• aktualisiert:

    Würzburg

    Bedroht das Gurkenvirus die Ernte im Landkreis Würzburg?

    Gemüseerzeuger fürchten es, das Virus, das Blattläuse auf Gurken übertragen. Ist der Erreger schon in der Region angekommen und was müssen Verbraucher jetzt wissen?
    Das Virus CABYV befällt Gurken, Zucchini und Kürbisse. Blätter und Früchte befallener Pflanzen färben sich gelb.
    Das Virus CABYV befällt Gurken, Zucchini und Kürbisse. Blätter und Früchte befallener Pflanzen färben sich gelb. Foto: Gemüseerzeugerring

    In Bayern geht das Gurkenvirus um: Das Cucurbit aphid-borne yellows virus, kurz CABYV, befällt Blätter und Früchte und kann zu erheblichen Ernteausfällen führen. In der Region Würzburg ist es bisher aber unbekannt, erklärt Christine Müller, Fachberaterin für Gemüsebau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen. Und auch bei Elmar Konrad, Geschäftsführer des bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Würzburg sind bisher keine Meldungen über das neuartige Gurkenvirus eingegangen.

    Erstmals ist das Virus 1988 in Frankreich aufgetaucht. Laut der Fachzeitschrift "New Desease Report" wurde es im Sommer 2019 zum ersten Mal in Bayern bei einigen Anbauern gefunden.

    Symptome des Virus sind gelbe Blätter und Früchte

    Bis zu diesem Zeitpunkt sei das neue Gurkenvirus in Deutschland nicht aufgetreten, weil es bisher nicht identifiziert werden konnte, erklärt Anton Offenberger, Berater beim Gemüseerzeugerring Knoblauchsland mit Sitz in Nürnberg, auf Anfrage der Redaktion. Sein Kollege Ulf Maeritz habe im vergangenen Jahr den Stein ins Rollen gebracht und Proben eines unbekannten Gurkenerregers ins Leibnitz-Institut nach Braunschweig geschickt. Dort haben Forscher erst einmal ein Verfahren entwickeln müssen, um das Virus CABYV nachzuweisen.

    "Der Erreger wird von Blattläusen übertragen und befällt Kürbisgewächse wie Gurken, Zucchini oder Kürbisse. Eine Infektion führt unter anderem zu Chlorophyllmangel und Blattverdickung. Die Folge: Blätter und Früchte werden gelb und sterben ab", sagt Offenberger. Das könne zu massiven Ernteeinbußen führen.

    Virus breitet sich in Gewächshäusern aus

    Bisher habe man das Virus vor allem in Gewächshäusern gefunden, Freilandkulturen wie im nördlichen Landkreis Würzburg, seien nicht betroffen. Zudem können Freilandanbauer ihre Kulturen durch Vliese schützen. "Da kommt keine Laus durch", meint der Berater.

    Doch, so räumt er ein: "Im Gewächshaus haben wir schon unsere Ängste, obwohl es auch andere Gurken-Krankheiten gibt, die weitaus schlimmer sind." Denn 2019 war ein absolutes Lausjahr. Deshalb sein Rat: "Wir müssen verstärkt Nützlinge wie Schlupfwespen, Gallmücken und Florfliegen einsetzen."

    Großer Schaden entsteht, wenn Pflanzen von mehreren Krankheiten befallen sind

    Gefunden wurde das Virus bisher an Schlangengurke, Minigurke, Snackgurke, Zucchini und Kürbis, sowohl in Gewächshauskulturen als auch im Freiland, erklärt Dr. Luitgardis Seigner, Leiterin der Arbeitsgruppe Virologie, an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Pflanzenschutz, auf Anfrage der Redaktion.

    Die Einbußen waren dann besonders groß, wenn Mischinfektionen mit anderen Viren vorlagen. "Insgesamt wurde das Befallsausmaß von leicht bis stark eingeschätzt", sagt sie.

    Deshalb rechnet sie damit, dass Anbauer und Berater in der kommenden Vegetationsperiode wachsam sein werden und verstärkt Proben mit Verdacht auf CABYV zur Untersuchung in das Freisinger Labor einreichen werden. Denn eine sichere Diagnose erlaube immer nur eine Laboruntersuchung, besonders bei Mischinfektionen sei eine Diagnose per Auge unmöglich.

    Darauf müssen Anbauer achten

    Typische Symptome des Gurkenvirus sind die eingerollten Blatträndern und die verdickten grünen Blattadern.
    Typische Symptome des Gurkenvirus sind die eingerollten Blatträndern und die verdickten grünen Blattadern. Foto: Gemüseerzeugerring

    Anbauer sollten also auf folgende Symptome achten: "Typischerweise tritt Vergilbung an den älteren Blättern auf. Auch die Blätter der gesamten Pflanzen können sich gelb verfärben. Infizierte Blätter sind zudem dicker, porös und haben eingerollte Blattränder. Der Ertrag kann bei Gurken zum Teil erheblich reduziert sein. Die Fruchtqualität wird im Gegensatz zu den Mosaikviren durch CABYV nicht beeinträchtigt. Symptome können zu Beginn der Infektion leicht mit Nährstoffmangel verwechselt werden."

    Ist eine Pflanze befallen, kann das Virus nicht mehr wirksam bekämpft werden, sagt Seigner. Befallene Pflanzen sind Infektionsquellen und müssen aus dem Bestand entfernt werden, wenn man den Befall in den Griff bekommen möchte.

    Welche Auswirkungen das Virus für den Verbraucher hat

    "Gesundheitlich bestehen für Verbraucher keine Bedenken", sagt die Wissenschaftlerin. Wenn Gemüse mit einem Virus befallen ist, sieht man ihm das nicht an. Sein Verzehr sei unbedenklich, davon werde man nicht krank. Und stark infizierte Gurkenpflanzen würden ja ohnehin nicht Umlauf gelangen.

    Geringere Erträge könnten sich aber theoretisch auf das Angebot und damit den Preis auswirken. Doch, so meint sie: "Das Angebot wird ausreichend sein und ich gehe nicht von einem flächendeckenden Befall aus."

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!