon bezeichnend."

    Auch die Gemeinde Thüngersheim muss ein Bußgeld zahlen 

    Die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bestätigt dies allerdings nicht. "Die Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten war nicht nachweisbar", teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Jodl hält dagegen und zeigt Fotos, auf denen gefällte Höhlenbäume zu sehen sind. "Das waren eindeutig Fortpflanzungs- und Ruhestätten wild lebender Tiere, die hier zerstört wurden."

    Die Höhe der jeweiligen Bußgelder, die Gemeinde Thüngersheim muss eine Strafe von 200 Euro bezahlen, orientiere sich am nachweisbaren Umfang der Gehölzbeseitigung und der Schwere des Schuldvorwurfs, so die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt. Das Bayerische Naturschutzgesetz (Art. 16) verbietet es, in der freien Natur Hecken, lebende Zäune, Feldgehölze oder -gebüsche, einschließlich Ufergehölze oder-gebüsche, zu roden, abzuschneiden, zu fällen oder auf sonstige Weise erheblich zu beeinträchtigen. Wer es trotzdem tut, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro bestraft werden, teilt die Pressestelle mit. 

    Bund Naturschutz fordert saftigere Geldbußen

    Deutlich saftiger fielen die Bußgelder des Landratsamtes vor vier Jahren aus. Damals ging es um einen Kahlschlag zwischen Goßmannsdorf und Darstadt sowie um Abholzungen am Mainufer bei Eibelstadt. Die Bürgermeister Peter Juks (Ochsenfurt) und Markus Schenk (Eibelstadt) mussten ein Bußgeld von 3400 Euro, beziehungsweise 4000 Euro zahlen. Schenk zahlte die 4000 Euro, Juks legte Widerspruch ein. Das Amtsgericht Würzburg stellte später das Verfahren - ohne Rücksprache mit der unteren Naturschutzbehörde zu nehmen - ein, was dem Ochsenfurter Bürgermeister 3400 Euro ersparte. 

    "Scheinbar traut sich jetzt das Landratsamt deswegen nicht mehr, höhere Geldbußen festzusetzen", vermutet Jodl. "Da muss man sich nicht wundern, wenn es immer wieder zu Naturfreveln kommt", fügt er enttäuscht hinzu. 

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