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    Würzburg

    Bestechung im Knast: Drei weitere Jahre Haft für Würzburger Arzt

    Der angeklagte Schönheitschirurg gibt zu, einen JVA-Beamten bestochen zu haben, um in Haft an verbotene Handys zu kommen. Die Richter sehen in ihm den Kopf einer Bande.
    Beim Betrugsprozess in Würzburg begrüßte der angeklagte Schönheitschirurg (Mitte, zwischen seinen Verteidigern) Freunde im Zuschauerraum. Nun saß er erneut auf der Anklagebank - wegen Bestechung eines JVA-Beamten. Foto: Archivfoto Manfred Schweidler

    Das Gericht um Amtsrichter Thomas Behl hat am Montag kurzen Prozess gemacht mit dem prominentesten von 17 Angeklagten in der Prozess-Serie um den Handyschmuggel in der Würzburger Justizvollzugsanstalt (JVA): Drei Verhandlungstage waren angesetzt, nach drei Stunden schon war das Urteil gesprochen - und der Schönheitschirurg zu weiteren drei Jahre Haft verurteilt. Sie kommen zu den fünf Jahren und drei Monaten hinzu, die der Verurteilte bereits wegen Betruges absitzen muss. Und es könnte noch mehr werden.  

    Beamten bestochen, um an Handys zu kommen

    Der Mediziner soll mithilfe eines guten Freundes einen Würzburger JVA-Beamten bestochen haben. Der schmuggelte im Gegenzug verbotene Handys, SIM-Karten und sogar ein Tablet in den Knast, damit der Häftling Kontakt mit seiner Familie aufnehmen konnte.

    Der JVA-Beamte und eine Reihe von Häftlingen, die an der Schmuggelaktion beteiligt waren, hatten gestanden und sind bereits verurteilt worden. Nun stand der Arzt vor Gericht – eine illustre Persönlichkeit mit einem ambivalenten Verhältnis zur Wahrheit.

    Denn als Belastungszeuge im Prozess gegen den korrupten JVA-Beamten hatte der Mediziner vor einigen Wochen abenteuerliche Aussagen gemacht. Gegen ihn läuft deshalb derzeit ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Falschaussage vor Gericht. Inzwischen, so Insider, soll der Arzt die verharmlosenden Schilderungen in einer mehrseitigen schriftlichen Aussage korrigiert haben. 

    Ermittlungen gegen 17 Personen

    Verteidiger Bernhard Löwenberg gab am Montag die Taten seines Mandanten zu Beginn des Prozesses unumwunden zu. Auch Anwalt Stefan Wagner machte aus der Beteiligung des Helfers keinen Hehl.  Die Ermittler konnten auf den anonymen Brief eines Insiders verweisen, in dem es hieß: "Wenn man ihm das Handy abnimmt, hat er binnen zwei Wochen ein neues."

    Bei der Razzia vor einem Jahr im Gebäudeblock der Untersuchungsgefangenen waren 93 Zellen durchsucht und 125 Vernehmungen geführt worden. Das habe die Häftlinge indes kaum beunruhigt, sagte der führende Ermittler im Zeugenstand: Sechs Wochen nach der Razzia sei erneut ein Gefangener, ein mutmaßlicher Automatensprenger, beim Telefonieren erwischt worden.

    Handyhandel im Knast geht weiter

    Der Mann habe zwei Handys und 590 Gramm Marihuana, wohl von Bekannten aus Holland, bekommen. "Mobiltelefone werden nach wie vor eingeschmuggelt", bestätigte der langjährige Ermittler auf Nachfrage von Staatsanwalt Jörg Peterek. "Es ist sehr schwer, eine JVA komplett dicht zu kriegen." Ob in der JVA die Sicherheitsmaßnahmen verbessert worden seien? "Meines Wissens nach nicht", so der Ermittler  

    Kopfschüttelnd vernahm das dreiköpfige Gericht, dass zwar beispielsweise Rechtsanwälte bei Betreten der JVA nach verbotenen Mitbringseln durchsucht werden - die JVA-Bediensteten aber nach wie vor nicht. Dabei ist inzwischen ein zweiter Beamter angeklagt, wie der Polizist bestätigte.

    Helfer kam für "Freundschaftsdienst" mit Bewährungsstrafe davon

    Der Helfer von außen kam mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren Haft noch glimpflich davon.  Bei dem angeklagten Arzt und einstigen Liebling der feinen Gesellschaft in Würzburg, der zu Prozessbeginn einige Freunde unter den Zuschauern winkend begrüßt hatte, sprach der Staatsanwalt von "erheblicher Uneinsichtigkeit und krimineller Energie". Er forderte dreieinhalb Jahre Haft. Verteidiger Bernhard Löwenberg hielt eineinhalb Jahre für angemessen - auch angesichts der Tatsache, dass die JVA das Handyverbot nach wie vor ungenügend kontrolliere. Doch das Gericht sah den Häftling als Kopf einer Bande und verhängte drei Jahre Haft.   

    Falschaussage vor Gericht? Weiterer Prozess steht an

    Der Arzt hatte gehofft, nach Verbüßen von zwei Dritteln der Strafe wegen Betrugs vorzeitig auf Bewährung freizukommen. Der für sein fachliches Können geschätzte Chirurg versuchte zuletzt auch, seine Approbationen wieder zu bekommen, die ihm aberkannt worden waren. Beides liegt nun in weiter Ferne. Vielmehr steht demnächst ein weiterer Prozess wegen Falschaussage im Zeugenstand an.

    Die Prozess-Serie wegen Handyschmuggels in der JVA Würzburg geht indes weiter: Mitte der Woche stehen vier weitere Häftlinge vor Gericht.

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