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    Würzburg

    Bei welchen Themen eine Fachberaterin für Gartenbau hilft

    Jessica Tokarek aus Leinach ist seit Mitte März die neue Fachberaterin für Gartenbau und Landschaftspflege im Landkreis Würzburg. Foto: Antje Roscoe

    Mit dem Tag der offenen Gartentür am 30. Juni steht einer der Höhepunkte der Gartensaison an. Für Jessica Tokarek (33 Jahre), neue Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege für den Landkreis Würzburg, gehörte die Organisation mit Amtsantritt Mitte März zu den sofort sehr dringlichen Aufgaben. Vorgänger Günter Gerner hatte die Veranstaltung vor 23 Jahren ins Leben gerufen. Die Idee hatte er aus England mitgebracht. Ob sich was an dem Konzept ändert, verrät Tokarek im Interview.

    Frage: Ist der Tag der offenen Gartentür inzwischen nicht ein Selbstläufer?

    Jessica Tokarek: Nicht, was Gartenbesitzer anbetrifft, die ihre Gärten für interessiertes Publikum öffnen. Aber wir haben auch etliche tolle Gärten, die übers Jahr nach Vereinbarung angesehen werden können oder mit Spezialthemen zur jeweiligen Blüte. Insgesamt läuft es gut.

    Schweben Ihnen Veränderungen vor?

    Tokarek: Wichtig könnte sein, dass Gärten nicht perfekt sein müssen, um mitzumachen. Es geht schließlich darum, voneinander zu lernen und die verschiedensten Ansätze kennen zu lernen. Zum anderen könnte ich mir vorstellen, den Tag auf eine Gemeinde zu konzentrieren und mit einem Thema oder Aktionen zu ergänzen. Das werde ich noch mit den Obst- und Gartenbauvereinen besprechen.

    Sie wurden vom Start weg auch zur Geschäftsführerin des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine gewählt. Ist das hilfreich?

    Tokarek: Ich denke schon. Damit sind wir gegenseitig gut vernetzt.

    Auf 800 bis 1000 Jahre wird die Kunigundenlinde bei Burgerroth geschätzt. Regelmäßig müssen die zu stark gewordenen Jungtriebe entfernt werden, wenn sie für den gespaltenen Stamm zu schwer werden. Foto: Antje Roscoe
    Beispiel Randersacker: dort hat sich der Obst- und Gartenbauverein (OGV) jüngst aufgelöst. Welche Ideen haben Sie, um die Vereine zukunftsfähig zu machen?

    Tokarek: Rottendorf und Estenfeld sind mir bekannte Beispiele mit funktionierenden Jugendgruppen. Das Interesse bei den Kindern ist definitiv da, aber es braucht im Verein Leute, die Projekte umsetzten. Da kann ich gerne unterstützen. Meist hatte der Obstbau den Gründungsimpuls gegeben. Das fällt als Aufgabe weitgehend weg. Auf den Ertrag sind die Haushalte nicht mehr angewiesen. Auch die Schnelllebigkeit und Projektbezogenheit unserer Zeit erfordern neue Ansätze. Der Verein bleibt zwar schon aus Versicherungsgründen ideal, aber sicher sind auch überall Nichtmitglieder willkommen, bei Aktionen mitzumachen.

    Was würden Sie als Fachberaterin gerne anpacken?

    Tokarek: Was mir sehr am Herzen liegt, ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zur Ernährung sind die Kinder in der Schule schon ganz gut orientiert. Aber im Beet hapert es. Schulgärten fände ich toll. Die hängen aber bislang immer am Engagement einzelner Lehrkräfte. Zum anderen habe ich mit dem Staatlichen Bauamt bereits eine Kooperation vereinbart, wenn es an die Schnittmaßnahmen geht, beratend zu zeigen, wie es sinnvoll und gut gemacht wird. Das biete ich auch den Bauhöfen der Kommunen an, wo nicht überall Fachleute vorhanden sind.

    Wofür brauchen die Menschen Sie? Was waren die ersten Arbeiten?

    Tokarek: Ich war damit beschäftigt, den Spagat zwischen tatsächlich nötigen und reduzierten Pflegemaßnahmen zu bewerten. Auf einem Friedhof etwa. Wo darf der Löwenzahn stehen bleiben, um Lebensraum und Artenvielfalt zu erhalten? Da gehen die Meinungen schnell auseinander. Es wird viel Informations- und Überzeugungsarbeit zum jetzt Gewohnten geben müssen.

    Sie waren Fränkische Apfelkönigin und in Leinach bewirtschaften Sie einen Obstbau-Betrieb. Wird (Streu-)Obst ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit sein?

    Tokarek: Definitiv. Erhalten allein reicht nicht. Bei der Pflege gibt es noch einigen Nachholbedarf. Die kommt leider oft zu kurz, weil nichts daran verdient ist und fast niemand Zeit dafür hat. Es gab vor 15 Jahren einen tollen Ansatz mit der Kartierung und dem Buch zu den Apfel- und Birnensorten, womit die Vielfalt erst einmal vor Augen geführte wurde. Es sind ja selbst für Allergiker genießbare Sorten dabei. Da muss jetzt wieder neu angesetzt werden. 99 Prozent der Kinder kriegt man zum Apfel, wenn man sie probieren lässt. Und Erwachsene sind auch immer ganz fasziniert.

    Was wird aus Ihrem Obstbau zu Hause und wie sieht Ihr Traumgarten aus?

    Tokarek: Wir sind ein Familienbetrieb, es läuft weiter und ich bin nicht aus der Welt. Aber bei drei Kindern brauchen wir ein zweites Einkommen. Mein Traumgarten ist ein Erholungsgarten mit Wasser – und gerade im Entstehen.

    War das Landratsamt das Ziel Ihrer Träume?

    Tokarek: Als Fachberaterin mache ich vor allem Öffentlichkeitsarbeit. Das hat mir als Apfelkönigin schon großen Spaß gemacht und zu Hause im Obstbau hat mir die Arbeit mit Menschen schon ein wenig gefehlt. Dafür komme ich jetzt nach Hause und betrachte die Arbeit im Betrieb und im Garten als Ausgleich zum Büro, wie es der Garten für die meisten Leute ist: ein herrlicher Ausgleich. Ich freue mich jetzt richtig darauf.

    Weitere Infos
    Jessica Tokarek ist Inhaberin des 10-Hektar-Obstbaubetriebes "Leinachtaler Obstbauer". Im Studium zur Diplom-Gartenbauingenieurin (FH) waren Obstbau, Betriebswirtschaft, Marketing, Pflanzenschutz sowie Frucht- und Gemüsetechnologie die Schwerpunkte. Kontakt: Telefon: (0931) 8003 5463, E-Mail: j.tokarek@lra-wue.bayern.de.

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