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    WÜRZBURG

    Bekommt Unterfranken ein Wasserproblem?

    Wasser ist für das menschliche Leben unverzichtbar – und eigentlich mangelt es auf unserem Planeten auch nicht daran: Über 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt – das sind insgesamt fast 1,4 Milliarden Kubikkilometer. Doch nur 0,3 Prozent des weltweit vorhandenen Wassers sind als Trinkwasser nutzbar.

    Der Vorrat ist also knapp bemessen. Nicht zuletzt auch in Unterfranken, wo es durch klimatische Einflüsse bedingt am wenigsten Regen in ganz Bayern gibt: Nur rund 600 Liter pro Quadratmeter fallen in der Region um Würzburg pro Jahr vom Himmel. In manchen Gebieten Oberbayerns kommt in zwölf Monaten fast die dreifache Menge zusammen. Dieses Diskrepanz könnte sich durch den Klimawandel noch weiter verstärken.

    Ein saisonales, kein generelles Defizit

    Regnet es in Unterfranken also in Zukunft noch weniger? Nein, sagt Professor Heiko Paeth. Der Klimatologe forscht an der Universität in Würzburg und hat sich intensiv mit den veränderten klimatischen Bedingungen befasst. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass sich die Erde erwärmt und der Mensch dafür verantwortlich ist“, sagt er.

    „Aber in der Gesamtbilanz für Deutschland ändert sich, was den Niederschlag betrifft, gar nicht so viel.“ Vielmehr gehe es um saisonale Verschiebungen. Heißt: Im Sommer gibt es in Deutschland zunehmend Trockenperioden, im Winter regnet es dafür umso mehr. „Ein Sommer wie in diesem Jahr ist ein Beispiel dafür, was uns in Zukunft erwarten wird.“

    Diese veränderten Bedingungen haben massive Auswirkungen auf das Grundwasser, aus dem das unterfränkische Trinkwasser gewonnen wird. Der Grundwasserspiegel sinkt laut Paeth in trockenen Hitzesommern ab – wie zuletzt 2015, als es pro Quadratmeter 180 Liter weniger geregnet hatte, als in einem durchschnittlichen Jahr. Seither haben die Niederschläge nicht ausgereicht, um das Defizit wieder auszugleichen. Hinzu kommt: Der Boden verliert durch Verdunstung noch mehr Flüssigkeit, als ihm bereits durch den fehlenden Regen entgeht. Ein Defizit von 300 Litern Wasser pro Quadratmeter sei so 2015 entstanden – das entspricht 30 gefüllten Putzeimern.

    Winterregen im Sommer nutzen

    „Wenn das eine langfristige Tendenz wird, werden wir zu einer Region mit Wasserarmut“, schlussfolgert Paeth. Dann müssten Rückhaltebecken geschaffen werden, um die vermehrten Winterniederschläge im Sommer nutzbar zu machen. Doch der Bau von Staudämmen und künstlichen Wasserreservoirs, wie dem fränkischen Seenland in Mittelfranken, erweist sich als schwierig: Laut Paeth besteht der Boden in der Region vor allem aus Muschelkalk – aufgestautes Wasser würde einfach versickern. Als Lösung wären künstliche Becken oder unterirdische Kavernen denkbar. Die kosten jedoch viel Geld. „Wir werden mehr investieren müssen, um unsere Wasserversorgung in Zukunft gewährleisten zu können“, sagt Paeth.

    Eine weitere Möglichkeit, die bereits jetzt genutzt wird, sind Wasserimporte aus Gebieten mit höheren Niederschlägen, zum Beispiel dem Süden Bayerns. Bereits jetzt strömen aus dem Lech-Donau-Gebiet über Fernleitungen jährlich vier bis fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser von fünf Fernwasserversorgern aus dem Umland (siehe Grafik) nach Unterfranken – immerhin rund fünf Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauchs von 84 Millionen Kubikmetern.

    Schadstoffe belasten das Grundwasser

    Ein weiteres Problem ist, dass das Wasser, das in Unterfranken gefördert werden kann, nicht das beste ist: Durch den geringen Niederschlag werden Düngemittel wie Nitrat – das sich zu gefährlichem Nitrit umwandeln kann – im Boden weniger verdünnt; ihre Konzentration im Grundwasser ist also höher. 72 Prozent des in der Region geförderten Grundwassers müssen deshalb laut der Regierung von Unterfranken aufbereitet werden, bevor sie als Trinkwasser abgegeben werden können. Sinkt der Niederschlag in den Sommermonaten wie von Paeth prognostiziert, könnte sich dieses Problem noch verschärfen.

    Trotz aller Probleme: Die Wasserversorgung in Unterfranken ist gesichert, sagt Christian Guschker vom Sachgebiet Wasserwirtschaft bei der Regierung von Unterfranken. Das zeige auch die Wasserversorgungsbilanz der Regierung von Unterfranken, in der die Versorgungssicherheit der Region bis 2035 bewertet wird. Anders als Klimatologe Paeth ist Guschker davon überzeugt, dass das Versorgungssysteme auch weiterhin ohne Engpässe funktionieren werden. Die Wasserimporte müssten dafür nicht erhöht werden.

    Dass in den vergangenen Wochen vor allem nördliche Kommunen in Unterfranken wie Mellrichstadt oder Haßfurt zum Wasser sparen aufgerufen haben, liegt laut Guschker nicht an einer grundsätzlichen Wasserknappheit des unterfränkischen Nordens; vielmehr wollen die Wasserversorger die Bevölkerung angesichts der anhaltende Hitze- und Trockenperiode allgemein für den sparsamen Umgang mit Trinkwasser sensibilisieren. Lediglich Oberelsbach (Lkr. Rhön-Grabfeld), wo eine sogenannte Wassersparanordnung erlassen wurde, hat seit längerem mit strukturellen Wasserengpässen zu kämpfen. Neue Brunnen wurden bereits gebohrt, jedoch noch nicht angeschlossen.

    Sicherheitsreserven sind vorhanden

    „Wir haben genug Sicherheitsreserven, auch für trockene Zeiten“, versichert Hermann Löhner, der die Situation wie Christian Guschker eher entspannt betrachtet. Löhner ist Werksleiter bei der Fernwasserversorgung Franken (FWF), einem der größten Wasserversorger in der Region. Der Verband fördert derzeit etwa sieben Millionen Liter pro Jahr und schöpft damit 80 Prozent ihrer Kapazität aus. Es stünde also noch mehr Wasser für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung.

    Die ist in der Region – wie in ganz Deutschland – eine kommunale Aufgabe. Das Wasser kommt aus über 560 Brunnen und 200 Quellen von rund 300 Unternehmen und Verbänden, die die Versorgung in Unterfranken gewährleisten. Die kleinteilige, dezentrale Versorgungsstruktur in Unterfranken ist historisch bedingt, weil viele Gemeinden beim Thema Wasser selbstständig bleiben wollten, erklärt Guschker.

    Eigenbetrieb oder Zweckverband?

    In der Tat übernehmen einige Gemeinden und Städte die Aufgabe selbst – wie Würzburg, dass die Wasserversorgung an die städtische Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH übertragen hat. Diese fördert Wasser aus eigenen Quellen und bezieht zusätzlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter vom Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM). Solche Zweckverbände übernehmen die Wasserversorgung für Kommunen, die diese nicht durch einen Eigenbetrieb gewährleisten können.

    Zwar ist dieses Zusammenspiele zahlreicher Versorger kompliziert – doch es bietet auch Vorteile. „Durch die Kooperationen ist es möglich, dass ein anderes Unternehmen die Versorgung übernimmt, wenn der eigentliche Anbieter ausfällt“, erklärt Hermann Löhner von der FWF. Das könne zum Beispiel durch eine gebrochene Leitung der Fall sein.

    Probleme bei der Nutzung von Quellen

    Doch zu Rohrbrüchen kommt es vergleichsweise selten. Probleme gibt es laut Guschker in erster Linie bei den Versorgern, die Wasser überwiegend aus Quellen beziehen. Bei geringem Niederschlag zeigen sich bei ihnen schneller Auswirkungen als beim Grundwasser, das vergleichsweise konstant ist, und die Quellen geben weniger Wasser ab. Vor allem in den Mittelgebirgslagen, also in der Rhön und im Spessart, kann es deshalb bei langer Trockenheit zu Engpässen kommen.

    Verschärft wird das Problem zusätzlich durch das Verbrauchsverhalten der Bevölkerung, das stark von der Tages- und Jahreszeit abhängig ist: An heißen Sommertagen wird viel Wasser, im Winter nur wenig benötigt – eine kontinuierlich gleichbleibende Wasserförderung und -verbreitung ist also nicht möglich. „Deshalb müssen wir mehr Kapazitäten bereithalten“, sagt Löhner. In großen Becken wird das Wasser deshalb nach seiner Aufbereitung unterirdisch gelagert, bevor es zum Endverbraucher gelangt. 10.000 Kubikmeter fasst allein eine der Speicheranlagen im Wasserwerk Sulzfeld (Lkr. Kitzingen).

    Von dort wird das Wasser über Rohrleitungen in höher gelegene Tanks und Reservoirs gepumpt. Durch das natürliche Gefälle angetrieben gelangt es dann über lange Leitungen in die Gemeinden und zum Endverbraucher.

    Wie wird Regen zu Grundwasser?

    Als Grundwasser bezeichnet man tief im Boden gespeichertes, relativ sauberes Wasser. Das sammelt sich dort an, wenn Regen oder geschmolzener Schnee versickern. Allerdings gelangt nur ein Teil der Niederschläge in den Untergrund.

    67 von 100 Litern Regen verdunsten direkt an der Oberfläche oder werden durch die Vegetation aufgenommen. Weitere 16 Liter fließen über Bäche und Flüsse ins Meer. Nur 17 Liter versickern und füllen die Grundwasservorräte auf. Auf dem Weg in die Tiefe durchdringt das Wasser verschiedene Boden- und Gesteinsschichten, wodurch es gereinigt wird. Deshalb hat Grundwasser oft Trinkwasserqualität. (Regierung von Unterfranken)

     

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