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    Rieden

    Beispielhafte Inklusion im Riedener Kindergarten

    Jonas Liebl hat ein Zertifikat. "Mit großem Erfolg" bildete sich der 22-jährige Riedener bei der Robert-Kümmert-Akademie als "Helfer in Kindertageseinrichtungen" fort. Damit ist er einer von acht Menschen mit Behinderung aus den Landkreisen Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart, die erstmalig diesen Lehrgang absolviert haben.

    Zwischen Oktober 2017 und Juni 2018 haben die Kursteilnehmer acht Bildungseinheiten im Tandem "Fachtheorie und Fachpraxis" durchlaufen. Partner waren die Mainfränkischen Werkstätten mit dem Unterstützernetzwerk "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" und Dozenten der Akademie.

    Das Netzwerk "INkusiv! Gemeinsam arbeiten" gibt es seit Beginn des Jahres 2015. Ziel ist es, die Stärken und Fähigkeiten eines erwachsenen Menschen mit Behinderung zu erkunden und einen passenden Arbeitsplatz für ihn zu finden. Behinderte Menschen sollen genau wie nichtbehinderte dort integriert werden, wo sie leben und gern arbeiten möchten.

    Gemeinde übernahm Patenschaft

    "Nicht für jeden ist ein Arbeitsplatz in den Werkstätten der richtige Ort", erklärt Madeleine Leube. Die Dipl. Sozialpädagogin leitet die Fachabteilung "INklusiv! Gemeinsam Arbeiten". Acht Integrationsbegleiter stehen den aktuell 60 teilnehmenden Mitarbeitern der Werkstätte zur Seite. Weitere 15 Mitarbeiter des geförderten Projekts befinden sich in Praktika.

    Jonas hat am Zentrum für Körperbehinderte den Hauptschulabschluss gemacht und anfangs auch in den Mainfränkischen Werkstätten gearbeitet. Dort spürte er, dass er diese Tätigkeit nicht sein ganzes Berufsleben lang machen möchte. So leistete er in der Berufsfindungsphase Praktika in der Tagespflege Nolte und in der Tagesförderstätte der Mainfränkischen Werkstätte.

    Im Januar 2016 begann Jonas sein Praktikum im Riedener Kindergarten. Den hatte er als Kind besucht. Er kann von daheim zu Fuß hingehen. Im Dezember 2016 stimmte der Hausener Gemeinderat zu, im Rahmen des INklusiv-Programms eine "Patenschaft" für Jonas zu übernehmen. Seit dem 5. Februar 2017 arbeitet Jonas fest angestellt als Helfer im Riedener Kindergarten. Die Gemeinde zahlt seinen Werkstattlohn.

    Weitere Qualifikation zum Kinderpfleger absolviert

    Jonas ist bei den Kindern beliebt und den Erziehern eine wirkliche Hilfe. Er hat großen Spaß am Basteln, Spielen und Singen und erledigt sorgfältig hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die mit dem Mittagessen und dem Zubereiten der Obst- und Gemüseteller für die Gruppen zusammenhängen. Beim Apfelscheiben-Schneiden leitet er auch die Kinder an. Und seine Bananen-Erdbeer-Schlangen sind legendär.

    Kindergartenleiterin Miriam Gößmann lobt vor allem die Geduld ihres neuen Mitarbeiters und die Ruhe, die er ausstrahlt. Von ihr ging der Impuls aus, ob Jonas nicht fachlich weiter gebildet werden könnte. So ist die Qualifizierung zum Kinderpfleger in die Wege geleitet worden.

    In der Fachakademie lernten die acht Teilnehmer etwas über die Entwicklung des Kindes, über Kinderrechte und Bedürfnisse, Hygiene und Sauberkeit, altersgerechte Beschäftigungen und auch den Umgang mit Konflikten. "Wir prüfen nun für das nächste Mal, ob der Kursinhalt so passt", erklärt Integrationsbegleiterin Leube.

    Runder Tisch mit der bayerischen Wirtschaft geplant

    "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" möchte seine Fortbildung und Zusammenarbeit mit der Robert-Kümmert-Akademie ausbauen. Kurse könnten auch in den Bereichen Hauswirtschaft oder "Gastronomie und Küche" eingerichtet werden. "Acht bis zehn Personen, das wäre eine ideale Teilnehmergröße", meint Leube.

    Die bayerische Staatsregierung will Menschen mit Behinderung das Leben und Arbeiten erleichtern. Laut Kabinettsbeschluss wird aktuell das Programm "Bayern barrierefrei" ausgedehnt und zur Inklusion behinderter Menschen in die Arbeitswelt ist ein runder Tisch mit der bayerischen Wirtschaft geplant.

    Um den Anforderungen von Jonas Liebl nach gleichbleibender Struktur, individueller Belastbarkeit, persönlichen Fähigkeiten und Arbeitsplatznähe gerecht zu werden, braucht es Fachwissen, Förderung, Kooperationen und Mut. Er ist ein gutes Beispiel für gelebte Inklusion. Sie ist möglich.

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